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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rom

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Rom (antike Stadt: hervorragende Bauwerke).

der Gegend zwischen dem Palatin und dem Kapitol bis an das Forum boarium und oliorium umfassend. 9) Circus Flaminius, die Region des Marsfeldes (s. oben). 10) Palatium, die Region des Palatinus (s. oben). 11) Circus maximus enthielt den angeblich unter den Tarquiniern bereits angelegten, von Cäsar erweiterten und zu wiederholten Malen restaurierten Hauptzirkus Roms für 150,000 Zuschauer, in der Niederung zwischen dem Palatin und Aventin, nebst der nächsten Umgebung an den Abgängen des Aventin, am Velabrum und Forum boarium. Hier lagen die Tempel des Merkur, der Flora, Luna, Ceres und des Herkules. 12) Piscina publica (nach einem alten Badeteich genannt), zwischen dem Circus maximus und der Porta Ostiensis gelegen und von Caracalla mit den noch in großartigen Trümmern erhaltenen Thermen des Caracalla, auch Thermae Antoninianae genannt (s. Tafel "Baukunst VI", Fig. 11), geziert. An der Porta Ostiensis selbst war eine Reihe von Grabmonumenten errichtet, unter denen die Pyramide des Cestius in die Aurelianische Mauer als Stützpunkt aufgenommen und so erhalten ward. 13) Aventinus, dieser Hügel selbst und die Vorstadt zwischen dem Aventin und Tiber. Zwischen der Via Ostiensis und dem Strom liegt hier jener Scherbenhügel (Monte Testaccio), dessen Entstehung bis jetzt noch nicht ganz klar ist. Unter dem Aventin vor der Porta Trigemina befand sich das sehr belebte Emporium, wo die von Ostia heraufgebrachten Waren aufgestapelt wurden, daher die vielen Hallen und Magazine für Salz, Holz, Korn, Baumaterial etc. 14) Trans Tiberim, die Gegend jenseit des Stroms (jetzt Trastevere), umfaßte das Janiculum, ursprünglich Brückenkopf des Pons sublicius und Grenzkastell zur Abwehr von Einfällen von Etrurien her, den Mons Vaticanus mit den darunter längs des Flusses sich hinstreckenden Abhängen und die Tiberinsel. Die Region enthielt wenig hervorragende Gebäude, aber viel Parkanlagen. Am Strom selbst lagen zwei Naumachien, die eine, von Augustus angelegt, unter dem Janiculum in den Gärten Cäsars, die andre, von Domitian hergerichtet, unter dem Vatikan. Gleich jenseit des Pons Aelius (Engelsbrücke) lag die gewaltige Moles oder das Mausoleum Hadriani (s. Tafel "Baukunst VI", Fig. 8-10), welches die Gräber aller Kaiser und deren Familienmitglieder von dem Gründer bis auf Commodus, wenn nicht bis Caracalla enthielt, seit Honorius aber die Hauptfeste der Stadt bildete (die jetzige Engelsburg). Westlich davon lag der Neronische Zirkus. Hier ward auf dem vom Blute der Märtyrer geheiligten Boden unter Konstantin d. Gr. die Basilica Sancti Petri erbaut, welche mit der Zeit das erste Heiligtum des christlichen R. ward.

