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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ritornell; Ritratte; Ritschenwalde; Ritschl; Ritschling; Ritteburg; Ritteln; Ritter

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Ritornell - Ritter.

Ritornell (ital. ritornello, "Wiederkehr") heißen die Instrumental-Vor-, Zwischen- und Nachspiele in Vokalkompositionen (Arien, Oratorien etc.), auch wohl die Tutti in Konzertstücken. Als Erfinder des Ritornells gilt Carissimi. R. ist ferner die älteste Form der italienischen Volkspoesie, die noch jetzt in zahlreichen Volksliedern angewendet wird. Sie besteht aus einer dreizeiligen Strophe, deren erste und dritte Zeile zu reimen pflegen; die Verse sind gewöhnlich fünffüßige Iamben, doch ist die erste Zeile häufig ein Halbvers. Im Deutschen wurde das R. besonders von Fr. Rückert und W. Müller mit Glück nachgeahmt. Vgl. Schuchardt, R. und Terzine (Halle 1875).

Ritratte, s. v. w. Rückwechsel (s. Regreß).

Ritschenwalde (poln. Ryczywol), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, Kreis Obornik, an der Flinta (Nebenflüßchen der Welna), hat (1885) 983 meist kath. Einwohner.

Ritschl, 1) Friedrich Wilhelm, berühmter Philolog, geb. 6. April 1806 zu Großvargula bei Erfurt, vorgebildet unter Spitzner zu Erfurt und Wittenberg, studierte seit 1825 in Leipzig unter Hermann und seit 1826 in Halle unter Reisig, wurde 1829 Privatdozent und 1832 außerordentlicher Professor in Halle, 1833 außerordentlicher und 1834 ordentlicher Professor in Breslau an Passows Stelle, 1839 nach einer längern Reise in Italien (1837-38) Professor der klassischen Philologie und Mitdirektor des philologischen Seminars zu Bonn, 1854 auch Oberbibliothekar sowie Direktor des akademischen Kunst- und des rheinischen Altertumsmuseums daselbst, erhielt 1856 den Titel eines Geheimen Regierungsrats, nahm 1865 infolge einer vom preußischen Kultusminister wegen Differenzen mit O. Jahn eingelegten Disziplinaruntersuchung seine Entlassung, folgte im Herbst d. J. einem Ruf nach Leipzig und starb dort 9. Nov. 1876. Als Universitätslehrer hat R. eine Wirksamkeit und einen Einfluß ausgeübt wie keiner seiner Zeitgenossen. Ein beredtes Zeugnis dafür sind die "Symbola philologorum Bonnensium in honorem Fr. Ritschelii collecta" (Leipz. 1864-67), 43 Abhandlungen von Schülern Ritschls zur Feier seiner 25jährigen akademischen Thätigkeit in Bonn, und die "Acta societatis philologae Lipsiensis" (das. 1871-76, 6 Bde.). Seine wissenschaftlichen Leistungen bezogen sich im Anfang auf die griechische Litteratur. Hierher gehören seine Ausgabe des Thomas Magister (Halle 1832), Abhandlungen "De Oro et Orione" (Bresl. 1834), zu Dionysios von Halikarnaß (das. 1838 u. Bonn 1846), über "Die alexandrinischen Bibliotheken unter den ersten Ptolemäern und die Sammlung der Homerischen Gedichte durch Pisistratus" (Bresl. 1838; ein umfangreiches Korollarium dazu, Bonn 1840), aus späterer Zeit besonders seine Ausgabe von Äschylos' "Sieben gegen Theben" (Elberf. 1853; 2. Aufl. unter Mitwirkung von F. Schöll, Leipz. 1875). Seine Hauptverdienste liegen jedoch auf dem Gebiet der römischen Litteratur; hier waren seine Schriften bahnbrechend für Plautus, die Inschriften und die historische Grammatik. Sein Hauptwerk ist die kritische Bearbeitung des Plautus mit umfassenden Prolegomenen (unvollendet, Bonn u. Elberf. 1848 bis 1854, 3 Bde., 9 Stücke enthaltend; fast völlig neue Bearbeitung, von R. begonnen, von Götz, Löwe und Schöll fortgesetzt, bis jetzt Bd. 1-3, Leipz. 1881 bis 1887), vorbereitet besonders durch die "Parerga zu Plautus und Terentius" (1. Bd., nicht fortgesetzt, das. 1845). Auf dem Gebiet der lateinischen Epigraphik heben wir das Prachtwerk "Priscae latinitatis monumenta epigraphica" (Berl. 1864) hervor, in welchem er den Inschriften durch Verwertung für die Sprachgeschichte eine neue Stellung zuwies. Sonst legte er die Resultate seiner Forschungen in zahlreichen Abhandlungen nieder. Dieselben sind gesammelt als "Kleine philologische Schriften" oder "Opuscula philologica" (Leipz. 1867-79, 5 Bde.). Auch gab er seit 1841 mit Welcker, seit 1866 mit Klette eine "Neue Folge" des "Rheinischen Museums für Philologie" heraus. Vgl. Luc. Müller, Fr. R. (2. Aufl., Berl. 1878); Ribbeck, F. W. R. (Leipz. 1879-81, 2 Bde.).

