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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Roberts; Robertskraut; Robertson; Robesonkanal; Robespierre

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Roberts - Robespierre.

wurde auch Veranlassung, daß er nach London übersiedelte, woselbst er als Vokal- und Instrumentalkomponist eine außerordentliche Fruchtbarkeit entfaltete. In den 60er Jahren ließ sich R. in Florenz nieder, und hier begann er ein musikreformatorisches Werk von weittragender Bedeutung, indem er nach dem Muster Deutschlands und Belgiens, deren Musikzustände er auf wiederholten Reisen genau kennen gelernt, Chorvereine ins Leben rief und namentlich auch die Verbesserung des Schulgesangs in Angriff nahm. Nachdem er auf diesem Gebiet glänzende Erfolge errungen, wurde er nach Turin berufen, woselbst er als Generaldirektor des städtischen Schulgesangunterrichts noch gegenwärtig thätig ist. Auch als Musikschriftsteller hat sich R. ausgezeichnet durch seine Kritiken in der "Gazzetta d'Italia" und "Gazzetta piemontese". Ferner veröffentlichte er mehrere Gesangunterrichtswerke sowie die Schriften: "Pagine di buona fede a proposito di musica" (1876) u. "La cappella regia di Torino 1515-1870" (1879).

Roberts, 1) David, engl. Maler, geb. 2. Okt. 1796 zu Stockbridge bei Edinburg, ward Stubenmaler, genoß daneben den Unterricht der Edinburger Akademie, fand 1822 eine Anstellung als Dekorationsmaler am Drurylane-Theater zu London und machte sich 1826 durch das Ölbild: das Innere der Kathedrale zu Rouen auch in weitern Kreisen bekannt. In der Folge bereiste er Spanien, Frankreich, Deutschland und den Orient und lieferte teils Illustrationen zu Reisebüchern, teils selbständige Bildwerke, zu denen nachträglich Texte und Erläuterungen geschrieben wurden. Er gab heraus: "Picturesque sketches in Spain" (Lond. 1835-36); "The Holy Land, Syria, Idumea, Arabia, Egypt and Nubia" (das. 1842-1849, 3 Bde.); "Egypt and Nubia" (das. 1846-49, 3 Bde.; spätere Ausg., das. 1856, 6 Bde.). Hervorragender als in Landschaften war er im Architekturstück. Einige seiner besten Arbeiten auf diesem Gebiet, z. B. das hohe Chor der St. Paulskirche zu Antwerpen und das Innere der Kathedrale zu Burgos, befinden sich in der Vernon-Galerie zu London. Seit 1841 Mitglied der Londoner Akademie, starb er 25. Nov. 1864 in London. Vgl. J. ^[James] Ballantine, The life of D. R. (Edinb. 1866).

2) Frederick Sleigh, brit. General, geb. 30. Sept. 1832 in Irland als Sohn des Generals Sir Abraham R., zeichnete sich zuerst bei der Belagerung von Dehli (1857) aus, diente später (1867-68) als Quartiermeister bei der Brigade bengalischer Truppen in Abessinien und (1871-72) in gleicher Eigenschaft im Kriegszug gegen die Lushai. Während des ersten Feldzugs in Afghanistan befehligte er die Truppenmacht, deren Aufgabe es war, durch das Kuramthal vorzudringen, und erzwang an deren Spitze den Übergang über den 3412 m hohen Peiwarpaß (1. Dez. 1878). Im zweiten afghanischen Krieg hatte der inzwischen zum Generalmajor ernannte R. den Oberbefehl. Er besetzte Kabul 12. Okt. 1879 und marschierte von hier in 20 Tagen (11.-31. Aug. 1880) nach dem von Ejub Chan hart bedrängten Kandahar, vor dessen Mauern er 1. Sept. den Feind aufs Haupt schlug. Zum Baronet erhoben und im März 1881 zum Gouverneur der Kolonie Natal und Commissioner in Transvaal ernannt, kehrte er, da der Friede mit den Buren bereits 21. März geschlossen war, bald als Befehlshaber von Madras nach Indien zurück, ward 1885 zum Oberbefehlshaber der Truppen des indischen Reichs ernannt und unterwarf 1886 Birma.

