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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rfz. - Rhamnus.

Metz, an der Chaussee von Metz nach Verdun, zwischen den Dörfern Vionville und Gravelotte, mit 480 Einw. Hier war 16. Aug. 1870 während der Schlacht bei Vionville die Hauptstellung der Franzosen, welche daher auch diese Schlacht nach R. benennen.

Rfz., Abkürzung für Rinforzando (s. d.).

Rgl., bei botan. Namen Abkürz. für E. A. v. Regel.

Rh, in der Chemie Zeichen für Rhodium.

Rha, bei den Alten großer Strom im östlichen Sarmatien, die jetzige Wolga.

Rhabanus, s. Hrabanus.

Rhabarber, Pflanzengattung, s. Rheum; schwarzer R., s. Ipomaea.

Rhabdit, s. Schreibersit.

Rhabdomantie (griech.), s. Wünschelrute.

Rhachialgie (griech.), neuralgischer oder entzündlicher Schmerz in der Wirbelsäule.

Rhachis (griech.), das Rückgrat, die Wirbelsäule; in der Botanik s. v. w. Blattspindel (s. Blatt, S. 1015).

Rhachitis, s. Rachitis.

Rhacodium cellare, s. Schimmel.

Rhacomawurzel, s. Rheum.

Rhadamanthys, in der griech. Mythologie Sohn des Zeus und der Europa, Bruder des Minos, geriet mit diesem in Streit und mußte aus Kreta entfliehen, hielt sich eine Zeitlang auf den Inseln des Ägeischen Meers auf und gab den Einwohnern derselben Gesetze. Später begab er sich nach Böotien, wo er sich mit Alkmene vermählte, und ward nach seinem Tod wegen seiner Gerechtigkeit einer der Richter in der Unterwelt. Nach andern lebt er in den elysischen Gefilden.

Rhadames, Stadt, s. Ghadames.

Rhagä (Rages), älteste Hauptstadt von Medien, durch Seleukos I. hergestellt und Europos genannt, wurde 642 von den Arabern, dann, nachdem sie von den Kalifen wieder aufgebaut worden, durch ein Erdbeben und zum drittenmal 1220 von den Mongolen zerstört und liegt seitdem in Trümmern. Ihre Ruinen (Rai oder Rei) liegen unfern Teheran.

Rhagades, s. Aufspringen der Haut.

Rhamnaceen, dikotyle Familie aus der Ordnung der Frangulinen, ca. 430 Arten umfassende, der warmen und gemäßigten Zone angehörige Holzpflanzen, manche mit dornigen Zweigen, mit wechselständigen, seltener gegenständigen Blättern und mit vollständigen oder durch Fehlschlagen eingeschlechtigen, regelmäßigen, verhältnismäßig kleinen, grün gefärbten Blüten, welche einzeln, achselständig oder in Büscheln, Dolden oder Trugdolden, seltener in Ähren, Rispen, Knäueln oder Köpfen stehen. Die Blüten sind typisch fünfzählig, haben einen klappigen, verwachsenblätterigen Kelch, fünf freie, bisweilen verkümmerte Blumenblätter, einen im Kelchgrund befindlichen Diskus, fünf stets vor den Kronblättern stehende Staubgefäße und meist drei Karpellblätter. Diese verwachsen zu einem oberständigen oder unterständigen Fruchtknoten, der sich zu einer Stein- oder Kapselfrucht entwickelt. Vgl. Baillon, Histoire des plantes, Bd. 6. Fossil sind zahlreiche Arten aus den Gattungen Rhamnus L., Paliurus Tourn., Zizyphus Mill. u. a. aus Tertiärschichten bekannt. Technische Anwendung findet das Holz des Faulbaums (Rhamnus Frangula) als Holzkohle und die Früchte andrer Rhamnus-Arten zur Farbstoffbereitung.

Rhamnetin, s. Gelbbeeren.

Rhamnin, s. Gelbbeeren.

