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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rohstoffsteuer; Rohtak; Rohtang; Rohwand; Roi; Roisdorf; Rojas; Rojen; Roketnitz; Rokitansky; Rokitzan; Rokŏko

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Rohstoffsteuer - Rokoko.

Rohstoffsteuer, s. Aufwandsteuern, S. 69.

Rohtak, Distrikt in der britisch-ind. Provinz Pandschab, 4690 qkm (85 QM.) groß mit (1881) 553,609 Einw. (fast nur Hindu), wird durch den Dschamnakanal und seine Verzweigungen bewässert und eignet sich für europäische Getreidearten, für Baumwolle, Indigo, Zucker u. a., wird aber häufig von Hungersnot heimgesucht. Die Stadt R., an der Straße von Dehli nach Lahor, hat 15,699 Einw.

Rohtang, Himalajapaß im Kangradistrikt des Pandschab, 4000 m ü. M., also weit niedriger als die benachbarten Pässe. Die für Saumtiere gut hergestellte Straße führt von Sultanpur und Kangra nach Leh und Jarkand.

Rohwand, s. v. w. Ankerit.

Roi (franz., spr. rŏá), König.

Roisdorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Köln, Kreis Bonn, an der Linie Kalscheuren-Bingerbrück der Preußischen Staatsbahn, hat einen Mineralbrunnen, Obst- und Gemüsebau und (1885) 1119 Einw.

Rojas (spr. rohchas), 1) Fernando de, span. Dichter, von dem nichts weiter bekannt ist, als daß er am Ende des 15. Jahrh. lebte und in Salamanca die Rechte studiert hatte, ist Verfasser des berühmten dramatischen Romans "La Celestina" in 21 Akten, welcher zu den Meisterwerken der spanischen Litteratur gezählt wird. Der Verfasser selbst schreibt den ersten Akt einem andern Dichter, dem Rodrigo de Cota oder Juan de Mena, zu und erklärt sich nur für den Fortsetzer. Die neuere Kritik bezweifelt mit Recht diese Angabe und hält R. für den Verfasser des Ganzen. Die "Celestina" erschien zuerst unter dem Titel: "Calisto y Melibea" (Burgos 1499), erhielt aber erst einige Jahre später vom Verfasser durch Umarbeitung und Erweiterung ihre heutige Gestalt (Sevilla 1502). Sie ist seitdem sehr oft gedruckt (am besten Madr. 1822 u. 1846) und auch schon früh in andre Sprachen übersetzt worden, von K. Barthius sogar ins Lateinische (Frankf. 1624), in neuerer Zeit ins Französische von Germond de Lavigne (Par. 1841), ins Deutsche von E. v. Bülow (Leipz. 1843).

2) Augustin de R.-Villandrando, span. Schauspieler und Schriftsteller, geboren um 1577 zu Madrid, nahm in seiner Jugend Kriegsdienste und verweilte sechs Jahre unter den Truppen Philipps II. in Frankreich. Nach seiner Rückkehr wurde er Schauspieler und verfaßte eine Beschreibung seiner Erlebnisse und Erfahrungen: "Viage entretenido" (Madr. 1603 u. öfter), mit 40 eingeflochtenen "Loas" aus seiner Feder und zahlreichen Notizen über das damalige Theaterwesen, welche das Buch zu einer Hauptquelle für die Geschichte der dramatischen Kunst in Spanien machen. Ein andres Werk von ihm ist "El buen republico" (Salamanca 1611).

3) Francisco de R.-Zorrilla, berühmter dramat. Dichter Spaniens, geb. 4. Okt. 1607 zu Toledo, war Ritter des Ordens von Santiago und lebte meist in Madrid. Sein Todesjahr ist unbekannt. In seinen Dramen ist R. sehr ungleich; neben mehreren vortrefflichen findet sich eine Anzahl ganz mittelmäßiger und geradezu absurder. Sein "Del rey abajo ninguno" gehört zu den schönsten und zugleich populärsten Stücken der spanischen Nationalbühne (deutsch in Rapps "Spanischem Theater", Bd. 7, Leipz. 1871). Nächst diesem sind besonders zu erwähnen: "Donde no hay agravios, no hay zelos", "Lo que son mugeres", "Abre el ojo" und das äußerst wirkungsvolle Lustspiel "Entre bobos anda el juego". In einem seiner Stücke hat er auch die Geschichte von Romeo und Julie unter dem Titel: "Los bandos de Verona" behandelt. Ein Teil seiner dramatischen Werke erschien Madrid 1640-45, 2 Bde., und 1680, 2 Bde. Andre sind einzeln gedruckt oder in verschiedenen Sammlungen zerstreut. Eine Auswahl der besten besorgte Mesonero Romanos ("Comedias escogidas de Fr. de R.", Madr. 1861). Einige finden sich auch in Ochoas "Tesoro del teatro español" (Par. 1838).

