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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Reuß; Reußen; Réussieren; Reuter

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Reuß - Reuter.

v. Harbou änderte. 1866 hielt sich R. anfangs neutral, trat aber schon 26. Juni 1866 durch freiwilligen Vertrag mit Preußen dem in Aussicht genommenen Norddeutschen Bund bei. 1867 ging infolge einer Konvention die Militärhoheit auf Preußen über. Am 11. Juli 1867 starb in hohem Alter Fürst Heinrich LXVII., und es folgte ihm sein 28. Mai 1832 geborner Sohn Heinrich XIV., welcher in maßvollem, bundestreuem Sinn die Regierung weiterleitete. Harbous Nachfolger wurde 1877 der Staatsrat v. Beulwitz. Seit 1871 ist auch R. Bundesstaat des Deutschen Reichs. Vgl. Maier, Chronik des fürstlichen Hauses der Reußen von Plauen (Weim. 1811); Limmer, Entwurf einer urkundlichen Geschichte des gesamten Vogtlandes (Gera 1825-28, 4 Bde.); Derselbe, Kurze Geschichte des Hauses R. (Ronneb. 1829); Brückner, Landes- und Volkskunde des Fürstentums R. jüngere Linie (Gera 1870, 2 Bde.).

Reuß, Heinrich VII., Prinz, deutscher Staatsmann, geb. 14. Juli 1825, Sohn des 27. Sept. 1841 verstorbenen Prinzen Heinrich LXIII. aus der Linie R.-Schleiz-Köstritz, studierte 1845-48 in Heidelberg und Berlin die Rechte, trat 1849 in das 8. Ulanenregiment und 1853 in den diplomatischen Dienst. Er war 1854-63 Rat bei der preußischen Gesandtschaft in Paris, ward 1863 Gesandter in Kassel, 1864 in München, 1867 Gesandter, 26. April 1871 Botschafter des Deutschen Reichs in Petersburg, 1873 Generaladjutant des Kaisers, nahm 1876 seine Entlassung, vermählte sich 6. Febr. 1876 mit der Prinzessin Maria von Sachsen-Weimar, ward 1876 Mitglied des preußischen Herrenhauses und 1877 außerordentlicher Botschafter in Konstantinopel. Im Juni 1878 ward er zum deutschen Botschafter in Wien ernannt.

Reuß, 1) Karl August von, Forstmann, geb. 26. Okt. 1793 zu Großebersdorf, besuchte 1812 die Forstschule in Tharandt, nahm 1813-14 als Offizier teil an dem Feldzug in den Niederlanden und wurde nach der Besitzergreifung seiner Heimatsgegend durch Preußen Oberförster zu Burgliebenau (Schkeuditz), 1819 Forstinspektor in Schleusingen, 1828 Regierungs- und Forstrat in Gumbinnen, 1831 Geheimer Finanzrat im preußischen Finanzministerium, 1836 Oberlandforstmeister, erhielt 1840 den Adel, ward 1843 zum Mitglied des Geheimen Staatsrats ernannt, trat 1863 in den Ruhestand und starb 30. April 1874. R. hat sich um die strenge Ordnung des preußischen Staatshaushalts betreffs der Staatsforsten große Verdienste erworben. Ausgestattet mit bedeutendem Organisationstalent, hob er die preußische Staatsforstverwaltung zu einer der geordneten empor und nahm regen Anteil an jener preußischen Finanzpolitik, welche den Staat für die großen politischen Aufgaben der Zukunft vorbereitete.

