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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ritterbank - Ritterwesen.

Ritterbank (adlige Bank), sonst Abteilung in manchen Kollegien, z. B. dem Reichshofrat, wo nur Adlige Platz nahmen; in Böhmen der gesamte niedere Adel im Gegensatz zum höhern Adel, der Grafen- und Fürstenbank.

Ritterbürtig, von ritterlicher, namentlich altadliger, 16 Ahnen zählender Herkunft.

Ritter der Arbeit (Knights of Labor), ein Arbeiterbund in Nordamerika, der 1869 zu Philadelphia von einem Schneidermeister, Uriah Stevens, gegründet wurde, um das Los der Arbeiter zu verbessern, aber wegen des strengen Rituals und der Geheimhaltung bei der Aufnahme und Thätigkeit wenig Verbreitung fand, bis 1879 Terence Powderly, ein Ire (geb. 1849), als Generalarbeitermeister an die Spitze trat und durch Öffentlichkeit der Versammlungen, Zulassung aller 18 Jahre alten Arbeiter ohne Unterschied des Geschlechts, der Religion und Nationalität sowie durch vortreffliche Organisation die Zahl der Mitglieder auf mehr als ½ Mill. vermehrte. Der Verein erstrebt Verbot der Kinderarbeit, allgemeine achtstündige Arbeitszeit, Einrichtung von Schiedsgerichten, Verstaatlichung der Eisenbahnen und Telegraphen, progressive Einkommensteuer, Ausgabe von Papiergeld mit Zwangskurs etc. Sehr bald erlangte der Verein, begünstigt vom katholischen Klerus, in den östlichen Industriestaaten großen Einfluß, büßte aber an Ansehen ein, als er auf die ihm nicht zugehörigen Arbeiter einen ungerechtfertigten Druck (durch Boycotting) auszuüben versuchte und erfolglose Arbeitseinstellungen ins Werk setzte.

Rittergüter (Praedia nobilia s. equestria), ursprünglich solche Güter, deren Eigentümer Ritterdienste leisteten (ursprünglich persönliche Leistungen, später auch Geldleistungen, daher die Ritterpferdsgelder) und mancherlei Vorrechte genossen. Diese Vorrechte, deren Besitz ursprünglich Ritterbürtigkeit bedingte, wurden mit der Zeit als Zubehör der R. selbst angesehen (nobilitas realis). Zu ihnen gehörten vorzugsweise Befreiung von bäuerlichen und öffentlichen Lasten (Steuern, Einquartierung, Fronen etc.), für welche der Ritterdienst ehemals als Äquivalent gegolten hatte, ferner Landstandschaft, Patrimonialgerichtsbarkeit, Jagdgerechtigkeit, Fischerei, Baugerechtigkeit, Mühlenzwang und andre Bannrechte. Die neuere Zeit hat diese Vorrechte beseitigt; während früher nur Adlige R. besitzen konnten, dürfen jetzt auch Bürgerliche dergleichen erwerben.

Ritter ohne Furcht und Tadel, s. Bayard 1).

Ritterorden, s. Orden, S. 425.

Ritterpferde (Lehnspferde), im Mittelalter die von der Ritterschaft dem Reichsoberhaupt oder dem Lehnsherrn zu stellende Kriegsmannschaft, wofür später, als die Einrichtung des Kriegswesens sich änderte, eine Geldleistung (Ritterpferdsgelder) eingeführt ward; in neuerer Zeit durch Ablösung beseitigt.

