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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rossi; Rossiény; Rossigsein; Rossini

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Rossi - Rossini.

nischen einer der größten Meister der Bühne. Als dramatischer Schriftsteller verfaßte er mehrere Stücke, darunter "Adele" (für die Ristori). Außerdem veröffentlichte er: "Studii dramatici" (Flor. 1885; deutsch: "Shakespeare-Studien", Leipz. 1885) u. seine Selbstbiographie "Quarant' anni di vita artistica" (Mail. 1887-88, 2 Bde.).

2) Henriette, Gräfin, Sängerin, s. Sontag.

3) Odoardo und Gian Battista de, s. De Rossi.

Rossi, bei naturwissenschaftl. Namen für Peter Rossi, starb zu Anfang dieses Jahrhunderts in Pisa als Arzt und Professor (Faunist, Entomolog).

Rossiény (lit. Rosejnej), Kreisstadt im russ. Gouvernement Kowno, am Flüßchen Rossienka, hat 3 orthodoxe, 2 katholische und eine evang. Kirche, 2 öffentliche Bibliotheken, bedeutenden Handel mit Preußen und (1885) 11,512 Einw. (2/3 Juden). In der Nähe alte Befestigungen und Grabhügel. R. war ehemals Hauptstadt von Samogitien. In deutschen Chroniken kommt es als Rossigen, Ruschigen und Rasseyne vor.

Rossigsein, s. Rosse.

