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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rheinische Allianz - Rheinprovinz.

dem es jedoch an Mark fehlt. Andre Wormser Gewächse müssen die Liebfrauenmilch im Handel vertreten. Der Oberingelheimer ist der zweitbeste Rotwein in Deutschland, mild, feurig, den Mund füllend und würzhaft süß. Viel davon wird zu rotem Champagner verarbeitet. Der Scharlachberger vom Rochusberg, zwischen Bingen und Rüdesheim, ist einer der edelsten trocknen Weißweine, feurig, aber etwas schwer. Die Mittelweine des dritten und vierten Ranges, die Laubenheimer, Nackenheimer, Bodenheimer, Niersteiner etc., sind in Norddeutschland als trinkbare Tischweine beliebt; sie gehen meist unter der Allgemeinfirma Niersteiner und ins Ausland auch wohl unter derjenigen von Rheingaulagen. Die Weißweine der Bergstraße sind leicht, etwas erdigschmeckend, trocken, aber geistig und besonders in der Jugend sehr mundend; die Rotweine sind vorzüglich, in einigen Lagen den besten deutschen ihrer Gattung nahekommend. Sie gehen in großen Quantitäten nach Norden, wo sie in französische Weine umgewandelt werden. Die vorzüglichsten Weine der Bergstraße liefern Bensheim (Hohberg, Kirchberg, Rangert, Mühlweg), Auerbach (Rott, Schloßberg, Pfaffenstein), Heppenheim (Schloßberg, Steinkopf), Zwingenberg.

Rheinische Allianz (auch Rheinbund genannt), das Bündnis, welches die drei geistlichen Kurfürsten, der Bischof von Münster, der König von Schweden als Fürst von Bremen, Pfalz-Neuburg, Braunschweig-Lüneburg und Hessen-Kassel 14. Aug. 1658 zu Frankfurt a. M. schlossen, und dem am 15. Aug. Frankreich beitrat. Zweck des Bundes war die gegenseitige Verteidigung, zunächst die Behauptung der deutschen Besitzungen Schwedens gegen den Kaiser und Brandenburg, vornehmlich jedoch die Stärkung französischen Einflusses im Deutschen Reich. Der Bund löste sich nach dem Münsterschen Krieg 1667 auf. Vgl. Joachim, Die Entwickelung des Rheinbundes vom J. 1658 (Leipz. 1886).

Rheinische Grauwacke, s. Devonische Formation.

Rheinischer Städtebund, Bündnis der Städte Mainz, Worms, Oppenheim und Bingen, im Juli 1254 durch Arnold Walpod zur Erhaltung des Landfriedens gegründet. Bald schlossen sich ihm nicht nur die Städte von Köln bis Basel, sondern auch Erzbischöfe und Bischöfe an, und noch um 1380 betrug die Zahl der Mitglieder über 50. In der Mitte des 15. Jahrh. löste sich der Bund auf. Vgl. Schaab, Geschichte des großen rheinischen Städtebunds (Mainz 1843-45, 2 Bde.); Weizsäcker, Der Rheinische Bund (Tübing. 1879).

Rheinkiesel, s. Quarz.

Rheinland, s. v. w. Rheinprovinz.

Rheinlanke, s. Forelle.

Rhein-Marnekanal, s. Elsaß-Lothringen, S. 576.

Rheinpfalz (Rheinbayern), s. Pfalz, S. 932.

