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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rittmeister - Rivas.

oberamtsvorsteher in Joachimsthal Wassersäulenmaschinen zur Förderung und Wasserhebung. 1850 wurde er als Sektionsrat für das Kunstbau-Aufbereitungsfach beim Ministerium nach Wien berufen, und 1864 erhielt er das Referat über die österreichischen Bergakademien, deren Unterricht nach seinen Vorschlägen geregelt ward. Seit 1854 erschienen seine "Erfahrungen" als Beilage der "Österreichischen Zeitung für Berg- und Hüttenwesen". 1864 wurde er Ministerialrat im Finanzministerium. In seinem Spezialfach der Erzaufbereitung galt er als Autorität von europäischem Ruf. Er starb 7. Dez. 1872.

Rittmeister (franz. Capitaine de cavalerie), bei der Reiterei und dem Train s. v. w. Hauptmann.

Rituāl (lat.), vorgeschriebene Regel, wie es mit gewissen Zeremonien gehalten werden soll, besonders in Bezug auf kirchliche Gebräuche angewandt (s. Liturgie). Das Rituale romanum, auf Wunsch des Tridentiner Konzils 1614 von Paul V. herausgegeben, behandelt alle priesterlichen Handlungen und bezweckt, die möglichste Gleichförmigkeit des römisch-katholischen Kultus herbeizuführen.

Ritualismus (lat.) s. Pusey.

Ritus (lat.), Gesamtbezeichnung aller Gebräuche, welche bei den alten Römern im politischen und religiösen sowie auch im häuslichen Leben, insoweit dasselbe eine religiöse Beziehung und Weise hatte, zu beobachten und in den Libri rituales der Salier, Vestalinnen, Flamines, Pontifices und Augurn aufgezeichnet waren. In der christlichen Kirche bezeichnet R. die Liturgie (s. d.) einer größern Kirchengemeinschaft; man unterscheidet den Ambrosianischen, mozarabischen, römischen R. etc.

Ritzebüttel, Amt der Freien Stadt Hamburg, an der Nordsee und der Elbmündung, hat mit der vor der Elbmündung gelegenen Insel Neuwerk 78 qkm (1,42 QM.) Flächenraum mit (1885) 7367 Einw. Der mit Kuxhaven (s. d.) gegenwärtig eine Stadtgemeinde bildende ehemalige Flecken R. ist Sitz des Amtes und des Amtsgerichts, hat eine neue Kirche, ein altes Schloß, höhere Töchterschule, ein Seehospiz, Fischräucherei und (1885) 1950 Einw.

Ritzenschorf, s. Hysterium.

Riva (ital.), Ufer, besonders als Platz in Venedig.

Riva (Reif), Stadt und Hafenort in Tirol, in reizender Lage am nördlichen Ende des Gardasees und am Fuß des Monte Giumela, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts u. Zollamtes, hat eine schöne Pfarrkirche und eine ehemalige Klosterkirche von 1603, eine feste Kaserne mit Wartturm, La Rocca, ein altes Schloß (westlich auf hohem Felsen), ein Rathaus, ein Theater, Wein- und Ölbau, Fischerei, Seidenzucht und Seidenspinnerei, Papierfabrikation, regen Handel und Schiffahrt und mit Garnison (1880) 4723 Einw. In der Umgebung befinden sich einige neue Befestigungswerke (Fort bei Nago und Fort San Niccolò an den Abhängen des Monte Brione). R. wird wegen des günstigen Klimas (auch im Winter) als Kurort benutzt und ist beliebter Touristenstandort. Die Umgebung (Campagna) zeichnet sich durch ihre italienische Vegetationsfülle aus. Von R. führt eine schöne Kunststraße am östlichen Ufer des Gardasees bei dem prächtigen Ponalfall vorüber in das betriebsame Val di Ledro. Ursprünglich eine römische Niederlassung, kam R. früh an die Bischöfe von Trient, gehörte 1441-1509 zu Venedig, wurde aber von Maximilian I. für Trient zurückerobert. Der Ort war bis 1703 Festung.

Rivadēo, Stadt in der span. Provinz Lugo, an der Mündung des gleichnamigen Flusses in das Meer von Viscaya gelegen, hat (1878) 8946 Einw., welche lebhaften Küstenhandel betreiben.

