Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Roßberg; Roßbreiten; Roßbrunn; Roßdorf; Rosse; Rößel; Rosselli; Rossellino; Rösselsprung; Rossert; Rossetti

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Roßberg - Rossetti.

abdrücke des Catull (Leipz. 1854, 2. Aufl. 1860) und Tibull (das. 1854).

Roßberg, voralpiner Berg der Schwyzer Alpen, im Wildspitz 1583 m hoch, berüchtigt durch den Goldauer Bergsturz vom 2. Sept. 1806 (s. Goldau).

Roßberg, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Beuthen, hat Maschinenfabrikation, die Gasanstalt für Beuthen, Bergbau auf Steinkohlen und Bleierz und (1885) 4933 meist kath. Einwohner.

Roßbreiten, die Kalmen der Wendekreise, entstehen durch Herabsenken des Äquatorialstroms, der dann mit dem Polarstrom sich aufstaut. Diese Windstillen nehmen einen Gürtel von 10-12 Breitengraden ein, rücken mit der Sonne nach N. und S. und sind oft von langer Dauer. Der Name soll von den Pferdetransporten herrühren, die hier oft so lange aufgehalten wurden, daß Futtermangel eintrat und die Tiere über Bord geworfen werden mußten.

Roßbrunn, Dorf im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, unfern Würzburg, bildete nebst dem benachbarten Üttingen 26. Juli 1866 den Schauplatz eines blutigen Gefechts zwischen den Bayern und zwei Divisionen der preußischen Mainarmee, welches mit dem Zurückweichen der Bayern auf Waldbüttelbrunn endete. Am Nachmittag entspann sich zwischen der preußischen Reiterei und der bayrischen Kavallerie das Gefecht bei den Hettstädter Höfen, welches mit dem Zurückweichen der Preußen endete.

Roßdorf, Flecken im sachsen-meining. Kreis Meiningen, hat eine evang. Kirche, 2 Schlösser nebst Park und (1885) 858 Einw. Südlich dabei der Nebelberg, wo 4. Juli 1866 ein heftiges Gefecht zwischen Preußen und Bayern stattfand, an das ein Denkmal auf dem Kirchhof erinnert. R. wird schon im 8. Jahrh. genannt und gehörte zur Grafschaft Henneberg. Hier wurde der Schriftsteller Ernst Wagner geboren.

Rosse (Rossigsein), die Äußerung des Geschlechtstriebs bei den Stuten.

Rosse (spr. roß), William Parsons, Graf von, Optiker und Astronom, geb. 17. Juni 1800 auf Schloß Birr bei Parsonstown, King's County in Irland, führte bis zum Tod seines Vaters (1841) den Titel Lord Oxmanstown. Nachdem er seine Studien in Dublin und Oxford absolviert hatte, saß er 1821-1824 im Unterhaus und ward später Lord-Lieutenant von King's County. 1826 errichtete er auf seinem Landsitz Parsonstown ein Observatorium und wandte seine besondere Aufmerksamkeit der Verbesserung der Teleskope zu. Nachdem er einen großen Objektivspiegel zu stande gebracht, stellte er (1844) mit einem Kostenaufwand von 12,000 Pfd. Sterl. ein Riesenteleskop her, das etwa die 500fache Kraft des unbewaffneten Auges besitzt, und wies mittels desselben die Auflösbarkeit der Nebelflecke in Sterne nach. Auch durch seine Bemühungen um Linderung des Elends der niedern Volksklassen in Irland hat er sich verdient gemacht. Er veröffentlichte "Letters on the state of Ireland" (Lond. 1847) und dann eine zweite, gegen Brights Ideen, welche ihm als kommunistische erschienen, gerichtete Schrift: "A few words on the relation of landlord and tenant in Ireland" (das. 1866). 1849 ward er zum Präsidenten der Royal Society in London erwählt. Er starb 1. Nov. 1867 in Monkstown. - Sein Sohn Lawrence Parsons, geb. 17. Nov. 1840, läßt durch junge Astronomen das Gebiet der Nebelflecke etc. erforschen und ermittelte 1873 die Wärmestrahlung des Mondes.

