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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rheinbach; Rheinbayern; Rheinberg; Rheinberger; Rheinbischofsheim; Rheinbund; Rheindahlen

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Rheinbach - Rheindahlen.

Rheinbach, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Köln, an der Linie Bonn-Euskirchen der Preußischen Staatsbahn, 168 m ü. M., hat ein Progymnasium, ein Amtsgericht, Gerberei, Thonwarenfabrikation, eine Anstalt zur Herstellung von Reliefkarten und (1885) 2125 meist kath. Einwohner.

Rheinbayern (Rheinpfalz), s. Pfalz, S. 932.

Rheinberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Mörs, 2 km vom Rhein und mit diesem durch einen Kanal verbunden, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein altes Rathaus, ein Amtsgericht, Fabrikation des "Boonekamp of Maagbitter", Samtweberei, Dampfmühlen, Sämereihandel, Ackerbau und (1885) 2651 Einw. R., vormals starke Festung an einem seit dem 17. Jahrh. verschwundenen Rheinarm, gehörte schon im 12. Jahrh. zu Kurköln, ergab sich 1672 an die Franzosen und ward 1703 von den Preußen genommen und geschleift. Südwestlich das Dorf Kamp, bei welchem Prinz Ferdinand von Braunschweig 16. Okt. 1760 von den Franzosen unter de Castries geschlagen ward.

Rheinberger, Joseph, Komponist, geb. 17. März 1839 zu Vaduz im Fürstentum Liechtenstein, erhielt seine musikalische Ausbildung 1851-54 am Hauserschen Konservatorium zu München und lebt daselbst als Lehrer an der 1865 durch Hans v. Bülow errichteten königlichen Musikschule. Seine Hauptwerke sind: das symphonische Tongemälde "Wallenstein"; die Opern: "Die sieben Raben" und "Türmers Töchterlein"; die Musik zu Calderons Schauspiel "Der wunderthätige Magus"; ein Requiem für die im deutschen Kriege gefallenen Helden. Auch schrieb er mehrere größere Chorwerke sowie zahlreiche Kirchen-, Kammer- und Konzertmusikstücke. Rheinbergers Werke (im ganzen gegen 100) tragen alle mehr oder weniger die Merkmale bedeutender schöpferischer Begabung und einer gediegenen künstlerischen Bildung an sich. 1877 wurde er zum Kapellmeister an der Allerheiligen-Hofkapelle in München ernannt. - Seine Gattin Franziska, geborne v. Hoffnaaß, machte sich als Dichterin bekannt ("Dichtungen", Münch. 1882, u. a.).

Rheinbischofsheim, Dorf im bad. Kreis Offenburg, hat eine evang. Kirche, ein altes Schloß, eine höhere Bürgerschule, eine Bezirksforstei, Tabaksbau, Flaschenhülsenfabrikation und (1885) 1509 Einw.

