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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rideau - Riedel.

sten Provinzialblätter, den "Östgöta Korrespondent", redigierte und, nachdem er 1844-68 als freisinniges Mitglied des Reichstags auch an den politischen Angelegenheiten Schwedens teilgenommen, 12. Aug. 1886 starb. R. gab lyrische Gedichte (Linköp. 1856-58, 2 Bde.) und Novellen (das. 1849, 3 Bde.) heraus, schrieb auch mehrere Theaterstücke, die mit Beifall aufgeführt wurden, wandte sich aber später fast ausschließlich dem Roman zu und nimmt auf diesem Gebiet einen ansehnlichen Platz in der neuesten schwedischen Litteratur ein. Unter seinen Romanen sind mehrfach ins Deutsche übersetzt: "Die schwarze Hand" mit der Fortsetzung "Vater und Sohn", "Der Trabant", "Die Geheimnisse von Stockholm", "Königin Luise Ulrike und ihr Hof" u. a. Seine Darstellung ist etwas breit, und seine Charaktere ermangeln nicht selten der deutschen Zeichnung; dafür aber gebietet er über eine reiche und kräftige Phantasie, und seine Schöpfungen sind voll Leben und Wärme.

Rideau (franz., spr. -doh, "Vorhang"), in der frühern Kriegskunstsprache eine zusammenhängende Reihe von Terrainbedeckungen (kleine Gehölze, Dörfer etc.), auch Truppen, die etwas dem Einblick des Feindes entziehen.

Rideaukanal, Kanal in Kanada, verbindet Kingston am Ontariosee mit dem Ottawafluß, ist 217 km lang und für Schiffe von 1,5 m Tiefgang fahrbar. Sein Gipfelpunkt, der Rideausee, liegt 47 m über dem Ontariosee und 86 m über dem Ottawa und wird durch 67 Schleusen überwunden.

Ridéndo dicĕre verum (lat.), lachend (d. h. scherzend, ohne Bitterkeit) die Wahrheit sagen (nach Horaz, "Satiren", I, 1, 24).

Ride, si sapis (lat.), lache, wenn du weise bist.

Ridicŭlus mus (lat.), s. Parturiunt montes etc.

Ridikül (franz.), lächerlich; als Hauptwort (das R., korrumpiert aus réticule) Strickbeutel.

Ridinger, Johann Elias, Maler und Radierer, geb. 15. Febr. 1695 zu Ulm, hatte Christoph Rasch in Ulm und Johann Falk in Augsburg zu Lehrern und bildete sich dann zu Regensburg weiter aus, wo ihn seine Neigung für die Jagd vorzugsweise zum Studium des Wildes hinführte. Er gründete später zu Augsburg eine Kunsthandlung und starb hier 10. April 1767 als Direktor der Kunstakademie. Seine radierten Blätter, welche sich auf etwa 400 belaufen, stellen die Tiere in charakteristischen Lebensmomenten und landschaftlichen Umgebungen dar und sind auch in technischer Beziehung geschickt behandelt. Weniger gelang ihm die Darstellung der menschlichen Gestalt und zahmer Tiere, z. B. der Pferde. Alte Abdrücke der Blätter sind selten. Eine neue Ausgabe als "Galerie Ridingerscher Tier- und Jagdstücke" wurde 1817 in Augsburg begonnen. Sehr zahlreich sind seine mit Genauigkeit und Geschmack ausgeführten Zeichnungen. Vgl. Thienemann, Leben und Wirken des unvergleichlichen Tiermalers und Kupferstechers R. (Leipz. 1856, mit Nachträgen).

Riechbein, s. Schädel.

Riechen, s. Geruch und Geruchswerkzeuge.

Riechkolben, s. Gehirn, S. 2.

Riechnerv, s. Nase.

Riechpulver, s. Parfümerie.

Riechsalz (weißes, flüchtiges, englisches R.), belebendes Mittel bei Ohnmachten, Schwindel u. dgl. zum Riechen, besteht aus einer Mischung von 1 Teil Salmiak und 2 Teilen Kalk, die, mit einigen Tropfen Wasser befeuchtet und mit ein wenig ätherischem Öl parfümiert, in einem wohlverschlossenen Gläschen aufbewahrt wird. Da diese Mischung lediglich Ammoniak entwickelt, so erfüllt parfümiertes kohlensaures Ammoniak (Prestonsalz) den Zweck in gleicher Weise.