Rivāl (franz.), Mitbewerber, Nebenbuhler; rivalisieren, wetteifern; Rivalität, Nebenbuhlerschaft; Eifersucht, Wettstreit.

Riválsa (ital.), s. v. w. Regreß.

Rivarol (spr. -waroll), Antoine, franz. Schriftsteller, geb. 26. Juni 1753 zu Bagnols in Languedoc, trat in Paris um 1780 als Chevalier de Parcieux auf und erwarb sich durch seine glänzenden persönlichen Eigenschaften wie durch seine ungewöhnlich geistreiche und witzige Konversation den Zutritt in die besten Kreise. Dabei besaß er eine große Arbeitskraft, welche sich besonders auf die Erlernung fremder Sprachen und die Verfeinerung seines Stils richtete. Seine erste namhaftere Schrift ist der "Discours sur l'universalité de la langue française" (Berl. 1784), welcher von der Akademie zu Berlin gekrönt wurde, und dem 1788 die beiden "Lettres à Mr. Necker" (Antwort auf dessen Schriften über Religion und Moral) und die Satire "Petit almanach des grands hommes pour l'année 1788" folgten. In Brüssel, wohin er 1792 übersiedelte, schrieb er: "Lettre au duc de Brunswic" und "Lettre à la noblesse française émigrée" (1792) sowie die "Vie politique et privée de Lafayette" (1792). Nach längerm Verweilen in Hamburg ließ er sich zu Berlin nieder, wo er am Hof gute Aufnahme fand und 13. April 1801 starb. Bei seinen großen Vorzügen, welche sich besonders in seinen Improvisationen, Epigrammen und den scharfen und treffenden Bonmots zeigen, machte sich das Haschen nach Effekt und eine gewisse Oberflächlichkeit unangenehm bemerklich. Sein Geschmack aber ist äußerst delikat, und seine kritischen Urteile übertreffen an Feinheit und Richtigkeit die seiner Zeitgenossen um ein Bedeutendes. Seine "Œuvres" sind gesammelt von Chênedollé und Fayolle (Par. 1805, 5 Bde.), die auch "Esprit de R." (1808, 2 Bde.) herausgaben; seine "Œuvres choisies" von Lescure (1862, neue Ausg. 1880). Ein 1828 unter Rivarols Namen erschienenes "Dictionnaire de la langue française" ist nicht von ihm; er hat zu einem solchen nur den "Discours préliminaire" (Hamb. 1797) geschrieben. Vgl. Lescure, R. et la société française pendant la révolution et l'émigration (Par. 1883).

Rivarōlo, 1) R. Canavese, Stadt in der ital. Provinz Turin, rechts am Orco und an der Eisenbahn Settimo-Cuorgnè, mit Burgruine, Theater, Wein- und Obstbau, Baumwollmanufaktur und (1881) 3673 Einw. -

2) R. Ligure, Gemeinde in der ital. Provinz Genua, im engen, dicht bevölkerten und reizenden Thal der (meist wasserlosen) Polcevera und an der Eisenbahn Genua-Novi gelegen, zerfällt in die Ortschaften R. superiore und R. inferiore, hat zwei prächtige Villen, Doria und Pallavicini, eine Baumwollweberei und (1881) 5583 Einw.

Rivas, Departement des mittelamerikan. Staats Nicaragua, liegt zwischen dem Nicaraguasee und dem Stillen Ozean und hat 2798 qkm (50,8 QM.) Oberfläche mit etwa 25,000 Einw. Hauptstadt ist R., 10 km vom See, im "Garten Nicaraguas", inmitten von Kokospalmen, Kakaobäumen und Obstgärten, aber selbst ein Bild des Verfalls, mit 8000 Einw.

Rivas, Angelo Perez de Saavedra, Herzog von, span. Staatsmann und Dichter, geb. 1. März 1791 zu Cordova, begann 1807 in der Leibgarde des Königs seine militärische Laufbahn. Nachdem er 1815 als Oberst seinen Abschied genommen, widmete er sich zu Sevilla dichterischer Produktion. Schon 1813 war er mit den "Ensayos poeticos" hervorgetreten, denen