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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rektum - Relief.

Rektum (lat. rectum), s. v. w. Mastdarm, s. Darm.

Rekülieren (franz.), zurückstoßen, zurückprallen, rücklaufen (von Schußwaffen); vgl. Recul.

Rekuperieren (lat.), wiedererwerben oder -erlangen.

Rekurrierendes Fieber, s. v. w. Typhus recurrens.

Rekúrs (lat. Recursus, franz. Recours), s. v. w. Rückgriff, Regreß (s. d.); dann Beschwerde; rekurrieren, R. einlegen, Beschwerde führen, z. B. gegen eine prozeßleitende richterliche Verfügung. Namentlich für die in Verwaltungssachen bei der Oberbehörde erhobene Beschwerde ist der Ausdruck R. gebräuchlich. Im Kirchenrecht versteht man unter R. (recursus ab abusu) die gegen Mißbrauch der geistlichen Gewalt zulässige Berufung an die weltliche Behörde. So ist z. B. in dem Reichsgesetz vom 4. Mai 1874, betreffend die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern, den Geistlichen, welchen der Aufenthalt in bestimmten Bezirken oder Orten versagt oder angewiesen worden ist, oder die aus dem Reichsgebiet ausgewiesen worden sind, gegen derartige Verfügungen das Rechtsmittel des Rekurses oder der Berufung an das höchste Strafgericht des Landes gegeben. Besondere Ausbildung hat der R. (appel comme d'abus) in Frankreich erfahren, woselbst er zu Anfang dieses Jahrhunderts bei Wiederherstellung der katholischen Staatsreligion durch Gesetz vom 18. Germinal X (8. April 1802) geregelt und sowohl wegen eines durch einen geistlichen Diener verübten Mißbrauchs der geistlichen Gewalt als auch gegen Eingriffe weltlicher Behörden in die öffentliche Religionsübung oder in die Freiheiten der Geistlichkeit gegeben ist.

Rekusation (lat.), Verweigerung, Ablehnung, namentlich eines Richters (s. d.).

Rekussion (lat.), das Zurückschlagen.

Relais (franz., spr. röläh), der Ort, an welchem für Reisende oder bei Parforcejagden für die Reiter frische Pferde (Relaispferde) in Bereitschaft stehen; im deutschen Reichspostgebiet kann man bei den Postämtern Relaispferde für Extrapoststationen vorausbestellen. In der Technik bezeichnet R. Vorrichtungen, mittels welcher man Bewegungen an einem entfernten Ort unter Benutzung einer ausreichenden Arbeitsquelle in der Weise vor sich gehen lassen kann, wie es von einem beliebigen Standort aus vorgezeichnet wird. Derartige R. benutzt man in der Telegraphie, im Torpedowesen etc. Das Wort wird auch auf Arbeitsverhältnisse angewandt, indem man als Relaissystem diejenige Einrichtung der Arbeit bezeichnet, bei welcher verschiedene Arbeitergruppen nach bestimmten Zeitabschnitten einander ablösen.

Relaiskolonien, s. Kolonien, S. 956.

Relaps (lat. relapsus), s. v. w. Rückfall.

Relapsus (lat.), ein Zurückgefallener, besonders in Ketzerei, wurde von der Inquisition ohne weiteres Verhör meist zum Feuertod verurteilt.

Relata refero (lat.), "ich erzähle das Erwählte wieder" (ohne die Wahrheit zu verbürgen).

Relation (lat.), der von dem Mitglied eines Kollegiums als Berichterstatter (s. d.) oder Referenten erstattete mündliche oder schriftliche Vortrag. Der in besonders wichtigen Fällen übliche Vortrag eines zweiten Mitglieds des Kollegiums (des Korreferenten) über dieselbe Sache heißt Korrelation. Auch bezeichnet man mit R. den Bericht des amtlichen Vollzugs- und Dienerpersonals über Behändigungen, Vorladungen und andre ihm befohlene Handlungen. Im logischen Sinn ist R. Beziehung des einen auf das andre, daher s. v. w. Verhältnis.

