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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Richard von St. Viktor; Richardia aethiopica; Richards; Richardson; Richardt; Richebourg

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Richard von St. Viktor - Richebourg.

996 in Fécamp. Die Sage hat sein Leben mit vielen Abenteuern, in denen er seinen kühnen Mut bewährte, ausgeschmückt. Ihm folgte sein Sohn Richard II., der Gute (996-1026).

Richard von St. Viktor, Scholastiker, gest. 1173, als Prior des Klosters St. Viktor in Paris, in welcher Würde er seinem Lehrer Hugo von St. Viktor nachgefolgt war. In seiner diesem verwandten mystischen Erkenntnislehre unterschied er sechs Stufen, von welchen vier: Sinn, Verstand, Phantasie und Vernunft, natürliche, Offenbarung und Erleuchtung (von welchen die erstere der Vernunft Erkenntnisse mitteilt, die derselben unerreichbar, letztere solche, die sogar wider die Vernunft sind) übernatürliche sind, und mittels deren der Mensch zur Erkenntnis und Anschauung Gottes gelangt. Vgl. Kaulich, Die Lehre des Hugo und R. von St. Viktor (Prag 1861).

Richardia aethiopica, s. Calla.

Richards (spr. rittscherds), Alfred Bate, engl. Schriftsteller, geb. 1820, Sohn eines Parlamentsmitglieds, wurde Rechtsanwalt, wandte sich der Litteratur zu, nahm beträchtlichen Anteil an öffentlichen Angelegenheiten, übernahm die Redaktion des "Daily Telegraph" und war einer der ersten, welcher für die Gründung eines Heers von Freiwilligen auftrat, in dem er zum Obersten aufrückte. Seit 1870 leitete er den "Morning Advertiser". Sein erstes Werk war die Tragödie "Croesus" (1845); es folgten: "The death of Magdalen, and other poems" (1847) und das Drama "Cromwell" (4. Aufl. 1876), welches einen außerordentlichen Bühnenerfolg hatte. Von seinen spätern Schriften seien erwähnt: das Gedicht "Medea" (1869) und der Roman "So very human" (1871, 3 Bde.). R. starb 12. Juni 1876.

Richardson (spr. rittscherds'n), 1) Samuel, engl. Romandichter, geb. 1689 in der Grafschaft Derby, wurde Buchdrucker, etablierte sich in London und betrat die schriftstellerische Laufbahn mit seinem moralischen Roman "Pamela" (Lond. 1740, 4 Bde.; deutsch, Liegn. 1772), dem "Clarissa Harlowe" (Lond. 1748, 8 Bde.; neue Ausg. von Dallas, 1868, 3 Bde.; deutsch, Leipz. 1790-93, 16 Bde.; im Auszug deutsch von Bode, das. 1846, 3 Bde.) und der schwächere "Sir Charles Grandison" (Lond. 1753, 6 Bde.; deutsch, Leipz. 1780, 7 Bde.) folgten. R. starb 4. Juli 1761. Seine Werke erschienen in 20 Bänden (Lond. 1783). Christian F. Weiße bildete aus ihnen eine Tugendlehre, was bei der ausgesprochenen moralischen Tendenz derselben allerdings nahelag. Zum Vorwurf aber macht man ihnen, daß sie (entschieden im Geiste des Zeitalters) das Laster nicht minder anschaulich und umständlich schildern als die Tugend. Beides stimmt zwar sehr wohl zu dem bis ins Einzelne und Kleine durchgeführte Realismus; dem modernen Leser aber wird die große Breite Richardsons ebenso abstoßend wie seine übergroße, aber das Zeitalter treu widerspiegelnde Sentimentalität unverständlich bleiben. Indes hat R. mit seinen Familienromanen eine neue Bahn gebrochen. Menschenkenntnis, besonders tiefes Eindringen in die Eigentümlichkeiten des weiblichen Geschlechts, die zarteste Empfänglichkeit für alle sittlichen Eindrücke und ein großes Darstellungstalent sind ihm nicht abzusprechen. In Deutschland wies insbesondere Lessing in ausführlichen Rezensionen in der Berliner "Vossischen Zeitung" auf R. hin und empfahl der deutschen Nation die Lektüre seiner Romane als Gegengewicht gegen die leichte Ware der damaligen französischen Tageslitteratur, die zumal in Berlin nur allzusehr den Geschmack beeinflußte. Vgl. Barbauld, Correspondence of Sam. R. (Lond. 1804, 6 Bde.); E. Schmidt, R., Rousseau und Goethe (Jena 1875).

