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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Renntier - Rentabilitätslehre.

denen geologischen Altersperioden an. Die ältesten Funde stammen aus der ältern Diluvialzeit, die jüngsten aus Torfmooren und Moderbildungen, und diese reichen vielleicht bis in frühhistorische Zeit. An sehr vielen Stellen hat man von Menschenhand bearbeitete fossile Renntiergeweihe gefunden, zusammen mit Werkzeugen der ältern Steinzeit und hier und da mit Menschenknochen. Man spricht deshalb von einer Renntierzeit als einer Periode des Diluviums.

Renntier, aus kleinen Sternen gebildetes Sternbild zwischen dem Polarstern und den Füßen der Kassiopeia, von Lemonnier zur Erinnerung an die lappländische Gradmessung eingeführt. Die Bezeichnung ist jetzt nicht mehr üblich.

Renntierflechte (Renntiermoos), s. Cladonia.

Rennzeug, eine leichtere Art der Plattenrüstung des 16. Jahrh., welche für das Bundrennen im Turnier bestimmt war (leichtes Stechzeug). Sie bestand aus dem Rennhut, einer Brustplatte, dem Bauch- und Hüftenschutz.

Reno (sonst Rhenus), Fluß in Mittelitalien, entspringt am toscanischen Apennin, nordöstlich von Pistoja, fließt in nördlicher Richtung, erreicht westlich von Bologna die Ebene, nimmt hier links die Samaggia auf und ist (seit 1767) unterhalb Cento durch den Cavo Benedettino in den Po di Primaro geleitet. Der R., der sein Bett außerordentlich durch die mitgeführten Geröllmassen erhöht hat und nur mit Anstrengung daran gehindert wird, es beständig zu verändern, ist die fortwährende Gefahr und Sorge der Romagna, die dauernd zu beseitigen noch keinem Ingenieur gelungen ist.

Renommée (franz.), Berühmtheit, öffentlicher Ruf, Leumund; renommieren, sich breit machen, prahlen; Renommage (spr. -ahsch), Prahlerei, besonders burschikose; Renommist, Prahler, Raufbold auf Universitäten.

Renonce (franz., spr. -nóngs), Fehlfarbe im Kartenspiel; Student, der sich zu einer Verbindung hält, ohne noch als Mitglied aufgenommen zu sein.

Renoncieren (franz., spr. -nongss-), auf etwas verzichten; im Kartenspiel s. v. w. nicht bekennen können, eine Karte von andrer Farbe zugeben.

Renouard (spr. rönuār), 1) Antoine Augustin, ausgezeichneter Bibliograph, geb. 21. Sept. 1765 zu Paris, war ursprünglich Kaufmann, wandte sich später den Wissenschaften zu und wurde Buchhändler, als welcher er sich durch die vorzügliche Ausstattung und Korrektheit seiner Verlagswerke, noch mehr aber durch verschiedene eigne Arbeiten zur Geschichte des Buchhandels und der Typographie verdient machte. Die wichtigsten unter diesen sind die "Annales de l'imprimerie des Alde" (Par. 1803-12, 2 Bde. mit 1 Supplement; 3. Aufl. 1834, 3 Bde.) und die "Annales de l'imprimerie des Estienne" (das. 1837-1838, 2. Aufl. 1843). Er selbst besaß eine der kostbarsten Büchersammlungen, deren Verzeichnis er in dem "Catalogue d'une précieuse collection de livres etc." (Par. 1853) herausgab. Auch an dem politischen Leben seiner Vaterstadt nahm er regen Anteil. Er starb 15. Dez. 1853 in St.-Valery sur Somme. Sein Leben beschrieb Tardieu (Par. 1854).

