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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rhamnus - Rhea.

eine purgierend wirkende Rinde, aus welcher ein Fluidextrakt (Extractum Cascara sagrada) dargestellt wird. R. chlorophorus Ldl. und R. utilis Decsn. liefern das Chinesisch Grün.

Rhamnus, Flecken im alten Attika, am Euripos, 60 Stadien von Marathon, mit einem berühmten Tempel der Nemesis, die davon den Namen Rhamnusia führte.

Rhamnusgrün, s. v. w. Chinesisch Grün.

Rhamphostoma, Gavial.

Rhampsinit, ägypt. König, s. Ramses 2).

Rhaphanie (griech.), s. v. w. Kriebelkrankheit.

Rhaphe (griech.), Naht, besonders Schädelnaht.

Rhapis L. fil., Gattung aus der Familie der Palmen, niedrige Gewächse mit schilfartig zusammenstehenden, aus gemeinsamer Wurzel entspringenden rohrähnlichen Stengeln, handförmigen Blättern, deren Segmente an der Spitze gezahnt sind, an der Basis von mattenartigem Faserwerk umgebenen Blattstielen, gelben, polygam-diözischen Blüten und einsamigen Früchten. Von den fünf ostasiatischen Arten wird R. flabelliformis Ait. (s. Tafel "Blattpflanzen II"), auf den Liukiuinseln und im südlichen China heimisch, in den japanischen Gärten kultiviert und liefert vortreffliche Spazierstöcke (ground-rattans). Sie wird nur etwa 1,25 m hoch und ist bei uns eine beliebte Gewächshaus- und Zimmerpflanze.

Rhapsoden, bei den Griechen diejenigen, welche eigne wie fremde Dichtungen öffentlich vortrugen. Der Vortrag war ursprünglich ein gesangartiger und mit musikalischer Begleitung auf der Lyra verbunden; mit der Ausbildung der lyrischen Poesie seit Terpandros kam zunächst das Saitenspiel in Wegfall, und auch der Vortrag gestaltete sich allmählich zur einfachen Deklamation, bei der der Rhapsode einen Lorbeerzweig in der Hand hielt. Gegenstand des Vortrags waren wenn auch nicht ausschließlich, doch vorzugsweise die epischen Dichtungen, vor allen die des Homer, die ihre Verbreitung unter den Griechen in erster Reihe den R. verdankten. Denn wie die alten Sänger zogen diese von Ort zu Ort, um sich an Fürstenhöfen und vor Festversammlungen hören zu lassen; eine besondere Gelegenheit, ihre Kunst in gegenseitigem Wettkampf um einen ausgesetzten Preis zu zeigen, boten ihnen die in manchen Städten, namentlich aber in Athen, angeordneten öffentlichen Vorträge der Homerischen Gesänge. Weil diesen ihre Thätigkeit allezeit vorzugsweise zugewendet war, hießen sie auch Homeriden oder Homeristen (vgl. auch Homeros). Allmählich sank die hohe Achtung, in der sie ursprünglich standen, als die meisten ihre Kunst nur handwerksmäßig und rein mechanisch übten; doch bestanden die Wettkämpfe weit über die klassische Zeit hinaus, und auch bei Gastmählern und andern Anlässen pflegte man R. noch lange hinzuzuziehen. In jüngster Zeit ist der Ausdruck auf die modernen Pfleger der Rezitationskunst, wie Jordan, Türschmann u. a., angewendet worden. Vgl. Kreuser, Homerische R. (Köln 1833); Jordan, Das Kunstgesetz Homers und die Rhapsodik (Frankf. 1869).

Rhapsodie (griech.), das von einem Rapsoden vorgetragene Gedicht, besonders ein einzelner Abschnitt eines alten Epos (daher rhapsodisch s. v. w. bruchstückartig, abgerissen). In der modernen Poesie heißt R. eine Gattung der ekstatischen Lyrik (s. d.), welche nicht, wie die Hymne (s. d.), einer religiösen, aber auch nicht, wie der Dithyrambos (s. d.), einer durch bloßen Weinrausch, sondern einer durch einen andern sinnlichen Rausch (z. B. die Liebe) hervorgerufenen Begeisterung entspringt (z. B. Schillers "R. der Leidenschaft"). In der modernen Komposition versteht man unter R. meist Instrumentalphantasien, die aus Volksmelodien zusammengesetzt sind, z. B. ungarische, spanische, norwegische R. (Liszt, Lalo etc.). Brahms nannte, abweichend vom Gebrauch, ein Chorwerk (Op. 53, "Fragment aus Goethes Harzreise") sowie auch einige balladenartige Klavierstücke Rhapsodien.