Rojen, s. v. w. rudern; in Hamburg (auch royen): Fässer mit flüssigen Waren visieren; Rojer, die dazu bestellten Personen.

Roketnitz, Dorf in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Prerau, mit (1880) 851 Einw., bekannt durch das Gefecht daselbst 15. Juli 1866 (s. Tobitschau).

Rokitansky, Karl, Freiherr von, Mediziner, Begründer der deutschen pathologisch-anatomisch-ärztlichen Schule, geb. 19. Febr. 1804 zu Königgrätz, studierte in Prag und Wien, ward an letzterer Universität 1828 Assistent der pathologisch-anatomischen Anstalt und 1834 Professor der pathologischen Anatomie. Da er die mit dieser Professur verbundenen Funktionen des Prosektors des großen Wiener Krankenhauses und des gerichtlichen Anatomen für Wien zu versehen hatte, so brachte er ein unermeßliches Material von Beobachtungen zusammen, das er in seinem "Lehrbuch der pathologischen Anatomie" (Wien 1842-46, 5 Bde.; 3. Aufl. 1855-61) klar verarbeitet der Öffentlichkeit übergab. Wie die frühern Humoralpathologen, legte er das Hauptgewicht auf das Blut und dessen Veränderungen als die nächsten Krankheitsursachen. In einer primären "Blutkrase" suchte er die Ursache der meisten konstitutionellen Übel und unterscheidet so eine Typhuskrase, Tuberkelkrase etc. Durch R. wurde das von Johannes Müller auf dem Gebiet der Pathologie eingeführte Mikroskop zuerst zu dem wichtigsten pathologischen Forschungsmittel. Vor allem aber hat R. das große Verdienst, der pathologischen Anatomie zuerst auf deutschem Boden eine allgemeine Bedeutung verliehen, dieselbe zum Fundament einer pathologischen Physiologie und zur Grundlage der naturwissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet der Medizin überhaupt gemacht zu haben. Auf dem durch ihn gelegten Grund wurde von Skoda, Schuh, Engel, Hebra, Oppolzer, Dittrich u. a. das Gebäude der neuern Diagnostik, der physiologischen Pathologie und Therapie aufgerichtet und der Ruf der Wien-Prager Schule gegründet. Er trat 16. Juli 1875 in den Ruhestand und starb 23. Juli 1878 in Wien. Er schrieb noch: "Die Defekte der Scheidewände des Herzens" (Wien 1875). Vgl. "Karl, Freiherr von R." (Wien 1874). - Sein ältester Sohn, Hans, geb. 1835, ist Mitglied (Bassist) des Hofoperntheaters in Wien und Professor am Konservatorium, vermählt mit der Sängerin Therese Lablache.

Rokitzan (tschech. Rokycany), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Pilsen, am Klabawabach und an der Böhmischen Westbahn gelegen, hat 2 Vorstädte und teilweise noch erhaltene Ringmauern, ein Bezirksgericht, eine Bibliothek; eine Dampfmühle und Säge, eine Lederfabrik, Bierbrauerei, Gasanstalt und (1880) mit der Garnison 4927 Einw. In der Umgebung sind Steinkohlen- und Eisenwerke. - R. ward 1421 im Hussitenkrieg eingeäschert, gehört aber jetzt zu den reichsten Gemeinden Böhmens. Hier wurde der hussitische Bischof Johann Rokycana geboren.

Rokŏko, von rocaille (s. d.) abgeleitete Bezeichnung für den in Frankreich unter der Regentschaft aufgekommenen und unter Ludwig XV. ausgebildeten Bau- und Dekorationsstil, welcher später in Deutschland, wo er den Barockstil verdrängte, zur üppigsten