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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rochefort; Rochefoucauld; Rochejacquelein; Rochelle, La

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Rochefort - Rochelle, La.

eingelaufene Schiffe mit 98,388 T. (hauptsächlich von England, dann Schweden, Norwegen, Deutschland), bei der Küstenschiffahrt 893 beladen eingelaufene Schiffe mit 44,004 T. Die wirkliche Ladung aller ein- und abgelaufenen Schiffe betrug zusammen 230,007 T. (à 1000 kg). Die Hauptartikel des Seehandels von R. sind: Wein, Branntwein, Salz, Getreide, Mehl, Kohlen, Bauholz, Pferde, Rindvieh, gesalzene Fische und Kolonialwaren. Eine Wasserleitung führt der Stadt das Wasser der Charente zu. R. hat ein Collège, eine nautische Schule, eine Zeichen- und Architekturschule, eine Kommunal- und eine Marinebibliothek, einen botanischen Garten und eine Handelskammer. Es ist Sitz eines Marinepräfekten, eines Handelsgerichts sowie mehrerer Konsuln auswärtiger Staaten (darunter auch eines deutschen). - R., bis 1665 ein bloßes Fort, wurde von Ludwig XIV. erbaut und von Vauban stark befestigt. Hier wollte sich Napoleon I. nach seiner Niederlage bei Waterloo einschiffen, mußte sich aber 15. Juli 1815 an das englische Linienschiff Bellerophon ergeben. - 2) Marktflecken in der belg. Provinz Namur, Arrondissement Dinant, an der Lomme und der Eisenbahn Jemelle-Eprave, mit altem Schloß und (1887) 2700 Einw., ehemals Hauptstadt der Ardennengrafschaft. In den Kalkmulden der Umgegend merkwürdige Höhlen, darunter besonders ausgezeichnet die "Grotte de R." in R. selbst.

Rochefort (spr. rosch'for), Victor Henri, Graf von R.-Luçay, franz. Journalist, geb. 29. Juli 1832 zu Paris, mußte nach dem Tod seines Vaters wegen seiner Armut das Studium aufgeben und ward Hilfsschreiber bei der Pariser Stadtverwaltung. 1859 entlassen, ward er Journalist, schrieb das Werk "Les mystères de l'hótel des ventes" (Par. 1862), ferner Romane wie auch litterarische und politische Artikel, letztere als Redakteur des "Charivari", des "Nain jaune", des "Soleil" und des "Figaro". Auf Befehl des Ministeriums 1868 aus der Redaktion des letztern entlassen, gründete er die Wochenschrift "Lanterne", welche durch scharfe, witzige, aber oft die Grenzen des Anstandes überschreitende Artikel dem zweiten Kaiserreich tödliche Nadelstiche versetzte und ihm selbst zwar zahlreiche Geld- und Gefängnisstrafen, aber auch ungeheure Einnahmen brachte. Auf eine Zeitlang flüchtete er nach Brüssel. 1869 stand R. auf der Höhe seiner Bedeutung, als er im November in Paris zum Abgeordneten im Gesetzgebenden Körper gewählt wurde. Wegen seiner Angriffe auf die kaiserliche Familie in der von ihm redigierten "Marseillaise" sowie wegen seiner Demonstrationen beim Begräbnis des vom Prinzen Peter Bonaparte erschossenen V. Noir wurde er 22. Jan. 1870 zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Am 4. Sept. 1870 ward er Mitglied der Regierung als Minister ohne Portefeuille und mit der Leitung des Barrikadenbaues beauftragt. Wegen seines zweideutigen Verhaltens bei der Rebellion vom 31. Okt. trat er jedoch von seinem Posten zurück, legte 3. März 1871 auch sein Mandat für die Nationalversammlung nieder, weil er die Abtretung von Elsaß-Lothringen für ungesetzlich hielt, und schürte den Aufstand der Kommune in der "Marseillaise" an, ohne jedoch den Mut offenen Anschlusses an dieselbe zu haben. Auf der Flucht aus Paris im Mai wurde er in Meaux verhaftet und vom Kriegsgericht in Versailles zur Deportation verurteilt. 1873 nach Neukaledonien deportiert, entfloh er von da im März 1874 über Australien und Amerika nach Europa (vgl. seine Schrift "De Nouméa en Europe". Par. 1877) und lebte in der Schweiz oder in Belgien, wo er von neuem die "Lanterne" herauszugeben begann, mit boshaften Ausfällen gegen die Regierung und die Opportunisten unter Gambetta. 1880 kehrte er nach der allgemeinen Amnestie nach Paris zurück, wo er die Zeitung "L'Intransigeant" begründete, in welcher er jede Regierung aufs frechste beschimpfte und zum Revanchekrieg hetzte. 1885-86 war er Mitglied der Deputiertenkammer.