Relativ (lat.), was sich auf etwas bezieht, in Verhältnis zu etwas steht, also nur bedingungs- oder beziehungsweise wahr ist. Daher relative Begriffe solche, die sich erst aus der Vergleichung eines Gegenstandes mit einem andern ergeben.

Relativum (lat.), rückbeziehendes Fürwort, s. Pronomen.

Relaxation (lat.), Erschlaffung der Gewebe.

Relegation (lat., "Verweisung"), bei den alten Römern in der republikanischen Zeit Entfernung aus Rom, die ein höherer Magistratus gegen solche Personen verfügen durfte, deren Anwesenheit er für staatsgefährlich hielt; unter den Kaisern geringerer Grad der Verbannung, öfters aus Schonung über vornehme Personen verhängt und ohne infamierende Wirkung. Jetzt bezeichnet R. (relegatio publica) Verweisung von der Universität, deren milderer Grad das Consilium abeundi (s. d.) ist.

Relevant (lat.), erheblich, wichtig; Relevanz, Erheblichkeit, besonders eines Rechtsmittels; Gegensatz: irrelevant (s. d.).

Relevation (lat.), Befreiung von einer Verbindlichkeit, einer Last; Erleichterung.

Relevé (franz.), Zwischengericht, welches durch pikanten Geschmack den Appetit von neuem reizen soll, meist aus einem Fleischgericht mit pikanter Sauce, aus Fisch, Ragouts etc. bestehend.

Relevieren (lat.), erleichtern, von einer Last befreien; auf-, in die Höhe richten; etwas hervorheben, heraustreten machen; von jemand abhängig sein, namentlich in Lehnsabhängigkeit stehen.

Relief (franz., spr. röljeff, ital. rilievo), erhabene Arbeit, diejenige Gattung der Bildnerei, welche an vertiefter Fläche die Figuren mehr oder weniger erhaben heraustreten läßt. Das R. bildet eine Mittelgattung zwischen der eigentlichen Skulptur, von der sie die Darstellungsweise, und der Malerei, von der sie die Anordnung hat, so zwar, daß das plastische Prinzip mehr in den einfachen, ruhigen Reliefs der ältern griechischen Kunst, das malerische dagegen in den überfüllten, oft heftig bewegten der spätern römischen Kunst vorherrscht. Bei den Griechen, die in diesem Zweig der Kunst Meisterwerke lieferten, wie unter anderm die Friese und Metopen aus dem Parthenon, dem Theseustempel und dem Apollontempel zu Bassä bei Phigalia beweisen, schied sich das R. von Anfang an je nach der Verwendung in Hochrelief (Hautrelief), welches durch stark vorragende Umrahmung (namentlich die Triglyphenblöcke) zu starker Hervorhebung der Figuren gezwungen war, und in das einfache, zur Flächenverzierung bestimmte Flachrelief (Basrelief), wie es an Grabstelen etc. üblich war. Aufrollung der Darstellung, so daß Verdeckung der Figuren, Überschneidung derselben, auch Verkürzungen vermieden wurden, war Stilgesetz, Raumfüllung (welche Isokephalie, d. h. gleiche Höhe für alle Köpfe, bedingte) erforderte die ornamentale Verwendung desselben. Erst in alexandrinischer Zeit drangen malerische Elemente in das R. ein, der Hintergrund belebte sich mit früher vermiedenem Beiwerk (kleinere Reliefs von Pergamon), und so wurden der römischen, oft drei und mehr Reliefflächen verwendenden Technik die Wege gewiesen, welche ihrerseits wieder auf das R. der Renaissancezeit bestimmenden Einfluß hatte. Ghiberti wandte bei seinen Erzthüren zuerst eine noch mehr malerische, perspektivische Darstellungsart an, und seinem Beispiel folgend, gerieten die Algardi, Bernini, Legros in vollständige Stillosigkeit. Thorwaldsen führte, namentlich in seinem Alexanderzug, auf Grund des Studiums rein griechischer Monumente, besonders des Parthenonfrieses, das R. zu seinem wahren Wesen zurück;