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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ring - Ringelkrebse.

Ring (engl.), eine für politische oder kommerzielle Zwecke gebildete Vereinigung oder Genossenschaft, namentlich in Nordamerika. Berüchtigt ist der Tammany-R. von Tweed, Fisk u. a., der mehrere Jahre die Stadtverwaltung von New York beherrschte und zu schamloser Bereicherung seiner Mitglieder ausbeutete.

Ring an Mond oder Sonne, s. Hof, S. 604 f.

Ring, 1) tom (zum), Künstlerfamilie des 16. Jahrh. zu Münster in Westfalen. Von dem Haupte derselben, Ludger dem ältern (1496-1547), Maler, Architekt und Buchdrucker, haben sich ein Votivbild und mehrere Bildnisse in Münster und im Museum zu Berlin erhalten. Sein Sohn Hermann (geb. 1521, gestorben um 1597) hat zahlreiche religiöse Bilder gemalt, welche sowohl den Einfluß Michelangelos als denjenigen Dürers zeigen. Hervorzuheben sind: die Auferweckung des Lazarus und die Kreuzigung (Dom zu Münster), Kreuzigung (Museum des Kunstvereins daselbst) und das Jüngste Gericht (Utrecht). Sein jüngerer Bruder, Ludger der jüngere (geboren nach 1521, gestorben um 1583 in Braunschweig), hat meist Porträte gemalt. Das Berliner Museum besitzt von ihm eine Hochzeit zu Kana.

2) Max, Romanschriftsteller, geb. 22. Juli 1817 zu Zauditz bei Ratibor, studierte in Breslau und Berlin Medizin, lebte dann als praktischer Arzt in Pleß, später zu Gleiwitz, gab 1848 die Praxis auf und widmete sich erst zu Breslau, seit 1850 in Berlin der litterarischen Thätigkeit. Es gelang ihm, eine Tragödie: "Die Genfer", kleine Lustspiele, wie "Scarrons Liebe", "Alle spekulieren", "Unsre Freunde" etc., auf die Hofbühne zu bringen, die beifällige Aufnahme fanden; indessen war er durch sein Talent vorzugsweise auf den Roman und die Novelle hingewiesen. Wir erwähnen von seinen zahlreichen Werken dieser Art: "Die Kinder Gottes" (Bresl. 1852); "Der Große Kurfürst und der Schöppenmeister" (das. 1852, 3 Bde.); "Stadtgeschichten" (Leipz. 1852, 4 Bde.); "Verirrt und erlöst" (Gotha 1855, 2 Bde.); "Aus dem Tagebuch eines Berliner Arztes" (Berl. 1856); "John Milton und seine Zeit" (Frankf. 1857); "Rosenkreuzer und Illuminaten" (Berl. 1861, 4 Bde.); "Ein verlornes Geschlecht" (das. 1867, 6 Bde.); "Götter und Götzen" (2. Aufl., das. 1871, 4 Bde.); "Eine unversorgte Tochter" (Jena 1876, 2 Bde.); "Die Lügner" (Stuttg. 1878, 3 Bde.); "Goldene Ketten" (Bresl. 1880, 4 Bde.); "Berliner Kinder", Roman (Berl. 1883, 3 Bde.); "Berliner Leben", Kulturstudien (Leipz. 1882), u. a. R. liebt es, in seinen Romanen soziale Fragen der Gegenwart zu behandeln, und zeichnet sich durch einen gewissen Ernst der Tendenz und scharfe Beobachtung des menschlichen Lebens aus. Auch gab er "Lorbeer und Cypresse, Litteraturbilder" (3. Aufl., Berl. 1873) und die illustrierten Werke: "Die deutsche Kaiserstadt Berlin" (Leipz. 1882-84, 2 Bde.) und "Das Buch der Hohenzollern" (das. 1888) heraus.

Ringamsel, s. v. w. Ringdrossel, s. Drossel.

Ringäpfel, s. Obst, S. 310.

Ringblume, s. Anacyclus.

Ringe, Turngerät, s. Schaukelgeräte.

Ringelblume, s. Calendula.

Ringelechsen, s. Eidechsen.

Ringelgedicht, s. Rondeau.