Rossini, Gioacchimo ^[richtig: Gioacchino] Antonio, Komponist, geb. 29. Febr. 1792 zu Pesaro im Kirchenstaat als Sohn einer umherziehenden Musikerfamilie, machte seine ersten musikalischen Studien von 1804 an unter Leitung Teseis zu Bologna und erhielt später daselbst vom Pater Mattei gründlichen Unterricht im Kontrapunkt. Dem strengen Schulzwang sich zu unterwerfen, war indessen R. bei seiner ganzen musikalischen Organisation sowie bei seinem Drang, zu produzieren und namentlich als Opernkomponist aufzutreten, nicht geneigt; kaum im Besitz der notwendigen tonsetzerischen Fertigkeiten, entzog er sich daher der Unterweisung des gelehrten Paters, um sich auf eigne Hand fortzuhelfen, zunächst indem er Haydnsche und Mozartsche Symphonien und Quartette aus den Stimmen in Partitur setzte. Die ersten größern Kompositionsversuche bestanden in einer Kantate: "Il pianto d'armonia", einer Symphonie und mehreren Streichquartetten (1808 u. 1809). Sein erstes dramatische Werk, die 1810 für Venedig geschriebene einaktige komische Oper "La cambiale di matrimonio", hatte leidlichen Erfolg. Ihr folgten 1811: "L'equivoco stravagante" (für Bologna geschrieben) und "Demetrio e Polibio", die zu Rom aufgeführt wurde, und in welcher namentlich ein Quartett sehr ansprach. Der steigende Ruf seines Talents verschaffte R. bald eine ungewöhnliche Zahl von Bestellungen, welchen er immer in kurzer Zeit, freilich öfters nicht ohne Flüchtigkeit, zu entsprechen wußte. 1812 brachte er fünf Opern auf die Bühne, die, wenn auch nur teilweise erfolgreich, doch sämtlich die geniale Begabung ihres Autors unzweideutig bekundeten. Der eigentliche Ruhm Rossinis datiert indes erst von 1813, in welchem Jahr seine Oper "Tancredi" zu Venedig über die Bühne ging und ganz Italien in einen Rausch des Entzückens versetzte. In demselben Jahr brachte R. daselbst noch die komische Oper "L'Italiana in Algeri", die nicht minder gefiel, und 1814 in Mailand die Opern: "Aureliano in Palmira" und "Il Turco in Italia" (ein Seitenstück zur "Italienerin in Algier") ohne besondern Erfolg zur Aufführung, während die ernste Oper "Elisabetta", die er 1815 für den Impresario Barbaja in Neapel schrieb, wieder ungemeines Glück machte. Letzterer folgte 1816 in Rom die Oper "Torvaldo e Dorlisca", welche halb Fiasko machte, und dann sein berühmtestes Werk: "Il barbiere di Seviglia", in welchem R. an Melodienreichtum, sprudelndem Humor und dramatischer Schlagkraft sich selbst übertroffen hat, was freilich nicht hinderte, daß die Oper bei ihrem ersten Erscheinen ausgepfiffen wurde, weil man es dem Künstler als Anmaßung vorwarf, denselben Stoff komponiert zu haben, durch den sein Vorgänger Paisiello (s. d.) das römische Publikum für sich gewonnen hatte. Von den in den nächsten Jahren entstandene Opern sind als die vorzüglichsten und erfolgreichen zu nennen: "Otello" (Neap. 1816); die komische Oper "Cenerentola" ("Aschenbrödel", Rom 1817); "La gazza ladra" ("Die diebische Elster", Mail. 1817); "Mosè in Egitto" (Neap. 1818); "La donna del lago" (das. 1819); "Maometto II." (das. 1820); "Matilda di Ciabrano" (Rom 1821); "Zelmira" (Neap. 1822). Um diese Zeit befand sich R. auf dem Gipfelpunkt seines Ruhms und erregte, unterstützt von der aus den ersten Gesangsvirtuosen Italiens bestehenden, abwechselnd in Neapel, Mailand und Wien gastierenden Truppe des Barbaja, solchen Enthusiasmus, daß beispielsweise das Wiener Publikum selbst einen Beethoven und einen Weber über ihm vergessen konnte. Nachdem er im folgenden Jahr noch für Venedig seine "Semiramis" geschrieben, verließ er Italien und ging über London nach Paris, übernahm daselbst die Direktion der Italienischen Oper, die er zwei Jahre lang führte, und wurde dann zum Generalintendanten der königlichen Musik und "Generalinspektor des Gesangs in Frankreich" ernannt, zwei bloße Sinekuren, welche ihm jährlich 20,000 Frank Gehalt eintrugen. Indessen arbeitete er sowohl für die Italienische als für die Große Oper, indem er 1825 die Krönung Karls X. mit der Oper "Il viaggio a Reims" verherrlichte, 1826 seinen "Maometto" für die Große Oper umgearbeitet als "Le siége de Corinthe" auf die Bühne brachte, eine noch durchgreifendere Umarbeitung mit "Mosè" vornahm, der 1827 als "Moise en Égypte" mit großem Beifall aufgeführt wurde, und endlich 1829 sein reichstes und gediegenstes Werk, "Guillaume Tell", schuf. Mit letzterm beschloß R. fast 40 Jahre vor seinem Tode, trotz vollkommener geistiger und körperlicher Frische, seine Laufbahn als Opernkomponist und gab so der Welt ein in der Kunstgeschichte vielleicht einziges Schauspiel von Entsagung und Selbstbeschränkung. In der Folge veröffentlichte er nur noch ein "Stabat mater" (1842) und einzelne kleinere Kompositionen, darunter "Soirées musicales", eine Sammlung ein- und zweistimmiger Gesänge. Einen Prozeß wegen der infolge der Julirevolution ihm entzogenen Staatspension gewann er. Nachdem er darauf einige Jahre hindurch Mitunternehmer der Italienischen Oper in Paris gewesen, wandte er sich 1836 wieder nach Italien, wo er meist in Bologna lebte, kehrte aber 1855 nach Paris zurück. Er starb auf seinem Landsitz in Passy 13. Nov. 1868; sein Leichnam wurde 3. Mai 1887 im Panthéon zu Florenz beigesetzt. Um R., der von einer Seite ebenso maßlos vergöttert wie von andrer Seite verdammt worden ist, gerecht zu werden, muß man ihn aus seiner Zeit und seinem Volk heraus beurteilen; er ist durchaus Italiener und zwar nicht nur der vielseitigste, sondern zugleich der am reinsten nationale Komponist der neuern italienischen Oper; er betrachtete die Musik nicht von jenem idealen Standpunkt eines Händel, Gluck, Beethoven, sondern als eine Sache leichten, gefälligen Genusses. Das Gelingen seines Strebens, durch die Musik nur auf sinnlich angenehme Weise zu unterhalten, dankt er neben seiner genialen Begabung der Stimmung der Zeit, der sogen. Restaurationsepoche (1815-30), während welcher das von den vorangegangenen politi-^[folgende Seite]