2) Albrecht, protest. Theolog, geb. 25. März 1822 zu Berlin als Sohn des Bischofs Georg Karl Benjamin R. (geb. 1783, gest. 18. Juni 1858 in Berlin), studierte in Bonn, Halle, Heidelberg, Tübingen Theologie, habilitierte sich 1846 in Bonn, woselbst er 1853 außerordentlicher, 1860 ordentlicher Professor der Theologie wurde; er folgte 1864 einem Ruf an die Universität Göttingen, woselbst er 1879 Konsistorialrat und 1881 Doctor juris wurde. Unter seinem Schriften sind zu nennen: "Das Evangelium Marcions und das kanonische Evangelium des Lukas" (Tübing. 1846); "Das Verhältnis des Bekenntnisses zur Kirche" (Bonn 1854); "Die Entstehung der altkatholischen Kirche" (das. 1850, 2. Aufl. 1857), womit er der Tübinger Schule, zu welcher er sich bisher gehalten, erfolgreich entgegentrat; "De ira Dei" (das. 1859); "Die christliche Lehre von der Rechtfertigung und Versöhnung" (das. 1870-74; 2. Aufl. 1882-83, 3 Bde.); "Schleiermacher Reden über die Religion" (das. 1874); "Die christliche Vollkommenheit" (das. 1874); "Unterricht in der christlichen Religion" (das. 1875, 3. Aufl. 1886); "Über das Gewissen" (das. 1876); "Geschichte des Pietismus" (das. 1880-86, 3 Bde.); "Theologie und Metaphysik" (2. Aufl., das. 1887); "Drei akademische Reden" (das. 1887). Seine in der jüngern theologischen Welt sehr verbreitete Schule kennzeichnet sich dadurch, daß sie unter Bezugnahme auf Kant alle nicht von ethischen Prinzipien ausgehende und geleitete Metaphysik überhaupt ablehnt und die ganze Glaubenslehre durch die religiös-ethische Idee des Gottesreichs als des objektiven Zweckes der Gottesoffenbarung und der sittlichen Bethätigung der Gemeinde beherrscht sein läßt.

Ritschling, Pilz, s. Agaricus II.

Ritteburg, Pfarrdorf im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Sangerhausen, an der Mündung der Helme in die Unstrut, 3 km von Artern, mit 425 Einw. Hier ist nach einigen das Feld der Ungarnschlacht von 933 zu suchen.

Ritteln, roter Hautausschlag, s. Erythem.

Ritter, Fisch, s. Lachs.

Ritter (lat. Equites), Krieger zu Pferd, welche im alten Rom und später in den Staaten des Mittelalters einen besondern Stand bildeten. In Rom wurde die Begründung des Standes der R. auf Romulus zurückgeführt, welcher aus den drei patrizischen Tribus der Ramnes, Tities und Luceres drei Centurien (= 300) Reiter für den Kriegsdienst aufstellte, welche Zahl noch unter den ersten Königen auf sechs erhöht wurde. Servius Tullius, der auch die Nichtbürger (Plebejer) zu militär. Leistungen heranzog, indem er alle Einwohner Roms nach dem Vermögen in fünf Klassen teilte u. danach die Art ihres Militärdienstes bestimmte, schuf aus denjenigen, deren Vermögen den Satz der ersten Klasse überstieg, zwölf (plebejische) Reitercenturien, die auch besondere Rechte erhielten. Diese 1800 Mann Legionsreiterei in Rom bildeten die Anfänge des Ritterstandes (ordo equester); sie erhielten ihr Pferd vom Staat gestellt (equus publicus) und einen Geldbeitrag für den Unterhalt