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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rose; Rosé; Roseau; Rosebery

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Rose (Krankheit) - Rosebery.

(weiße), die sich von 1451 bis 1485 bekämpften; s. Großbritannien, S. 795 f.

Rose (Rotlauf, Hautrose, Erysipelas), eine flächenhaft ausgebreitete Hautentzündung, welche sich durch ihre Rosenröte, durch Schwellung und Schmerzhaftigkeit, durch ihr Fortkriechen oft über große Körperflächen auszeichnet und meist mit Fieber verbunden ist. Kein Körperteil ist verschont von der R., doch tritt sie vorzugsweise am Kopf und Gesicht auf. Im gewöhnlichen Verlauf steigert sich die Entzündung und das Fieber etwa 8-14 Tage lang, dann schwillt der kranke Teil ab, das Allgemeinbefinden bessert sich, und nach einer Abschuppung kehrt völlige Heilung ein. Die R. ist ein häufig vorkommendes Leiden, an welches sich zahlreiche abergläubische Vorstellungen knüpfen; sie ist ein sichtbares Feld für die Wirksamkeit der sogen. klugen Frauen, Schäfer und andrer Heilkünstler, deren Maßregeln, z. B. dem Besprechen, der meist regelmäßige und typische Ablauf so weit zu Hilfe kommt, daß sich auch von Laien der Tag der Besserung ziemlich sicher voraussagen läßt. Nach den Forschungen der neuern Zeit ist man sicher, daß in allen Fällen, zumal bei der Wundrose (Erysipelas traumaticum), durch kleine Hautrisse pflanzliche Keime (Bakterien) in die Lederhaut geraten und durch ihr Wachstum die genannte Entzündung, durch ihre Aufnahme ins Blut das Fieber bedingen, womit also die R. als Infektionskrankheit gekennzeichnet ist. Beim Tiefergreifen der Pilzwucherung entsteht das E. bullosum, in höhern Graden sogar Eiterung; man sieht jeden Grad der Entzündung (Pseudoerysipelas) bis zum Brand sich entwickeln (E. gangraenosum), wie bei größern Wunden sich eine fortlaufende Staffel vom leichtesten Wundfieber zum schwersten Hospitalbrand verfolgen läßt. Höchst wahrscheinlich handelt es sich dabei aber um eine Mischinfektion mit den Mikrokokken der R. und andern Bakterienarten. Eine Behandlung der R. richtet sich, sofern nachweisbare Verletzungen vorliegen, auf die sorgfältigste Wundbehandlung. Zum zweiten ist hier wie bei allen ansteckenden Krankheiten gute Luft, kühle Bedeckung und der ganze Apparat der antifebrilen Mittel, Säuren, kalte Bäder etc., trotz aller Vorurteile dringend angezeigt. Drittens ist örtlich die Schmerzhaftigkeit mit Auflegen von Eisbeuteln zu bekämpfen, da ein zuverlässiges Mittel, die Ausbreitung der Bakterien zu verhindern, noch nicht gefunden ist. Die besten Erfolge sieht man von zahlreichen Einstichen mit einem schmalen, scharfen Messer, welche in einer gewissen Entfernung von der roten Schwellung im Gesunden vorgenommen werden und nicht selten das Fortschreiten der Entzündung hindern. Sobald Eiterung oder Brand beginnt, müssen lange Einschnitte gemacht werden, kurz es treten dann alle Mittel der chirurgischen Behandlung ein, die nicht so selten in der Amputation ganzer Glieder ihren Abschluß findet. Vgl. Tillmanns, Erysipelas (Stuttg. 1880). - Mailändische R., s. v. w. Pellagra.

Rose, 1) Valentin, der ältere, geb. 16. Aug. 1736 zu Neuruppin, stellte zuerst die nach ihm benannte leichtflüssige Metalllegierung dar; starb 28. April 1771 als Apotheker und Assessor des Medizinalkollegiums in Berlin.

2) Valentin, der jüngere, Sohn des vorigen, geb. 31. Okt. 1762, übernahm 1792 die väterliche Apotheke, ward 1797 Assessor des Medizinalkollegiums und starb 9. Aug. 1807 in Berlin. Er zerlegte zuerst alkalihaltige Silikate durch salpetersaure Baryterde, erfand eine Methode zur Nachweisung des Arseniks und machte sich auch um die Ausbildung der Pharmazie verdient. Er gab mit Gehlen das "Neue Berliner Jahrbuch für Pharmazie" (Berl. 1803-1806, 4 Bde.) heraus.