Rhapsodomantie (griech.), bei Griechen und Römern Wahrsagung aus einem Dichtervers, der sich beim Aufschlagen dem Auge zuerst darbot, also eine Art der Bibliomantie (s. d.).

Rhât, Oase, s. Ghat.

Rhäticus, eigentlich Georg Joachim von Lauchen, Astronom, geb. 16. Febr. 1514 zu Feldkirch, studierte in Zürich Mathematik, wurde 1537 Professor in Wittenberg, lebte 1539-41 bei Kopernikus in Frauenburg, lehrte dann in Wittenberg, Nürnberg und Leipzig, später in Polen und Ungarn und starb 4. Dez. 1576 in Kaschau. Er trug zuerst und wesentlich zur Verbreitung des kopernikanischen Weltsystems bei. Die erste Mitteilung über dasselbe gab er in der "Narratio prima de libris revolutionum Copernici" (Danz. 1540); später gab er auch die "Ephemeris ex fundamentis Copernici" (Leipz. 1550) heraus. Bedeutende Verdienste erwarb er sich ferner durch seine zehnstelligen, von 10 zu 10 Sekunden fortschreitenden Tafeln der trigonometrischen Funktionen, deren Berechnung indes erst von seinem Schüler Val. Otho zu Ende geführt wurde, der sie auch im "Opus palatinum de triangulis" (Heidelb. 1596) herausgab. Die Chorographie des R. hat Hipler veröffentlicht in Schlömilchs Zeitschrift, Bd. 21, histor.-litter. Abt., S. 125.

Rhätien, s. Rätien.

Rhätizit, s. Disthen.

Rhaunen, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Trier, Kreis Bernkastel, unweit des Hahnenbachs, hat ein Amtsgericht, einen Schieferbruch u. (1885) 941 Einw.

Rhazes (Al Rasi), Arzt, geboren um 850 zu Raj in Chorasan, wirkte an den Hospitälern zu Bagdad und Raj, in ersterer Stadt zugleich als Lehrer und Leibarzt des Kalifen Moktader Billah; starb 923 oder 932. Von seinen Schriften über Medizin, Chemie, Astronomie und Philosophie, deren Echtheit aber nur zum Teil feststeht, sind noch 36 vorhanden. Seine Abhandlung über die Pocken und Masern (mit lateinischer Übersetzung von Channing herausgegeben, Lond. 1766) ist eins der wichtigsten Denkmäler der arabischen Medizin. Sein Hauptwerk heißt "El-Hawi fi'l Tib", d. h. Behältnis (continens) der Medizin, welches die ganze Medizin und Chirurgie umfaßt (Bresc. 1486, Vened. 1500 u. öfter). Seine "Opuscula" erschienen Venedig 1500, Basel 1544.

Rhea, Nandu; Rheidae (Nandus), Familie aus der Ordnung der Straußvögel (s. d.).

Rhea (Rheia), in der griech. Mythologie eine der Titaniden, Tochter des Uranos und der Gäa, Gemahlin des Kronos, welchem sie den Zeus, Poseidon, Hades, die Hera, Demeter und Hestia gebar. Da Kronos seine Kinder bei der Geburt zu verschlingen pflegte, so wartete R. ihre erste Niederkunft zu Kreta ab und verbarg den neugebornen Zeus in einer Höhle. Ihrem Gemahl reichte sie statt des neugebornen Kindes einen in Windeln gewickelten Stein, den derselbe verschlang. R. wird auch die "Mutter aller Götter und Menschen" genannt. Herbeigerufen bringt sie Frieden und Glücksgüter mit sich und entfernt Unglück an die Enden der Erde. Aber schon Äschylos identifiziert R. mit der Erde, Euripides mit Demeter, mit der sie vieles gemein hat. In der spätern Zeit war die Verwechselung der kretischen R. mit der phry-^[folgende Seite]