Ritterpoesie, der Inbegriff der Dichtungen, welche die Thaten von Helden des Mittelalters feiern. Die älteste Heimat der Ritterepen (chansons de geste) und ritterlichen Abenteuer (romans d'aventure), woraus sich später die prosaischen Ritterromane entwickelten, ist das nördliche Frankreich, wo das germanisch-ritterliche Gefolge- und Lehnswesen am meisten und förmlichsten ausgebildet und der kriegerisch-abenteuerliche Geist durch die Normannen noch gesteigert worden war. Mit diesen christlichen germanischen und romanischen Elementen verbanden sich später die von den Kreuzfahrern aus Byzanz und dem Orient mitgebrachten Sagen und Mythen und die Wundermärchen des fernsten Ostens einerseits und die von den keltischen Nachbarn überkommenen Traditionen des Druidentums und Feenglaubens sowie auch einige bei den Normannen erhaltene Heimatsagen von Riesen (Hünen) und Zwergen (Trollen und Elfen) anderseits. Von Frankreich aus verbreitete sich diese R. über ganz Europa und fand namentlich in Großbritannien und Deutschland den günstigsten Boden, weil sie hier verwandte Elemente und Volkssagen vorfand, die sie nur in das chevalereske Kostüm umzukleiden hatte. Daher sind fast allen gebildeten Nationen des Mittelalters mehrere Ritterepen gemeinsam, so daß sich ihre eigentliche Heimat und ihre ursprüngliche Bearbeitung schwer oder gar nicht nachweisen lassen. Weiteres s. in den betreffenden Artikeln: Deutsche Litteratur, Französische Litteratur etc.

Ritterprobe, bei der Ahnenprobe (s. Ahnen) der Nachweis der Ritterbürtigkeit der Vorahnen.

Ritterroman, s. Roman.

Ritterschaft, ursprünglich die Gesamtheit der Ritter, später Bezeichnung eines besondern Geburtsstandes neben dem Bürger- und Bauernstand und zwar dergestalt, daß der hohe Adel von der R. ausgeschieden wurde (s. Adel, S. 108). Die R. wurde dann zur Zeit des frühern Deutschen Reichs wiederum in die reichsunmittelbare (s. Reichsritterschaft) und die mittelbare oder landsässige eingeteilt. In Mecklenburg heißt die eine Abteilung des gemeinsamen Landtags R., im Gegensatz zu der von den städtischen Vertretern gebildeten Landschaft, während sich die R. aus den Besitzern der Rittergüter zusammensetzt.

Ritterschlag, s. Ritterwesen.

Rittersgrün, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Schwarzenberg, in waldreicher Gegend im Erzgebirge, hat eine evang. Kirche, Holzstoff- und Pappenfabrikation, Schneide- und Mahlmühlen, eine Holzessigfabrik, Spitzenklöppelei und Gorlnäherei, Eisensteinbergbau und (1885) 2732 Einw.

Rittershaus, Emil, Dichter, geb. 3. April 1834 zu Barmen, Sohn eines Fabrikanten, widmete sich dem Kaufmannsstand, errichtete 1856 in Elberfeld ein Agentur- und Kommissionsgeschäft, beteiligte sich später an einem Fabrikgeschäft in Barmen und übernahm in der Folge die Generalagenturen verschiedener Versicherungsgesellschaften. Er veröffentlichte: "Gedichte" (Elberf. 1856; 7. Aufl., Bresl. 1883); "Freimaurerische Dichtungen" (Leipz. 1870, 3. Aufl. 1885); "Neue Gedichte" (das. 1872, 5. Aufl. 1885); "Zur Sedanfeier" (Barm. 1875); "Für Oberschlesien" (das. 1880); "Am Rhein und beim Wein", Gedichte (2. Aufl. 1885); "Buch der Leidenschaft" (Oldenb. 1886); "Aus den Sommertagen" (3. Aufl., das. 1888) u. a. Seine Gedichte sind durch Ernst der Gesinnung, gesunde Frische der Empfindung wie durch gewandte Form ausgezeichnet.

Rittershausen, Stadtteil von Barmen (s. d.).

Rittersporn, Pflanzengattung, s. Delphinium.

Ritter von der traurigen Gestalt, Beiname, den in Cervantes' "Don Quichotte" (I, 9) Sancho Pansa seinem von Schlagen zerbleuten Herrn beilegt.

Ritterwesen (Rittertum), der Inbegriff der charakteristischen Eigenschaften und Erscheinungen des mittelalterlichen Kriegerstandes. Die Anfänge desselben sind in den sogen. Gefolgen (Komitaten), welche sich um einen selbstgewählten Führer oder um einen Fürsten scharten, zu suchen, von welchen namentlich die Ritter des heiligen Gral, die Ritter der Tafelrunde des Königs Artus und die Paladine Karls