Ringelkrebse (Arthrostraca), sehr artenreiche Ordnung der höhern Krebstiere (Malacostraca), von den Schildkrebsen (s. d.) durch den Mangel eines Rückenschildes verschieden, infolgedessen die Ringe der Brust, welche bei jenen meist mit dem Kopf zu einem sogen. Cephalothorax verwachsen sind, frei liegen. Der Körper der R. zerfällt in den Kopf mit 6 Paar Gliedmaßen (2 Paar Fühler, 3 Paar Kiefer und ein Paar Beikiefer oder Kieferfüße), die Brust mit 7 Segmenten (Ringen) und ebensoviel Paar Gliedmaßen und in den Hinterleib (Abdomen) mit 7 Segmenten, von denen jedes, mit Ausnahme des letzten, ebenfalls ein Gliedmaßenpaar trägt. Die Brustfüße dienen zum Kriechen oder Laufen, auch zum Festhalten, enden daher mit Krallen oder Scheren, die Abdominalfüße zum Schwimmen und auch wohl zum Atmen. Die Augen, meist zusammengesetzt, bilden einen unbeweglichen Teil des Vorderkopfes, können übrigens auch bei höhlenbewohnenden Arten ganz oder teilweise fehlen. Im innern Bau sind die R. wenig von den Schildkrebsen verschieden. Der Darmkanal ist einfach und verläuft ohne Krümmung vom Mund zum After; das Herz erstreckt sich entweder als langer Schlauch durch die ganze Brust, oder es liegt als kurzer Sack mehr nach dem Hinterleib zu. Die Blutgefäße sind gewöhnlich nur kurz, so daß das Blut den größten Teil seines Laufs in den Lücken zwischen den Organen zurücklegt. Die Kiemen sind entweder zarthäutige Anhänge an den Brustfüßen, oder bilden einen Teil der Hinterleibsfüße. Die Geschlechter sind meist getrennt; wie bei den Schildkrebsen, münden die männlichen Organe an der Basis des letzten, die weiblichen an der des drittletzten Brustfußpaars aus. Die reifen Eier werden im Innern des Muttertiers befruchtet und von demselben alsdann in einem sogen. Brutsack, der aus Anhängen der Brustfüße gebildet wird, bis zum Ausschlüpfen der Jungen umhergetragen. Die letztern haben gewöhnlich schon nahezu die Form der Erwachsenen, so daß die Metamorphose, welche bei den Schildkrebsen so bedeutend sein kann, hier meist ganz unterbleibt. Alles Gesagte gilt übrigens nur von den normalen, d. h. nicht durch Schmarotzertum teilweise rückgebildeten, Ringelkrebsen. Unter diesen gibt es nämlich Formen, die an andern Krebstieren oder an der Haut und im Mund von Fischen leben und sich von deren Blut nähren; bei ihnen sind alsdann die Füße zum Festhalten mit starken Haken versehen oder, wo ein Abfallen vom Wirtstier nicht zu befürchten steht, verkümmert, während die Mundteile meist zum Saugen eingerichtet sind. Zuweilen lebt das kleinere Männchen beständig auf dem Körper des Weibchens, bei andern Arten hingegen (den Fischläusen, s. Asseln) ist ein eigentümlicher Zwitterzustand in der Weise vorhanden, daß die kleinern Exemplare Männchen sind, bei weiterm Wachstum die männlichen Organe einbüßen und dafür die Anlagen der weiblichen ausbilden, so daß sie von einem gewissen Alter ab nur noch als Weibchen fungieren. Die Jungen gleichen indessen auch bei den sehr rückgebildeten Formen anfangs denjenigen ihrer normalen Verwandten und wandeln sich erst langsam und gewöhnlich erst nach dem Festsetzen an das Wirtstier um. Die R. leben zum größten Teil im Meer, verhältnismäßig wenige im Süßwasser oder auf dem Land an feuchten Orten; doch geschieht auch im letzten Fall die Atmung stets durch Kiemen, nie durch Lungen. Als Nahrung verzehren sie gewöhnlich kleine Tiere, auch Aas, seltener Pflanzen, oder sie schmarotzen auf Tieren. Dem Schiffbauholz werden zwei Gattungen (Limnoria und Chelura) mitunter gefährlich. Fossil sind wenige R. bekannt (z. B. Gampsonyx, s. Tafel "Dyasformation"); dagegen werden ungemein viele lebende Arten unterschieden. Die meisten sind nur 1 cm oder noch weniger lang, doch erreichen die Riesen unter ihnen die Länge von etwa 30 cm. Einteilung: 1) Flohkrebse (Amphipoden, Amphipoda). Leib meist seitlich,