Riechzellen, s. Nase.

Ried, mooriger Landstrich, besonders wenn er mit Schilf bewachsen ist; auch s. v. w. Rohr, Bruch, Schilf.

Ried, Stadt in Oberösterreich, am Kreuzungspunkt der Staatsbahnlinien Wels-Simbach und Attnang-Schärding, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Kreisgerichts, hat ein Staatsobergymnasium, ein Schloß, eine Nebenstelle der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Sparkasse und (1880) 4544 Einw., welche Hopfenbau, Bierbrauerei und Getreidehandel betreiben. Hier 8. Okt. 1813 Vertrag zwischen Österreich und Bayern, wonach dieses dem Bündnis der Alliierten gegen Frankreich beitrat.

Riedblatt, in der Weberei s. v. w. Kamm.

Riedbock, s. Antilopen, S. 639.

Riedel, 1) August von, Maler, geb. 27. Dez. 1802 zu Baireuth, Sohn des Baumeisters Karl Christian R., bildete sich seit 1820 an der Münchener Akademie unter den beiden Langer und bekundete schon in seinen ersten Arbeiten ein ungewöhnliches koloristisches Talent, das er in Italien, wo er seit 1828 lebte, noch außerordentlich steigerte, zu einer Zeit, wo kaum noch ein andrer deutscher Künstler auf die Farbenwirkung Wert legte. Im Lauf der Jahre ward R. allerdings von dem modernen Realismus überholt, doch kann das sein ursprüngliches Verdienst nicht schmälern. Von seinen zahlreichen, bisweilen nicht sehr sorgfältig gezeichneten, aber stets gewissenhaft durchgebildeten und durch Sonnenlichteffekte charakteristischen Gemälden sind die bekanntesten: Italienerin mit Tamburin, neapolitanische Fischerfamilie am Meeresufer (Neue Pinakothek in München), Judith (ebendaselbst), Mädchen aus der Umgebung von Neapel (ebendaselbst), Sakuntala, Medea, Albanerinnen (Berliner Nationalgalerie) und badende Mädchen (ebendaselbst), eins seiner Hauptwerke, das er mehrfach wiederholen mußte. Er war Professor an der Akademie San Luca zu Rom und starb 8. Aug. 1883 daselbst.

2) Karl, Musikdirigent, geb. 6. Okt. 1827 zu Kronenberg bei Elberfeld, war ursprünglich Seidenfärber, machte seine musikalischen Studien von 1849 bis 1852 am Konservatorium zu Leipzig und ließ sich dann als Lehrer des Klavierspiels und der Theorie daselbst nieder. Sein Hauptverdienst besteht in der Gründung (1854) und Leitung des nach ihm benannten gemachten Chorgesangvereins für geistliche Musik, welcher in seinen regelmäßigen Aufführungen nicht allein die anerkannten Tonschöpfungen eines Bach, Handel, Beethoven, sondern auch die besten kirchlichen Tonwerke der vorbachschen Zeit sowie der Gegenwart zur Geltung gebracht und infolgedessen eine wohlverdiente Berühmtheit erlangt hat. Auch für die Litteratur des Chorgesanges hat R. Dankenswertes geleistet durch Veröffentlichung seiner "Bergischen Weihnachtslegenden" sowie durch Bearbeitung der Passionsmusiken von H. Schütz, der Weihnachtslieder von Prätorius, der altböhmischen Hussitenlieder, der Eccardschen "Preußischen Festlieder" u. a. R. starb 3. Juni 1888 in Leipzig. Er war auch Mitbegründer und Vorstand des Allgemeinen Deutschen Musikervereins und erhielt 1864 vom Herzog von Altenburg den Professortitel; 1883 wurde er von der Leipziger Universität zum Ehrendoktor ernannt.

3) Emil von, bayr. Minister, geb. 6. April 1832 zu Kurzenaltheim, besuchte das Gymnasium in Ansbach, studierte in München die Rechte, trat dann in