Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Reithgras; Reitknochen; Reitkunst

709

Reithgras - Reitkunst.

nisch-persischen Krieg 100,000 Mann zu Pferde. Die Griechen errichteten erst in den persischen Kriegen eine R., welche 1/11 aller Streitkräfte ausmachte und schwer gerüstet war. Im Peloponnesischen Kriege gesellte sich dazu auch noch eine Art leichter Reiter. Am ausgebildetsten erscheint die R. unter Alexander d. Gr. Seine schwere R. führte Panzer, Helm, Beinschienen von Erz, einen am linken Arm hängenden Reiterschild, einen Wurfspieß, einen langen Speer und ein Schwert; die leichte hatte keine Schutzwaffen, selbst keinen Schild. R. stand bei den Griechen meist an den Flügeln, auch in den Zwischenräumen des Fußvolkes. Sie wurde in Einer Linie oder in Form eines Keils oder länglichen Vierecks aufgestellt. Die Römer besaßen eine R. schon seit den ersten Königen, zunächst als deren Leibwache; aus ihr entwickelte sich der Stand der Ritter (equites). Unter der Republik wurden jeder Legion 300 Reiter zugeteilt, dazu trat dann die R. der Bundesgenossen. Seit Marius kamen auch andre Stände, selbst Ausländer, in diese R., deren Ansehen damit sank. Unter den Kaisern bestand die R. größtenteils aus Ausländern. Sie war mit Spieß und Schwert bewaffnet; als Schutzwaffen dienten ein Schild, eiserner Helm, Brustharnisch und Beinschienen. Auch hier deckte die R. gewöhnlich die Flügel des schwerbewaffneten Fußvolkes, die römische den einen, die der Bundesgenossen den andern Flügel. Bei den Germanen nahm die R. noch schnelle Fußgänger unter sich auf und war, wie die römische, abgerichtet, von den Pferden zu springen und zu Fuß zu kämpfen; daher war ihre Bewaffnung von jener des Fußvolkes nicht sehr verschieden. Als die Avaren und Hunnen mit ihren ungeheuern Reiterscharen in Deutschland einbrachen, zwangen ihre Fortschritte die Deutschen, ihren Feinden gleiche Waffen entgegenzustellen. Damals erwachte in Deutschland die Liebe zum Reiterdienst. Die Kraft der Heere lag bald in der R., indem nur der schwer gepanzerte Edle zur Geltung kam. Nur die Edlen kämpften in ihr, der Reiterdienst an sich wurde eine Auszeichnung; die Reiter wurden Ritter genannt, und es bildete sich hieraus das Ritterwesen (s. d.). Eine R., die unabhängig war von der feudalen Ritterschaft, entstand zuerst in Frankreich in den Ordonnanzkompanien (s. d.), in denen schwere und leichte R. gemischt war. Infolge der Erfindung des Schießpulver verloren die ältern Streit- und Schutzwaffen nach und nach ihre Brauchbarkeit. Die deutsche R. bildeten zu den Zeiten Karls V. Reiterstandarten, deren jede 60 schwere Lanzen, 120 Kyrisser (s. Kürassiere) und 60 Arkebusiere zählte. Unter Maximilian mußten die deutschen Reiter noch von Adel sein und führten teils noch die Lanze, teils Degen und Pistolen; ein jeder hatte einen halb geharnischten und mit einem langen Feuerrohr bewaffneten Knecht bei sich, und diese Knechte bildeten die leichte R. Später bildete man aus den Knechten besondere Kompanien, so daß eine Kompanie Kürassiere 100, jene der Arkebusiere oder Karabiniere 50-60 Pferde stark war. Das Aufkommen der Dragoner (s. d.) verdrängte die Lanze ganz, die Lanzen- oder Speerreiter wurden in Kürassiere umgewandelt. Sie führten nun Degen und Pistole, die Karabiniere oder Arkebusiere dagegen die größern Handfeuerwaffen. Ein Reiterregiment zählte damals 1000, eine Fahne 250 Pferde. Der Dreißigjährige Krieg bezeichnet eine neue Periode in der Entwickelung der R. Gustav Adolf vereinfachte die Manöver der R., machte ihre Rüstung leichter und wies sie vorzugsweise auf den Gebrauch der blanken Waffe an. In Deutschland bestand damals ein Regiment aus 8 Eskadrons, jede zu 66-72 Pferden. In Preußen betrug die R. unter dem Kurfürsten Georg Wilhelm nicht über 1000 Pferde, der Große Kurfürst vermehrte sie auf 32 Eskadrons Kürassiere und 8 Eskadrons Dragoner. Beim Tod Friedrich Wilhelms I. zählte die R. schon 60 Eskadrons Kürassiere, 45 Eskadrons Dragoner und 9 Eskadrons Husaren, die Eskadron 50-60 Reiter. Friedrich II. vermehrte die Husaren, stellte der R. wieder ihre wahre Gefechtsaufgabe, das rücksichtslose Reiten u. Einhauen mit der blanken Waffe, und sicherte ihr, von Führern wie Zieten und Seydlitz unterstützt, im Siebenjährigen Krieg die allbekannte Überlegenheit. Sein Grundsatz, daß R. sich nie darf stehenden Fußes attackieren lassen, sondern jedem Angreifer entgegenzugehen hat, ist noch heute die Grundlage für die Taktik der Waffe. Deutschland hat Kürassiere, Dragoner, Husaren, Ulanen, Reiter (Sachsen) und Chevau-legers (Bayern), zusammen 93 Regimenter; Österreich Dragoner, Husaren, Ulanen, zusammen 41 Regimenter, sämtlich mit Säbel und Karabiner bewaffnet; England Kürassiere, Dragoner, Ulanen, Husaren, zusammen 31 Regimenter; Frankreich Kürassiere, Dragoner, Chasseurs, Husaren, Chasseurs d'Afrique (4), Spahis (3), zusammen 77 Regimenter; Rußland nur bei der Garde Kürassiere, Dragoner, Ulanen, Husaren, bei den Kavalleriedivisionen nur Dragoner und Kosaken, zusammen 77 Regimenter, sämtlich (mit geringen Ausnahmen) mit Säbel und Dragonergewehr bewaffnet; vgl. den Abschnitt "Heerwesen" bei den einzelnen Staaten. Vgl. Jähns, Roß und Reiter (Leipz. 1872, 2 Bde.); Denison, History of cavalry (Lond. 1877; deutsch von Brix, Berl. 1879); v. Haber, Die Kavallerie des Deutschen Reichs. Ihre Entstehung etc. (Hannov. 1877; ein zweites Werk Rathenow 1886); Derselbe, Geschichte der Kavallerie des Deutschen Reichs (Berl. 1881); v. Schmidt, Instruktionen der R. (2. Aufl., das. 1886); Kühler, Die preußische R. von 1806 bis 1876 in ihrer innern Entwickelung (das. 1879); v. Mühlwerth-Gärtner, Die österreichische Kavallerie in Feldzügen des 18. Jahrhunderts und der neuesten Zeit (Wien 1881); v. Suttner, Reiterstudien zur Geschichte der Ausrüstung etc. (das. 1880).