Rößel, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis R. (Landratsamt in Bischofsburg), am Zainfluß, hat eine evangelische und eine schöne kath. Kirche, ein altes Schloß, ein Gymnasium, eine Taubstummenanstalt, ein Amtsgericht, Fabrikation von Webkämmen und landwirtschaftlichen Maschinen, Eisengießerei, eine Wasser- und eine Dampfmahlmühle und (1885) 3571 meist kath. Einwohner.

Rosselli, Cosimo, ital. Maler, geb. 1439 zu Florenz, war Schüler des Neri di Bicci daselbst, bildete sich unter dem Einfluß des Benozzo Gozzoli und malte Altarbilder und Fresken in realistischem Charakter. Seine Hauptwerke sind Maria in der Herrlichkeit mit Heiligen (Berliner Museum) und die Krönung Mariä (Santa Maria Maddalena dei Pazzi zu Florenz). Er starb 7. Jan. 1507 in Florenz.

Rossellino, 1) Bernardo, ital. Architekt und Bildhauer, geb. 1409, war thätig zu Florenz und besonders in Pienza, wo er für Papst Pius II. eine Kirche, eine Bischofswohnung und drei Paläste im Stil der Frührenaissance ausführte. Auch Grabdenkmäler für Kirchen hat er geschaffen. Er starb 1464.

2) Antonio, Bruder und Schüler des vorigen, Architekt und Bildhauer, geb. 1427, war meist in Florenz thätig und hat ebenfalls vorzugsweise marmorne Grabmäler von reichem Aufbau und Skulpturenschmuck geschaffen. Seine Hauptwerke sind: das Grabmal des Kardinals Johann von Portugal (Florenz, San Miniato), Altar der Kapelle Piccolomini (Montoliveto bei Neapel), heil. Sebastian (Empoli). Er starb nach 1478.

Rösselsprung, im Schachspiel s. v. w. Springerzug; danach eine Art Rätsel, wobei ein Gedicht, Spruch etc. nach seinen einzelnen Wörtern oder Silben oder sogar Buchstaben in der Weise des Springerzugs über die 64 Felder eines Schachbretts verteilt ist.

Rossert, Berg auf der Südseite des Taunus, nördlich von Eppstein, 516 m ü. M., hat auf seinem aussichtsreichen Gipfel eine mächtige Felsengruppe, das Teufelsschloß, und eine Schutzhütte.

Rossetti, 1) Gabriele, ital. Dichter und Gelehrter, geb. 1. März 1783 zu Vasto im Neapolitanischen, kam 1804 nach Neapel, wo er die zuerst ergriffene Malerkunst mit der Poesie vertauschte und eine Stellung als Konservator am königlichen Museum erhielt. Die Revolution von 1820 fand in ihm ihren Tyrtäos; seine herrliche Hymne auf den großen Tag des 9. Juli ("Sei pur bella con gli astri sul crine") wurde vom ganzen süditalienischen Volk gesungen. Nach eingetretener Reaktion verbarg er sich auf einem englischen Schiff in der Verkleidung eines englischen Leutnants. Die Erfahrungen der Epoche entflammten seine geharnischte Muse zu originellen Gesängen von außerordentlicher Energie. 1822 ging er nach Malta, 1824 nach London, wo er seinen bleibenden Wohnsitz aufschlug und einen großen Kommentar zu Dantes "Divina Commedia" (1826-27, 2 Bde.) schrieb. Sein hauptsächlichstes Bemühen, die papstfeindlichen und reformatorischen Tendenzen Dantes nachzuweisen und die Bestrebungen des Jungen Italien mit den Grundgedanken des großen Florentiners zu identifizieren, fand damals jedoch lebhaften Widerspruch, der ihm die Fortsetzung des Kommentars verleidete. Zu seiner Rechtfertigung schrieb er noch: "Sullo spirito antipapale" (1830). Er wurde 1831 zum Professor der italienischen Sprache und Litteratur am King's College ernannt und veröffentlichte in der Folge noch, außer Gedichten: "Il mistero dell' amore platonico svelato" (1840, 3 Bde.) und "La Beatrice di Dante" (1852, 3 Bde.). Daß er bei aller Heftigkeit, mit welcher er die weltliche Herrschaft des Papstes angriff, ein mildes, ja religiöses Gemüt besaß, zeigen seine Dichtungen: "Iddio e