Robertskraut, s. Geranium.

Robertson, 1) William, engl. Geschichtschreiber, geb. 19. Sept. 1721 zu Borthwick in Schottland, ward 1743 Pfarrer zu Gladsmuire, dann Mitglied der obersten presbyterianischen Kirchenbehörde in Schottland, 1762 königlicher Kaplan in Schottland, später Prinzipal der Universität Edinburg und königlicher Historiograph Schottlands. Er starb 11. Juni 1793 auf seinem Landgut Grange House. Von seinen durch Klarheit und Unparteilichkeit der Darstellung ausgezeichneten, oft aufgelegten Arbeiten (gesammelt mit Biographie von Stewart, Lond. 1820, 12 Bde.; 1851, 6 Bde.; 1865, 1 Bd.) sind hervorzuheben: "History of Scotland during the reigns of Queen Mary and King James VI." (das. 1759, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1829, 6 Bde.); "History of the reign of the emperor Charles V." (Lond. 1769, 3 Bde.; deutsch, Braunschw. 1792-94, 3 Bde.); "History of America" (Lond. 1777; deutsch, Leipz. 1798 ff., 3 Bde.).

2) James Burton, ultramontaner engl. Schriftsteller, geb. 15. Nov. 1800 zu London, kam 1809 in das katholische College von St. Edmund, wo er bis 1819 verblieb, und ward 1825 Advokat; später machte er Reisen nach Frankreich und trat als Schriftsteller zuerst mit einer englischen Übersetzung von F. Schlegels "Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte" (1835) und von Möhlers "Symbolik" (1843, 2 Bde.) auf. Er wurde 1855 Professor der Geographie und neuern Geschichte an der katholischen Universität in Dublin, später auch Professor der englischen Litteratur und starb 14. Febr. 1877. Von seinen zahlreichen Schriften sind zu nennen: "On various subjects of ancient and modern history" (Vorlesungen, 1858); ein episches Gedicht: "The prophet Enoch" (1860); "Lectures on Spain in the XVIII. century, on the life, writings and times of Chateaubriand, and on the Freemasons, Illuminati, Jacobins and Socialists" (1864); "Lectures on the life, writings and times of Edmund Burke" (1868, neue Aufl. 1872); eine Übersetzung von Hergenröthers "Anti-Janus" (1870) etc.

3) Thomas William, engl. Dramatiker, geb. 9. Jan. 1829 zu Spalding in Lincolnshire, begann um 1860 in London Theaterstücke zu schreiben und begründete seinen Ruf durch das Schauspiel "Society", das zuerst 1865 auf dem Prince of Wales-Theater zur Aufführung kam. Spätere Stücke von ihm sind: "Ours" (1866), "Caste" (1867) und "Play" (1868), das mehrere hundertmal hintereinander gegebene Lustspiel "School" (nach dem Deutschen des Roderich Benedix, 1869) und "M. P." (d. h. Member of Parliament, "Parlamentsmitglied", 1870). Sie zeichnen sich durch glückliche Wahl der Stoffe, bühnengerechte Behandlung und glänzenden Dialog aus. R. starb 3. Febr. 1871 in London.

Robesonkanal (spr. robbs'n-), Meeresarm, welcher den Smithsund mit dem arktischen Becken verbindet, das Kane als offenes Meer, Nares als mit Eis bedeckt beschreibt. Der R. wurde 1861 von Hayes entdeckt und 1871 zuerst von Hall mit Bessels durchfahren. Letztere überwinterten im Thank-God Harbour auf der Ostseite, Nares und Stephenson (1875-76) auf der Westseite. Die Hoffnung, daß diese Straße einen Weg in ein offenes Polarmeer eröffnen werde, ist durch die jüngsten Erfahrungen der Engländer zu nichte geworden; 1881 entsandten die Amerikaner eine Expedition zur Begründung einer Beobachtungsstation in der Lady Franklin-Bai auf der Westseite des Kanals.

Robespierre (spr. robbespjähr), 1) Maximilien Marie Isidore, eigentlich de R., einer der hervor-^[folgende Seite]