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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rollgerste - Roloff.

lingsboten aus Österreich" (Jena 1845, 2. Aufl. 1849) erscheinen, verließ aber zugleich Österreich, um den Folgen des der heimischen Zensur entzogenen, vielgelesenen Buches zu entgehen, lebte in verschiedenen deutschen Städten, bis er 1848 in Jena auf preußische Requisition in politische Untersuchung gezogen wurde. Aus verschiedenen Kleinstaaten ausgewiesen, wandte er sich 1851 nach der Schweiz, von wo er endlich im Dezember 1854 in die Heimat zurückkehrte, wo er noch jetzt (seit 1876 als Archivar seiner Vaterstadt) lebt. Seine fernern poetischen Schriften sind: "Wanderbuch eines Wiener Poeten" (Frankf. 1846); "Frische Lieder" (2. Aufl., Ulm 1850); "Ein Waldmärchen aus unsrer Zeit" (Leipz. 1848); "Kampflieder" (das. 1848); "Republikanisches Liederbuch" (das. 1848); "Dramatische Dichtungen" (das. 1851, 3 Bde.); "Jucunde" (2. Aufl., das. 1854); "Die Kirmes", 12 Gesänge (mit Musik von Fr. Abt, Schleusing. 1854); "Heldenbilder und Sagen" (St. Gallen 1854); "Gedichte", Auswahl (2. Aufl., Leipz. 1866); "Offenbarungen", Ghasele (2. Aufl., Wien 1870); "Erzählende Dichtungen" (Leipz. 1872). Zuletzt veröffentlichte er die kunstgeschichtliche Schrift "Die drei Meister der Gemmoglyptik: Antonio, Giovanni und Luigi Pichler" (Wien 1874) u. "Die Goethe-Bildnisse, biographisch-kunstgeschichtlich dargestellt" (das. 1882).

Rollgerste, s. Graupen.

Rollhosen, s. Hosen.

Rollhügel, s. Hüfte.

Rollin (spr. -äng), Charles, franz. Historiker, geb. 30. Jan. 1661 zu Paris, studierte in der Sorbonne Theologie und erhielt 1683 eine Professur am Collège du Plessis, 1688 eine königliche Professur am Collège de France und 1696 die Direktion des Collège de Beauvais. In die jansenistischen Streitigkeiten verwickelt, legte er sein Amt nieder und widmete sich der Jugendschriftstellerei, bis er 1720 die Stelle eines Rektors an der Universität annahm. Er starb 14. Sept. 1741 und hinterließ viele pädagogische und historische Werke, von denen die bedeutendsten sind: "Traité des études" (Par. 1726-31, 4 Bde.); "Histoire ancienne" (das. 1730-38, 13 Bde.); "Histoire romaine" (das. 1738-48, 16 Bde.; fortgesetzt von Crévier, Lebeau und Ameilhon). Neue Ausgaben seiner Werke veranstalteten Didot (1845-63, 23 Bde.) und Hachette (1837-41, 7 Bde.). Ihm zu Ehren heißt das städtische Collège zu Paris Collège Rollin.

Rollmessing, dünnes Messingblech.

Rollo (Rodla, Hrolf, bei den Franzosen Raoul), erster Herrscher der Normandie, ein Normanne von vornehmer Abkunft aus Möre in Norwegen, landete, vom König Harald Harfagar aus seinem Vaterland vertrieben, 869 in Schottland, später auf der friesischen Insel Walcheren und im Hennegau und kam 17. Nov. 876 zuerst nach Frankreich. Nachdem er Rouen erobert und die Normandie verheert hatte, verwüstete er in den nächsten Jahren einen großen Teil Frankreichs und stand an der Spitze des Normannenheers, das 885 Paris belagerte. 889 kaufte König Odo von Frankreich die Feinde ab, und R. setzte sich an der untern Seine fest, von wo er längere Zeit Nordfrankreich beherrschte und das übrige Königreich heimsuchte. 912 suchte sich endlich König Karl der Einfältige von Frankreich der furchtbaren Feinde zu entledigen, indem er zu St.-Clair sur Epte einen Vertrag mit R. schloß, durch welchen er diesem seine Tochter Gisela zur Gemahlin gab und ihm die Bretagne und einen Teil von Neustrien (Normandie) als Markgrafschaft unter der Bedingung überließ, daß er zur christlichen Kirche übertrete und den Lehnseid leiste. R. nahm nun den Namen Robert an und bewies sich als tüchtigen Herrscher und weisen Gesetzgeber. Er zwang die Normannen zu fester Ansiedelung und seßhaftem Leben und begründete strenge Gerechtigkeit im Land; er starb 932. Seine Geschichte wurde schon frühzeitig mit den wunderlichen Sagen ausgeschmückt und gab Veranlassung zu dem berühmten Roman von Robert Wace, den Fr. v. Gaudy (Glog. 1835) in deutscher Bearbeitung herausgab.

