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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rose; Rose (die rote und die weiße R.); Rose von Jericho; Rose von Saros

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Rose von Jericho - Rose ("die rote und die weiße R.").

Rosenkranz umwunden. Nero vergeudete bei einem Gastmahl für 600,000 Mk. Rosen, und bei den Sybariten war ein Lager von Rosenblättern sehr gebräuchlich. In der Kosmetik, als Arzneimittel und Küchengewürz wurden gleichfalls Rosen sehr allgemein benutzt, und Rosengärten von großer Ausdehnung fanden sich in der Nähe der Städte. Um aber auch im Winter Rosen zu haben, züchtete man sie unter Glas oder bezog sie aus dem wärmern Ägypten. Wie in Griechenland, war auch in Italien die R. eine Blume der Gräber. Im Christentum ließen die mystischen Schwärmereien über das rosenfarbene Blut Christi bald Blut und R. in Wechselbeziehung treten, R. und Rosenkranz wurden Symbole des Martyriums, und dann erschien die R. geradezu als Todesbotin. Die Anlehnung des Christentums an das Heidentum und die Aufnahme der alten Kulte im neuen Gewand führte zum Mariendienst, alle Attribute und selbst einzelne Mythen von der Aphrodite gingen auf die Jungfrau über (Maria im Rosenhag). Während aber die ältesten Mariengleichnisse nur die Schönheit der R. im Auge hatten, macht sich später die Allegorie breit, und man dichtet der R. zahlreiche Eigenschaften an, besonders auch medizinische. In vielen Legenden wird die R. Veranlassung zur Gründung einer Kirche oder Kapelle (Rosenstock am Dom zu Hildesheim), in andern wird sie als Liebeszeichen vom Himmel zur Erde gesandt oder umgekehrt. Der Rosenkranz der Katholiken ist buddhistischen Ursprungs, kam im 12. Jahrh. in allgemeinen Gebrauch, hat seinen Namen aber nur durch einen Übersetzungsfehler erhalten und ursprünglich mit der R. nichts zu thun. Seit dem Mittelalter weiht der Papst am Sonntag Lätare eine goldene R., indem er sie in heiliges Öl taucht, mit Moschus bestreut und den Segen darüber spricht, und mit dieser geweihten R. werden besonders geliebte Kinder der Kirche beglückt. Auch in der kirchlichen Ornamentik wurde die R. vielfach verwendet, teils nur als Zierde, teils mit entschieden mystischer Bedeutung, wie in den Katakomben. Die alten Germanen hielten zur Zeit der Frühlingsfeier große Versammlungen auf Plätzen, welche von Rosenhecken umgeben waren. Diese Rosengärten stehen vielleicht noch in Beziehung zu den persischen Rosengärten, an welche sich ebenfalls die besonders durch Rosen geschmückten Frühlingsfeste knüpften. Eine Vorstellung, wenigstens von einer Form der germanischen Frühlingsfeier, gibt das Rosengartenlied, wenn auch in andrer Bedeutung. Sehr früh findet sich auch bei den Germanen eine Verknüpfung der R. mit der Liebe, und selbst über den Tod hinaus vereint die R. die Liebenden. Man pflanzte sie auf Gräbern von Jungfrauen und Jünglingen, und besonders die rankende R. war hier beliebt. Ganz allgemein diente die R. als sinniger Schmuck bei ernsten und heitern Gelegenheiten; sie trat als Wappenblume auf (York und Lancaster) und erschien häufig auch auf Münzen. Als Bauhüttensymbol gewann die R. besondere Bedeutung; sie findet sich an vielen mittelalterlichen Bauwerken (Ruprechtsbau des Heidelberger Schlosses, Alhambra etc.) und hat sich als Symbol bei den Freimaurern bis jetzt erhalten. Bei allen diesen Beziehungen der R. konnte es nicht ausbleiben, daß sie vom Aberglauben reichlich ausgenutzt wurde; altgermanische, griechische, römische und christliche Elemente verschlingen sich in der mannigfachsten Weise, und sehr oft ist es unmöglich, den Ursprung der Sagen nachzuweisen. Auch in der Medizin und in der Küche fand die R. vielfache Verwendung, doch hat der Luxus die Blume bei uns nie in dem Maß erniedrigt wie bei den alten Römern. Als Zierpflanze fand sich die R. auch in den kleinsten Gärten; Kaspar Bauhin unterschied schon 19 wilde und 17 zahme Rosen, während Linné im ganzen nur 10 Arten anerkannte. Die Neuzeit vermehrte dies Material sehr schnell, neue Rosen wurden eingeführt und viele Formen gezüchtet. Die R. wurde ganz speziell Lieblingsblume, und viele Gärten gelangten nur durch ihre Rosen zu großer Berühmtheit. In Frankreich erreichte die Rosenkultur durch die Kaiserin Josephine ihre höchste Entwickelung, in England durch Privatpersonen, besonders in der Grafschaft Hertford. In Deutschland war die Rosensammlung des kurfürstlichen Gartens in Kassel berühmt, auch die Rosenau bei Koburg und die Pfaueninsel bei Potsdam leisteten Bedeutendes; außerdem aber haben viele Handelsgärtnereien die Rosenzucht als Spezialität gepflegt. Frankreich und Belgien züchten gegenwärtig die meisten neuen Sorten, aber an den englischen und deutschen Rosen rühmt man den kräftigen Wuchs und die schönere Entwickelung. Man verkauft auf dem Pariser Blumenmarkt jährlich wenigstens 100,000 Rosenstöcke, 150,000 nicht gepfropfte und zur Ausfuhr durchschnittlich 800,000 gepfropfte.