Rochefoucauld, La (spr. rosch'fukoh), Stadt im franz. Departement Charente, Arrondissement Angoulême, an der Tardoire und der Eisenbahn Angoulême-Limoges, mit prächtigem Schloß aus der Renaissancezeit, Stammsitz der berühmten Familie gleiches Namens, Collège, Bleichereien und (1881) 2441 Einw.

Rochefoucauld, La, s. Larochefoucauld.

Rochejacquelein, La, s. Larochejacquelein.

Rochelle, La (spr. -schäl), Hauptstadt des franz. Departements Niedercharente, am Atlantischen Ozean, der Insel Ré gegenüber, in sumpfiger Gegend, an den Eisenbahnlinien Nantes-Bordeaux und R.-Poitiers gelegen, bildet einen Kriegsplatz zweiten Ranges. Trotz seiner Modernisierung durch Neubauten hat R. großenteils seine alte Physiognomie bewahrt; die Straßen sind teilweise mit Hallen versehen. Auf dem weiten Hauptplatz (Place d'Armes) steht die etwas schwerfällig Kathedrale. Andre bemerkenswerte Gebäude sind: das kastellartige Stadthaus (1486-1607), der Justizpalast, die Börse, das Militärhospital, das Arsenal. Als Spaziergänge dienen die Basteien und der außerhalb der Stadt befindliche Mail, in dessen Nähe sich die Seebäder befinden. Die Zahl der Bewohner beträgt (1886) 17,745, welche Fischerei (Sardinen und Stockfische), Zubereitung von Sardinen, Fabrikation von Glas, Fayence, Kupfer- und Eisengußwaren, Maschinen, Fässern, Hanf- und Flachsgarn, Leinwand, raffiniertem Zucker, dann Schiffbau und Schiffsausrüstung, lebhaften Handel mit Branntwein, Salz, Austern, Fischen, Getreide, Bauholz, Wein und Kohlen sowie Schiffahrt betreiben. Der Hafen von R. ist mit seinen zwei Bassins durch einen weit vorspringenden Damm geschützt, sehr sicher und selbst bei unruhigem Wetter leicht zugänglich. Er steht durch den nach Marans führenden Kanal mit dem Sèvrebecken in Verbindung. 1886 sind im Hafen von R. vom Ausland her 296 Schiffe mit 129,934 Ton. und aus französischen Häfen 2767 Schiffe mit 121,502 T. beladen eingelaufen. Der gesamte Warenverkehr zur See belief sich auf 335,929 metr. T. Am Kai steht das Monument des Admirals Duperré. Die Stadt hat ein Lyceum, ein Seminar, eine hydrographische Schule, eine Spezialschule für Industrie, Handel und Seewesen, eine Akademie der Künste und Wissenschaften, eine Bibliothek (25,000 Bände), Gemäldegalerie, Museen für Naturwissenschaften und Artilleriewesen, einen botanischen Garten, eine Filiale der Bank von Frankreich etc. Sie ist der Sitz der Präfektur, eines Bischofs, eines reformierten Konsistoriums, eines Handelsgerichts und einer Handelskammer sowie mehrerer Konsuln auswärtiger Staaten (darunter auch ein deutscher). - R. ist der Geburtsort von Réaumur, Bonpland und Billaud-Varennes. Es hieß im Altertum Santonum portus oder Rupella und war im Mittelalter die Hauptstadt der Landschaft Aunis, welche 1224 an Frankreich fiel. Während der bürgerlichen und Religionskriege im 16. und 17. Jahrh. spielte die Stadt als Waffenplatz der Hugenotten eine bedeutende Rolle. Nachdem sie 1572 vom Herzog von Anjou acht Monate lang vergeblich belagert worden, ward sie unter Richelieu nach 13monatlicher Belagerung durch Hunger 29. Okt. 1628 zur