2) Augustin Charles, franz. Rechtsgelehrter, geb. 22. Okt. 1794 zu Paris, studierte, nachdem er die Normalschule besucht, erst Philosophie, später Jurisprudenz und wurde 1817 Advokat am Pariser Appellhof, wo er besonders in Preßprozessen plaidierte. Im August 1830 ward er Staatsrat und Generalsekretär im Justizministerium, 1837-69 versah er die Stelle eines Rats am Kassationshof. Von 1831 bis 1848 ward er zu verschiedenen Malen zum Deputierten gewählt, 1846 zum Pair ernannt. Seit 1861 Mitglied der Akademie, war er von 1871 bis 1876, wo er zum Senator auf Lebenszeit ernannt ward, Generalprokurator am Kassationshof. Er starb 17. Aug. 1878 auf Schloß Stors bei L'Isle Adam. Von seinen zahlreichen Schriften seien genannt: "Éléments de la morale" (Par. 1818, 2. Aufl. 1820); "Mélanges de morale, d'économie et de politique" (1824, 3. Aufl. 1853); "Traité des brevets d'invention" (1825, 3. Aufl. 1865); "Traité des droits d'auteurs dans la littérature, les sciences et les beaux-arts" (1838); "Traité des faillites et banqueroutes" (1842, 2 Bde.; 3. Aufl. 1857); "Du droit industrie" (1860). Seine "Discours prononcés à la cour de cassation 1871-1877" mit vorausgeschickter Lebensbeschreibung gab Charles Richet (Par. 1879) heraus.

Renouf (spr. -núf), Peter le Page, engl. Ägyptolog, geb. 1824 auf der Insel Guernsey, studierte in Oxford, ward bei Eröffnung der katholischen Universität von Irland Professor der alten Geschichte und der orientalischen Sprachen an derselben und 1864 königlicher Schulinspektor. Nach Birchs Tod wurde er 1886 zum Konservator der orientalischen Altertümer im Britischen Museum ernannt; auch als Präsident der Society of Biblical Archaeology folgte er auf seinen Vorgänger im Amt. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Traduction d'un chapitre du rituel funéraire des anciens Égyptiens" (1860); "Note of some negative particles of the Egyptian language" (1862); "A prayer from the Egyptian ritual" (aus dem hieroglyphischen Text übersetzt, 1862); "Sir G. C. Lewis on the decipherment and interpretation of dead languages" (1863, eine Abfertigung Lewis' für seine Angriffe auf Champollion); "Miscellaneous notes on Egyptian philology" (1865); "Note on Egyptian prepositions" (1874); "An elementary manual of the Egyptian language" (1875) u. a. Zwischendurch hat er auch kirchengeschichtliche Arbeiten veröffentlicht, die von der ultramontanen Presse heftige Angriffe erfuhren und auf den Index gesetzt wurden, als: "The condemnation of Pope Honorius" (1868) und "The case of Pope Honorius reconsidered with reference to recent apologies" (Götting. 1869). Sein neuestes Werk ist "Lectures on the origin and growth of religions as illustrated by the religion of ancient Egyptians" (Lond. 1880, 2. Aufl. 1885; deutsch, Leipz. 1882).

Renovieren (lat.), erneuern, wiederherstellen; Renovation, Erneuerung, Wiederholung, Wiederherstellung; bei Wechseln s. v. w. Prolongation.

Rense, Flecken, s. Rhense.

Renseignement (franz., spr. rangssänj'mang), Belehrung, Nachweisung, Benachrichtigung.

Rensselaerhafen (spr. rennssiler-), Bai an der Ostseite des Kanebeckens im arktischen Amerika (78° 37' nördl. Br.), in welcher Kane zwei Winter (24. Aug. 1853 bis 17. Mai 1855) zubrachte.

Rentābel (franz.), zinstragend, einträglich; Rentabilität, Einträglichkeit; daher Rentabilitätsberechnung, die Ermittelung des finanziellen Vorteils einer Unternehmung oder eines Wirtschaftsverfahrens.

Rentabilitätslehre, forstliche (forstliche Statik), Lehre von der Rentabilitätsberechnung einer forstlichen Wirtschaft od. Wirtschaftsmaßregel. Zweck der R. ist die Ermittelung der vorteilhaftesten Wirtschaftsart durch Vergleichung der Wirtschaftserträge mit den Wirtschaftskosten. Als vorteilhafteste Wirtschaft wird diejenige angesehen, welche den höchsten