Rollrädchen, Spielzeug, s. Joujou.

Rollschacht (Rolle), ein vertikaler Kanal in Grubenbauen zum Herabstürzen der Erze.

Rollschuhe, s. Schlittschuhe.

Rollschuß, Schußart mit sphärischen Geschossen der Artillerie, bei welcher das Geschoß in seinem Flug einen Aufschlag macht, abprallt und in immer kürzern Sprüngen weiter fliegt. Ebener Boden begünstigt das "Rollen". Der R. war sehr beliebt zum Beschießen eines in mehreren Treffen hintereinander stehenden Feindes. Langgeschosse schließen den R. aus.

Rollschwanzaffe (Rollaffe, Winselaffe, Cebus Erxl.), Affengattung aus der Familie der Breitnasen (Platyrrhini) und der Unterfamilie der Rollschwanzaffen (Cebidae), Tiere mit rundlichem Scheitel, mittellangen Armen, fünffingerigen Händen, rings behaartem Rollschwanz, welcher zwar um Äste gewickelt werden kann, aber nicht als Greifwerkzeug dient, dichtem, kurzem Pelz und mehr oder minder entwickeltem Bart. Sie leben in den großen Wäldern Brasiliens ausschließlich auf Bäumen und in ziemlich zahlreichen Gesellschaften, welchen sich oft auch andre Affenarten beigesellen. Sie sind sehr lebhaft, mutwillig, launenhaft, höchst unreinlich, lassen sich leicht zähmen und zeigen große Vorliebe für berauschende Genüsse. Ihre Stimme ist sanft und weinerlich, in der Erregung aber kreischen sie abscheulich. Von den zahlreichen Arten, von welchen mehrere sehr häufig nach Europa kommen, ist der Kapuziner (Cay, Sai, C. capucinus Geoffr.) 45 cm lang, mit 35 cm langem Schwanz, schon in frühster Jugend nackter, runzeliger, hell fleischfarbener Stirn, schwarzer Kopfplatte, hellbraunem Backenbart, dunkelbraunem, an Kehle, Brust, Bauch und Oberarmen hellbraunem Pelz; er bewohnt Südbrasilien und Peru, lebt in Familien von 5-10 Stück, unter welchen die Weibchen überwiegen, nährt sich von Baumfrüchten, Insektenlarven etc. und plündert auch Maisfelder. In der Gefangenschaft werden jung eingefangene Tiere sehr zahm und pflanzen sich auch fort. S. Tafel "Affen III".

Roloff, Friedrich, Lehrer der Tierheilkunde, geb. 19. Mai 1830 zu Badersleben bei Halberstadt, studierte auf der königlichen Tierarzneischule in Berlin, praktizierte in den Provinzen Sachsen und Westfalen, wurde 1862 Repetitor an der Tierarzneischule in Berlin, 1866 Professor in Halle, 1873 Departementstierarzt für den Regierungsbezirk Merseburg. 1876 wurde er zum Mitglied des kaiserlichen Gesundheitsamtes ernannt, siedelte 1877 nach Berlin über, wo er gleichzeitig ordentliches Mitglied der preußischen technischen Deputation für das Veterinärwesen wurde und an der Tierarzneischule über spezielle Pathologie las. 1878 wurde er zum Direktor der Tierarzneischule ernannt, blieb indessen Mitglied des Gesundheitsamtes. Er starb 22. Dez. 1885. Roloffs wissenschaftliche Arbeiten beziehen sich vorzugsweise auf die Seuchen der Haustiere und auf die Krankheiten der jungen Tiere, welche auf Vererbung oder unzweckmäßiger Ernährung beruhen. Er schrieb: "Die Rinderpest" (2. Aufl., Halle 1877); "Beurteilungslehre