Reithgras, s. Calamagrostis.

Reitknochen, s. Exerzierknochen.

Reitkunst, die Kunst, sich mit Gewandtheit, Sicherheit und Anstand des Pferdes zum Reiten zu bedienen. Je nach den besondern Zwecken, welche der Reiter verfolgt, unterscheidet man Jagd-, Soldaten- oder Kampagne-, Renn- und Sportreiterei; wird dagegen das Reiten zum Selbstzweck erhoben, und handelt es sich darum, die schöne Gestalt und die schönen Bewegungen des Pferdes sowie die Harmonie zwischen Gestalt und Bewegungen von Roß und Reiter zum Ausdruck zu bringen, so bezeichnet man dies mit Recht als eine Kunst, die R. Man unterscheidet hier die Schul- und die Kunst- oder Zirkusreiterei und bei der erstern, je nach den Leistungen, eine niedere und eine hohe Schule; letztere ist die eigentliche R. Diese wird vom Kunstreiter zwar auch ausgeübt, doch verbindet er mit derselben meist noch gymnastische Übungen, die mit der R. nichts zu thun haben. Die Ausübung der R. setzt die Ausbildung von Reiter und Pferd voraus. Menschen, welche ohne methodische Ausbildung im Reiten ihr Pferd vermöge natürlicher Anlagen zu führen und zu beherrschen wissen, pflegt man Naturreiter zu nennen. Die Abrichtung (Dressur) soll das Pferd dahin bringen, daß es widerstandslos, schnell und sicher den Willen des Reiters