Große Sorgfalt ward auf die Versorgung der Stadt mit Wasser verwendet. Die erste Wasserleitung (s. Aquädukt) war die des Appius Claudius (312 v. Chr.); dann folgten der Anio vetus (273), die Aqua Marcia (144) u. a. Die erste Wasserleitung jenseit des Flusses legte Augustus an, die Aqua Alsietina, zu welcher unter Trajan die für diesen Stadtteil noch wichtigere Aqua Trajana hinzukam (jetzt Acqua Paola). Diesseit des Tiber legte Agrippa noch die Aqua Julia (33) und die Aqua Virgo (20), Caligula und Claudius die Aqua Claudia (s. Tafel "Baukunst VI", Fig. 3) und den Anio novus an, die riesenhaftesten Werke dieser Art. Später kamen die Aqua Severiana, Antoniniana und Alexandrina hinzu. Im engsten Zusammenhang mit den Aquädukten standen die Fontes, Lacus, Nymphaea, Piscinae, Balnea und Thermae der Stadt, Anlagen, deren große Zahl und schöne Ausstattung, zum Teil auch kolossale Ausdehnung dem alten R. ein eigentümliches Ansehen verliehen. Naturquellen (fontes) waren in ziemlicher Anzahl vorhanden und wurden sorgsamst überwacht. Die Lacus waren große, mit Bildwerken verzierte und danach benannte Wasserbassins, zum Teil mit Springbrunnen (salientes). Hierzu kamen die Nymphaea, große, kuppelförmige, prächtig ausgestattete Quellengebäude, deren die Regionen im ganzen 15 zählen. Die Piscinae waren offene oder bedeckte Teiche zum Schwimmen, die Balnea Badeanstalten, deren die Regionen im ganzen 856 zählen. Die Thermae waren nicht bloße Badeanstalten, sondern vielmehr Orte, wo gymnastische Übungen, gesellschaftliche Unterhaltungen stattfanden und auch mancherlei Kunstgenüsse geboten wurden, weshalb sie zahlreiche und verschiedenartige Räumlichkeiten in sich schlossen und zuletzt so weitläufige und komplizierte Anlagen wurden, wie sie uns die Thermen Caracallas und Diokletians wenigstens in Trümmern noch vor Augen führen. Die Säuberung der Stadt von Unrat und abfließendem Wasser ward bewirkt durch die Kloaken, großartige, zur Zeit der Könige schon begonnene, in der republikanischen und der Kaiserzeit erweiterte und öfters restaurierte Werke; sie standen unter einer besondern Behörde, die seit Trajan mit der Strompolizei vereinigt wurde. Hier mögen auch genannt werden die öffentlichen Bedürfnisanstalten (latrinae), deren das Regionsverzeichnis 144 zählt, und die Bordelle (lupanaria), deren es 46 anführt. Als öffentliche Anstalten für Unterhaltung, Zerstreuung und Bildung bestanden Theater, Amphitheater, Zirkusse u. Stadien, Bibliotheken u. dgl. Die Theater dienten zur Aufführung szenischer Spiele und wurden geraume Zeit nur von Holz aufgerichtet und, obwohl manchmal mit verschwenderischer Pracht ausgestattet, nach geschehener Benutzung wieder abgebrochen. An die Stelle dieser traten dann die stehenden, von Stein und zum Teil im großartigsten Stil ausgeführten Theater des Pompejus (55), des Cornelius Balbus (12) und das von Augustus dem Andenken seines früh verstorbenen Neffen geweihte Theater des Marcellus (12), alle drei auf dem Marsfeld. Das Theater des Pompejus soll 17,580, das des Balbus 11,600 und das des Marcellus 20,500 Sitzplätze gehabt haben. Nero und Domitian führten auch regelmäßige Wettkämpfe in der Musik, Poesie und Beredsamkeit ein, für welche letzterer das Odeum erbaute mit 10,800 Plätzen. Die Amphitheater für Gladiatorenspiele, Tierkämpfe und Schauspiele, bei denen ein komplizierter Mechanismus gebraucht wurde, datieren als besondere und stehende Gebäude gleichfalls erst aus der Kaiserzeit. Gajus Scribonius Curio und nach ihm Cäsar errichtete das erste eigentliche Amphitheater, aber noch von Holz; dann entstand das Amphitheater des Statilius Taurus (29) und, da dieses bald nicht mehr ausreichte, das Amphitheatrum Flavium (s. Kolosseum). Die Circi waren die ältesten der in Rede stehenden Anstalten, denn die circensischen Spiele waren die ersten volkstümlichen und so beliebt, daß es zuletzt der Rennbahnen und der damit verwandten Anstalten in R. eine beträchtllich ^[richtig: beträchtliche] Menge gab (s. Circus). Öffentliche Bildungsanstalten waren die Bibliotheken, deren die Regionen 28 zählen. Die erste derselben war die im Atrium Libertatis von Asinius Pollio begründete, andre die von Augustus angelegte palatinische, die in der Porticus Octaviae und die des Vespasianus im Templum Pacis; ferner die Bibliotheca Ulpia