Rhamnus L. (Kreuzdorn, Wegdorn), Gattung aus der Familie der Rhamnaceen, Bäume oder Sträucher mit oft dornig endenden Zweigen, wechsel-, bisweilen fast gegenständigen, gestielten, ganzen, bisweilen bleibenden Blättern, kleinen, gehäuft achselständigen, meist gelblichgrünen Blüten und oft trocken werdender Steinfrucht mit 2-4 Kernen. R. alaternus L. (immergrüner Kreuzdorn), ein bis 6 m hoher, dornenloser Strauch in Südeuropa, mit eirund elliptischen, lederartigen, glatten, immergrünen Blättern und unansehnlichen weißen Blüten in kurzen Trauben, wird in England und Frankreich als Heckenpflanze, bei uns mit goldgelb und weiß umrandeten oder gefleckten Blättern in Kalthäusern kultiviert. Einige kleine Arten, wie R. rupestris Scop., in Illyrien, Istrien und der europäischen Türkei, R. pumila L., in Mittel- und Südeuropa, und R. alpina L., sind Gebirgssträucher, welche anliegend die Felsen überziehen und auch in Gärten kultiviert werden. R. cathartica L. (Purgierwegdorn, gemeiner Kreuzdorn, Hirschdorn, Amselbeere, Rainbeere) ist ein dorniger, etwa 3 m hoher Strauch fast in ganz Europa und Nordasien, mit gegenständigen, eirunden oder breit elliptischen, kerbig gesägten Blättern und gebüschelten, kleinen, gelbgrünen Blüten. Die grünlichschwarzen Beeren (Baccae spinae cervinae, Kreuz-, Stech-, Grün-, Farbebeeren) schmecken süßlich, später widrig bitter, enthalten im Fruchtsaft einen Bitterstoff, Rhamnokathartin, und Rhamnin, welches durch Kochen mit verdünnten Säuren in Zucker und Rhamnetin gespalten wird. Letzteres findet sich auch in den unreifen Früchten und bedingt deren Färbevermögen. Sie sind ein zumal unter den Landleuten beliebtes Abführmittel; namentlich ist der daraus bereitete sogen. Haussirup (Sirupus Rhamni catharticae s. domesticus s. spinae cervinae) als mildes Abführmittel in Gebrauch. Die unreifen Beeren bilden einen Teil der in den Handel kommenden Gelbbeeren (s. d.). Aus dem Saft reifer Beeren bereitet man das sogen. Blasen-, Beer- oder Saftgrün (Succus viridis), aus den überreifen Beeren dagegen eine rote Farbe, während die Rinde zum Gelb- und Braunfärben verwendet wird. Das Holz dient zu Furnier- und Drechslerarbeiten. R. Frangula L. (Faulbaum, Zapfenholz) ist ein etwa 3 m hoher, unbewehrter Strauch in Europa, dem Orient und Nordasien, mit wechselständigen, umgekehrt eirunden oder länglichen, ganzrandigen Blättern, unscheinbaren Blüten und auf ganz flacher Kelchbasis sitzenden, anfangs gelben, dann roten, zuletzt schwarzblauen Beeren. Die Rinde (Cortex Frangulae, Faulbaum-, Hundsbaum-, Lausbaumrinde) ist als Abführmittel im Gebrauch. Auch die Beeren (vulgo Scheißbeeren) sind ein sehr gewöhnliches Purgiermittel. Rinde, Blätter u. Beeren enthalten einen gelben Farbstoff (Rhamnoxanthin) und einen der Kathartinsäure ähnlichen, purgierend wirkenden Stoff, das Avornin. Das Holz gibt eine vorzügliche Kohle zu Schießpulver. R. infectoria L. ist ein niedriger, sehr ästiger Strauch in Südeuropa und Vorderasien, mit gabelständigen Dornen, elliptischen, mehr oder weniger gegenüberstehenden, klein gesägten Blättern und auf der bleibenden, ganz flachen Basis des Kelchs sitzenden Beeren, welche, unreif gesammelt, als Gelbbeeren (s. d.) in den Handel kommen. R. saxatilis L., ein meist niedriger, oft dorniger Strauch in Südeuropa, den Alpen und Ungarn, mit fast gegenüberstehenden, länglichen, seltener eirunden, klein gesägten Blättern, grünlichgelbe Blüten und dunkel fahlgelben Früchten, liefert ebenfalls Gelbbeeren. R. Purshiana Dec., 3 m hoher Strauch mit länglich lanzettlichen, gezahnten Blättern und zahlreichen Blüten auf gemeinschaftlichem Stiel, in Nordwestamerika, liefert