Rheinbund, Benennung jenes Staatenbundes, der von Napoleon I. auf den Trümmern des Deutschen Reichs gegründet wurde (s. die Geschichtskarte IV bei "Deutschland"). Am 1. Aug. 1806 erklärten 16 deutsche Fürsten (die Könige von Bayern und Württemberg, der Kurfürst-Reichserzkanzler, der Kurfürst von Baden, der neue Herzog von Berg, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, die Fürsten von Nassau-Usingen, Nassau-Weilburg, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Salm-Salm und Salm-Kyrburg, der Herzog von Arenberg, die Fürsten von Isenburg-Birstein und von Liechtenstein und der Gras von und zu der Leyen) förmlich ihre Trennung vom Reich und begründeten durch die vom 12. Juli 1806 datierte, 17. Juli zu Paris unterzeichnete Rheinbundsakte vor Europa ihr Bündnis als "rheinische Bundesstaaten". Nach der Bestimmung der Rheinbundsakte erhielt der Kurfürst und Erzkanzler den Titel eines Fürsten-Primas; der Kurfürst von Baden, der Landgraf von Hessen-Darmstadt und der Herzog von Berg empfingen die großherzogliche Würde; Nassau-Usingen nahm den Titel eines Herzogs und der Graf von der Leyen den Rang eines Fürsten an. Zahlreiche fürstliche, reichsgräfliche und reichsritterschaftliche Familien sowie die Städte Frankfurt und Nürnberg wurden mediatisiert. Napoleon I. nannte sich den Protektor des Bundes. Alle Mitglieder, Frankreich mit inbegriffen, sollten einer für alle und alle für einen stehen. Zu diesem Zweck sollte Bayern 30,000 Mann, Württemberg 12,000, Baden 8000, Berg 5000, Hessen-Darmstadt 4000 und die übrigen Bundesfürsten zusammen 4000 Mann, Frankreich dagegen 200,000 Mann stellen. Der erste deutsche Fürst, der nach dem Schluß des Bundes in denselben aufgenommen wurde, war der Kurfürst von Würzburg, der nach Annahme der großherzoglichen Würde 25. Sept. 1806 demselben beitrat. Der Kurfürst von Sachsen wurde nach dem Posener Frieden 11. Dez. 1806 unter Annahme des Königstitels als Mitglied des Rheinbundes anerkannt. Am 15. Dez. folgten die fünf sächsischen Herzöge und durch den Traktat zu Warschau vom 18. April 1807 auch die Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen, die drei Herzöge von Anhalt, die Fürsten von Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe und die Fürsten von Reuß. Auch das Königreich Westfalen wurde nach Bestätigung seiner Verfassung 15. Nov. 1807 von Napoleon zum Rheinbundstaat erklärt, und 18. Febr. 1808 traten der Herzog von Mecklenburg-Strelitz, 21. März der Herzog von Mecklenburg-Schwerin und 14. Okt. 1808 der Herzog von Oldenburg dem Bund bei, so daß derselbe nach der durch Dekret Napoleons vom 10. Dez. 1810 befohlenen Vereinigung mehrerer Bundesgebiete (der Herzogtümer Arenberg und Oldenburg und eines großen Teils des Königreichs Westfalen) mit Frankreich während der höchsten Blüte des Napoleonischen Kaiserreichs (1811) an Länderbestand und Volkszahl enthielt: 4 Königreiche, 5 Großherzogtümer, 11 Herzogtümer, 16 Fürstentümer, zusammen 325,752 qkm (5916 QM.) mit 14,608,877 Einw. und einem Kontingent von 119,180 Mann. Von den Staatsmännern und Publizisten der Rheinbundstaaten, aber auch von vielen aufrichtigen Patrioten wurde der R. als die Wiedergeburt Deutschlands, seine Verfassung als die Bürgschaft einer glücklichen und mächtigen Zukunft gepriesen, während der R. in Wirklichkeit ganz der Willkürherrschaft Napoleons preisgegeben war. Das Jahr 1813 machte dem R. ein Ende. Die Herzöge von Mecklenburg-Schwerin und von Mecklenburg-Strelitz waren die ersten, welche, als Preußen sich mit Rußland gegen Napoleon vereinigte, den R. verließen. Der König von Sachsen und der Fürst-Primas, der Präsident des Bundes, blieben bis zuletzt getreu. Der König von Westfalen und der Großherzog von Berg wurden auf dem Wiener Kongreß ihrer Throne verlustig erklärt, Würzburg kam an Bayern, und die Fürsten von Isenburg und von und zu der Leyen, der Herzog von Arenberg und die Fürsten von Salm wurden mediatisiert, die übrigen Mitglieder des Bundes aber auch von dem neuen Deutschen Bund als souveräne Mächte anerkannt. Vgl. Lucchesini, Historische Entwickelung der Ursachen und Wirkungen des Rheinbundes (deutsch von Halem, Leipz. 1821-1825, 3 Bde.); Winkopp, Der Rheinische Bund (Zeitschrift, Frankf. 1807-13, 23 Bde.); Pölitz, Der R., historisch und statistisch dargestellt (Leipz. 1811); Derselbe, Handbuch der Geschichte der souveränen Staaten des Rheinbundes (das. 1811, 2 Bde.); Klüber, Staatsrecht des Rheinbundes (Tübing. 1808); Zachariä, Staatsrecht der Rheinischen Bundesstaaten (Heidelb. 1810).

Rheindahlen (Dahlen), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Gladbach, an der Linie M'Gladbach-Dahlheim der Preußischen Staatsbahn,