Rheinprovinz (Rheinpreußen, Rheinland, hierzu Karte "Rheinprovinz"), preuß. Provinz, grenzt gegen N. an die Niederlande, gegen O. an die Provinzen Westfalen und Hessen-Nassau, das Großherzogtum Hessen und die bayrische Rheinpfalz, gegen S. an Elsaß-Lothringen und gegen W. an Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Getrennt von der Provinz liegt an der Lahn der Kreis Wetzlar; ganz umschlossen von derselben ist das oldenburgische Fürstentum Birkenfeld an der Nahe. Der Flächenraum beträgt 26,991 qkm (490,20 QM.). Die R. besteht aus den ehemaligen Herzogtümern Kleve, Geldern und Berg, den Fürstentümern Mörs und Lichtenberg, das erst 1834 von Koburg erworben wurde, dem Herzogtum Jülich, dem nördlichen und mittlern Teil des Erzbistums Köln und den Herrschaften Homburg, Neustadt und Gimborn, ferner aus den von Nassau eingetauschten Gebieten sowie aus den Standesherrschaften Neuwied, Solms und Wildenburg, den Gebieten der Reichsstädte Wetzlar und Aachen, aus einem Stück von Limburg und Teilen vormaliger französischer Departements, wozu 1866 noch das von Hessen erworbene, vorher zu Hessen-Homburg gehörige Oberamt Meisenheim kam. Anfangs war sie in zwei gesonderte Provinzen, Kleve-Berg und Niederrhein, geschieden, welche 1824 zu Einer Provinz vereinigt wurden. Die größere südliche Hälfte der R. besteht aus Bergland und zwar aus verschiedenen Teilen des rheinisch-westfälischen Schiefergebirges. Auf der rechten Rheinseite treten Ausläufer des Westerwalds bis an den Strom (dahin gehört auch das Siebengebirge bei Königswinter), während die Ausläufer des Sauerländischen Gebirges an der Sieg und Wupper sowie die des Ruhrkohlengebiets den Rhein nicht mehr erreichen. Nur wenige Höhen übersteigen auf der rechten Rheinseite 500, keine aber 600 m. Auf der linken Rheinseite erheben sich der Hunsrück mit dem Soon-, Idar- und Hochwald, die Eifel und das Hohe Venn. Die höchsten Punkte der einzelnen Teile sind: der Schanzer Kopf (663 m) im Soonwald, die Zwei Steine (771 m), das Steingerüttel (765 m) und der Idarkopf (739 m) im Idarwald, der Walderbeskopf (816 m) im Hochwald, der höchste Gipfel in der R., die Hohe Acht (760 m) auf der Eifel und die Botrange (695 m) auf dem Hohen Venn. Die Oberfläche der Bergländer ist größtenteils bewaldet, der Ackerbau tritt mehr und mehr zurück, und auf den höchsten Teilen findet man nur noch Hafer und Kartoffeln. Das Hohe Venn trägt gewaltige Moore auf seiner Höhe; an seinem Nordfuß liegen die Steinkohlenbecken von Aachen bei Eschweiler, während fast in der Südspitze der Provinz das wichtige Steinkohlengebirge von Saarbrücken, an der Saar und Blies, die äußerste Grenze des Schiefergebirges gegen S. bezeichnet und auf der Westgrenze ein Übergang zu den Ardennen in Belgien stattfindet. Innerhalb des Berglandes bilden die Moselebene zwischen Konz und Schweich und das Neuwieder Becken an der Moselmündung sowie das Saarthal und die Gegend bei Kreuznach fruchtbare Landschaften. Die nördliche Ebene, vom Bergland etwa durch die Linie Bonn-Aachen getrennt, enthält an vielen Stellen (namentlich zwischen Aachen, Bonn und Krefeld) umfangreiche und fruchtbare Ackerländereien. Aber auch der sandigen Stellen entbehrt das Tiefland in der Provinz nicht, und ebenso sind die Thäler der zur Maas fließenden Flüsse noch stark versumpft. Hauptfluß ist der Rhein, welcher die Provinz auf eine Strecke von 332 km durchfließt und innerhalb derselben rechts die Sayn, Wied, Sieg, Wupper, Ruhr, Emscher und Lippe, links die Nahe, Mosel, Nette, Ahr und Erft aufnimmt. Die Mosel empfängt rechts die Saar, links die Sauer, Kyll, Salm, Lieser, Alf, Üß und Elz. Endlich sind noch die zum Gebiet der Maas gehörigen Flüsse Roer (Ruhr), Schwalm und Niers (Neers) zu erwähnen. Der einzige See von Bedeutung ist der Laacher See (s. d.) auf der Eifel. Außerdem gibt es daselbst eine Anzahl kleinerer Kraterseen (Maare genannt), darunter: auf dem Mäuseberg das Gemündener, das Weinfelder und das Schalkenmehrener Maar, etwas entfernter das Pulvermaar, das Meerfelder und das Ülmener Maar. Die Kanäle der R. sind unbedeutend (nennenswert der Erftkanal, der Duisburger Kanal zwischen Rhein und Ruhr, der