Vgl. Lindley, Rosarum monographia (Lond. 1820); Wallroth, Rosae generis historia succincta (Nordh. 1828); Déséglise, Classification of the species of Rosa (Huddersfield 1865); Derselbe, Catalogue des espèces du genre rosier (Genf 1877); Dumortier, Roses belges (Gent 1867); Döll, Der Rosengarten (Leipz. 1855); Jamain, Les roses (Par. 1872); Regel, Tentamen rosarum monographiae (Petersb. 1878); Lebl, Illustrierter Rosengarten (Stuttg. 1875-76); Nietner, Die R., ihre Geschichte, Arten, Kultur etc. (Berl. 1880); F. Schneider, Rangliste der edelsten Rosen (3. Aufl., das. 1883); Derselbe, Rosenjahrbuch (das. 1883); Singer, Dictionnaire des roses (Brüss. 1885, 2 Bde.); kleinere Schriften über Rosenzucht von Wesselhöft ("Rosenfreund", 5. Aufl., Weim. 1881; "Kultur der Rosen in Töpfen", das. 1887), Petzold (2. Aufl., Dresd. 1876), Öhlkers (2. Aufl., Hannov. 1884), Keller (Halle 1885); Redouté (Maler), Les roses (3. Aufl., Par. 1828-30); Derselbe, Le bouquet royal (das. 1843); de Chesnel, Histoire de la rose (das. 1820); Schleiden, Die R., Geschichte und Symbolik (Leipz. 1873).

Rose von Jericho, die wegen ihrer Eigenschaft, beim Absterben in ein bräunliches Knäuel sich zusammenzurollen, in Wasser aber sich wieder zu entfalten, berühmt gewordene Anastatica hierochontica (s. Anastatica). Dieselbe Eigenschaft besitzen Asteriscus pygmaeus, Selaginella lepidophylla und S. involvens in Peru und Mexiko, welche man dort wie die echte R. benutzt. Als solche (everlasting rose, Rose von Kandia) kommt ferner auch die Fruchtkapsel von Mesembryanthemum Tripolium vor, welche trocken etwa einer Eichel in einem braunwolligen Näpfchen gleicht, in lauwarmem Wasser aber sich zu einem prachtvollen Stern gestaltet und früher zu abergläubischen Zwecken benutzt wurde.

Rose von Saros, s. v. w. Anemone coronaria.

Rose, der rote, warzige Fleck an den Augen der Rebhühner und Waldhühner, welcher einen besondern Farbstoff enthält; auch der untere kranzförmige, geperlte Ring an den Geweihen der Hirsche und den Gehörnen der Rehböcke (s. Geweih). - In der Juwelierkunst s. v. w. Rosette (s. d.).

Rose (die rote und die weiße R.), das von den betreffenden Feldzeichen hergenommene Unterscheidungszeichen der Häuser Lancaster (rote) und York