3) Heinrich, Sohn des vorigen, geb. 6. Aug. 1795 zu Berlin, erlernte in Danzig und Mitau die Pharmazie, studierte in Berlin, 1819-21 in Stockholm bei Berzelius, dann in Kiel Chemie, habilitierte sich 1822 in Berlin, wurde daselbst 1823 außerordentlicher und 1835 ordentlicher Professor der Chemie und starb daselbst 27. Jan. 1864. R. war einer der größten Analytiker der neuern Zeit und hat namentlich auf dem Gebiet der anorganischen Chemie, auch durch Bearbeitung der selten vorkommenden Elemente und ihrer Verbindungen Epochemachendes geleistet. Als Lehrer wirkte er höchst anregend. Sein Hauptwerk ist das "Ausführliche Handbuch der analytischen Chemie" (Braunschw. 1851, 2 Bde.; 6. Aufl. als "Traité complet de chimie analytique", Par. 1859-61, 2 Bde.), welches in fast alle europäischen Sprachen übersetzt ward (deutsch, Leipz. 1864-71, 2 Bde.). Vgl. Rammelsberg, H. Rose (Berl. 1866).

4) Gustav, Bruder des vorigen, geb. 18. März 1798 zu Berlin, nahm 1815 am Freiheitskrieg teil, widmete sich 1816 zu Königshütte bei Tarnowitz in Schlesien dem Bergfach, studierte darauf zu Berlin Mineralogie, Geologie und Chemie, arbeitete 1821 in Berzelius' Laboratorium zu Stockholm, ward 1822 Kustos der Mineraliensammlung der Universität zu Berlin, bereiste Frankreich und Großbritannien und ward 1826 zum außerordentlichen Professor der Mineralogie ernannt. 1829 begleitete er A. v. Humboldt auf seiner Reise nach Sibirien. 1839 ward er ordentlicher Professor, 1856 auch Direktor des mineralogischen Museums. 1850 unternahm er mit Mitscherlich eine geologische Reise nach dem Vesuv, Ätna und den Liparischen Inseln und 1852 nach den ausgebrannten Vulkanen des südlichen Frankreich. Seit 1856 widmete er seine Ferienzeit hauptsächlich der geognostischen Untersuchung des Riesengebirges. Er starb 15. Juli 1873 in Berlin. R. lieferte zahlreiche Monographien einzelner Mineralspezies und stellte ein kristallochemisches Mineralsystem auf, welches die Mineralien zunächst nach den Kristallsystemen, innerhalb derselben aber nach Elementen, binären, ternären etc. Verbindungen anordnet. Er schrieb: "Elemente der Kristallographie" (Berl. 1833, 3. Aufl. 1873; Bd. 2 von Sadebeck, 1876); den mineralogisch-geognostischen Teil der "Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meer" (mit Humboldt und Ehrenberg, das. 1837-42, 2 Bde.); "Über das Kristallisationssystem des Quarzes" (das. 1846); "Das kristallochemische Mineralsystem" (Leipz. 1852); "Beschreibung und Einteilung der Meteoriten" (Berl. 1864); "Über die Kristallisation der Diamanten" (das. 1876).

Rosé, s. Geraniumöl u. Champagnerweine.

Roseau (spr. -so), Hauptstadt von Dominica (s. d.).

Rosebery, Archibald Philip Primrose, Graf, engl. Politiker, geb. 1847 zu London, Sohn Lord Dalmenys, erhielt seine Bildung in Eton und Oxford, erlangte, nachdem sein Vater früh gestorben, durch den Tod seines Großvaters schon 1868 die Peerswürde, bekam durch die Heirat mit Hannah v. Rothschild ein großes Vermögen, war 1878-79 Lord-Rektor der Universität Aberdeen und wurde 1881 von Gladstone, der ihm den Wahlerfolg der Liberalen 1880 zum Teil verdankte, zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern ernannt. Nachdem er dies Amt 1883 niedergelegt, ward er im Februar 1886 im neuen Gladstoneschen Ministerium zum Minister des