2) Eduard, protest. Theolog, geb. 18. Juli 1804 zu Straßburg, widmete sich auf der Akademie daselbst erst dem Studium der klassischen Philologie, dann dem der Theologie, das er in Göttingen und Halle fortsetzte. Von Paris, wo er unter Silvestre de Sacy orientalische Studien gemacht, nach Straßburg zurückgekehrt, habilitierte er sich daselbst als Privatdozent für das Fach biblischer und orientalischer Wissenschaften, ward 1834 außerordentlicher, 1836 ordentlicher Professor daselbst und rückte 1838, dann, nach Wiederherstellung der Universität, wieder 1872 in die theologische Fakultät ein, der er bis 1888 angehörte. Seine Hauptwerke sind: "Geschichte der Heiligen Schrift Neuen Testaments" (Halle 1842; 6. Aufl., Braunschw. 1887); "Geschichte der Heiligen Schrift Alten Testaments" (das. 1881); "Histoire de la théologie chrétienne au siècle apostolique" (3. Aufl., Straßb. 1864, 2 Bde.); "Histoire du canon des saintes Écritures" (2. Aufl., das. 1864); "Bibliotheca Novi Testamenti" (Braunschw. 1872); "Hiob" (das. 1888). Außerdem gab er die "Beiträge zu den theologischen Wissenschaften" mit Cunitz (1851-56, 6 Bde.) heraus. Gleichfalls mit diesem veranstaltete er seit 1863 die Gesamtausgabe der Werke Calvins im "Corpus Reformatorum". Ein großes französisches Bibelwerk ("La Bible, traduction nouvelle avec introductions et commentaires", 1875-81, 19. Bde.) faßte die Ergebnisse seiner Forschungen zusammen. - Sein Sohn Rudolf, geb. 1841, Professor am protestantischen Gymnasium und Stadtbibliothekar in Straßburg, veröffentlichte zahlreiche Abhandlungen, besonders über Straßburger und elsässische Lokalgeschichte, meist in französischer Sprache.

3) August Emanuel, Mineralog und Paläontolog, geb. 8. Juli 1811 zu Bilin in Böhmen, studierte Medizin und war 1834-49 Badearzt in Bilin. Schon in dieser Stellung mit mineralogischen und paläontologischen Studien beschäftigt, wurde er 1849 Professor der Mineralogie in Prag, 1863 in Wien, wo er 26. Nov. 1873 starb. Unter seinen zahlreichen Arbeiten beschäftigen sich viele mit der Foraminiferenfauna verschiedener Formationen und Lokalitäten und führten zum "Entwurf einer systematischen Zusammenstellung der Foraminiferen" (Wien 1861). Außerdem schrieb er: "Die Kreidegebilde des westlichen Böhmen" (Prag 1844); "Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation" (Stuttg. 1845 u. 1846); "Beiträge zur Charakteristik der Kreideschichten in den Ostalpen, besonders im Gosauthal und am Wolfgangsee" (Wien 1853); "Mineralogische Notizen aus Böhmen" (das. 1857); "Zur Kenntnis der fossilen Krabben" (das. 1860); "Die fossilen Korallen des österreichisch-ungarischen Miocäns" (das. 1872); "Über die Paragenese der auf den Erzgängen von Přibram einbrechenden Mineralien" (das. 1863).

Reußen, s. v. w. Russen ("Kaiser aller R."); auch die Glieder des Fürstenhauses Reuß.

Réussieren (franz., spr. re-üss-), seinen Zweck erreichen, in einem Vorhaben glücklich sein.

Reuter, 1) Christian, nach Zarnckes Nachweis der bisher unbekannte Verfasser des Lügenromans "Schelmuffsky", geb. 1665 zu Kütten bei Halle, studierte seit 1688 in Leipzig Theologie, später Jurisprudenz, trat nebenbei als Schauspieler auf und schrieb unter dem Namen "Hilarius" satirische Komödien, deren Stoff er dem Leben einer Leipziger Familie entnahm. Von dieser als Pasquillant verklagt, wurde er 1696 auf mehrere Jahre relegiert und 1699 mit gänzlicher Exklusion bestraft. Er trat darauf in die Dienste eines Kammerherrn v. Seyfferditz in Dresden und ist später verschollen. R. war ein witziger Kopf von natürlicher Derbheit und besaß ein außergewöhnliches Talent für Charakterzeichnung. Seine Lustspiele sind Charakterkomödien im Geist Molières, z. B. "Die ehrliche Frau zu Plissine (Pleißenstadt)" (1695), worin bereits die Figur des Schelmuffsky als der von gefährlichen Reisen heimkehrende Sohn der Frau Schlampampe eingeführt wird. Sein Hauptwerk aber ist der genannte Roman, eine Satire auf die aufschneiderischen modischen Reiseromane im galanten Ton eines Handwerksburschen und eine der vorzüglichsten Schöpfungen der humoristischen Poesie. Das Werkchen erschien unter dem Titel: "Schelmuffskys wahrhaftige kuriöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und Lande" (erster Teil, Schelmerode 1696; andrer Teil, Pavia 1697)