2) Sir John, Reisender im arktischen Amerika, geb. 5. Nov. 1787 zu Dumfries in Schottland, studierte zu Glasgow Medizin, trat als Wundarzt in die britische Marine, begleitete 1819-22 und 1825-27 Franklin auf dessen Expeditionen zur Aufsuchung einer nordwestlichen Durchfahrt und legte die hier gemachten naturhistorischen Beobachtungen in seiner "Fauna boreali-americana" (Lond. 1829-37, 4 Bde.) nieder. Er wurde 1840 zum Inspektor des Marinehospitals ernannt und unternahm 1848-49 zur Aufsuchung Franklins mit Rae (s. d.) eine Reise in Booten auf dem Mackenziefluß und zu Land nach Kap Krusenstern und Wollastonland, die über die physikalischen Verhältnisse Nordamerikas viele interessante Aufschlüsse gab. Seit 1857 in Ruhestand, starb er 5. Juni 1865 in Grasmere. Von seinen Werken sind noch zu erwähnen: "Boat-voyage through Rupert's Land" (Lond. 1851, 2 Bde.) und "The Polar regions" (1861). Vgl. Mac Ilraith, Life of Sir John R. (Lond. 1868).

3) James, Afrikareisender, geb. 3. Nov. 1809 in Schottland, war lange als Missionär thätig und trat von Marokko aus 1845 eine Reise durch die Große Wüste an. Nachdem er darauf eine Zeitlang als Redakteur einer Zeitschrift in Malta gelebt hatte, unternahm er von Tripolis aus von neuem eine Reise in die Sahara, ging nach Ghadames, drang als erster Europäer bis Ghat vor und langte nach neunmonatlicher sehr beschwerlicher Reise über Fezzan glücklich wieder in Tripolis an. 1850 war er Begleiter von Barth und Overweg auf ihrer bekannten Entdeckungsreise, starb aber schon 4. März 1851 in Ungurutua, einem sechs Tagereisen von Kuka entfernten Dorf. Seine Reisetagebücher erschienen unter den Titeln: "Travels in the great desert of Sahara" (Lond. 1847, 2 Bde.), "Narrative of a mission to Central-Africa" (das. 1853, 2 Bde.) und "Travels in Marocco" (das. 1859, 2 Bde.).

Richardt, Christian, dän. Dichter, geb. 25. Mai 1831, studierte Theologie, wurde Vorsteher einer Volkshochschule und später Pfarrer zu Örsted auf Fünen, wo er sich noch befindet. Schon aus der Universität hatte er durch Studentenlieder Proben seines poetischen Talents gegeben und sich dann 1852 mit dem Vaudeville "Declarationen" auch als dramatischer Dichter mit Glück versucht. Neun Jahre später folgten seine "Smaadigte" (1861, 9. Aufl. 1882), die große Verbreitung fanden und ihm ein Reisestipendium eintrugen. Nicht minder günstige Aufnahme wurde seinen spätern Sammlungen: "Nyere Digte" (5. Aufl. 1875), "Texter og Toner" (2. Aufl. 1868), "Billeder og Sange" (1874), "Halvhundrede Digte" (3. Aufl. 1884), "Vaar og Høst" (1884), zu teil. R. dichtete auch den Text zu Heises Oper "Drot og Marsk" ("König und Marschall", 1878). Seine Verse zeichnen sich durch Formvollendung und musikalischen Wohlklang aus; sein dichterisches Gebiet ist indessen beschränkt. In "Det hellige Land" (2. Aufl. 1879) gab er die Früchte einer Reise in den Orient.

Richebourg (spr. rihschbuhr), Emile, franz. Volksschriftsteller, geb. 1833 zu Meuvy (Obermarne), wirkte zuerst als Lehrer in seiner Heimat, siedelte 1850 nach Paris über, um sich dem Schriftstellerberuf zu widmen, und verlegte sich gleich mit seinem ersten Werk: "Lucienne", das auf Bérangers Empfehlung in der "Revue française" erschien, auf den Familienroman, durch dessen beharrliche Pflege er sich im Lauf der Jahre die Anerkennung des großen Publikums