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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rossitz - Roßmalve.

schen Kämpfen erschlaffte Europa nichts weiter beanspruchte als behaglichen Lebensgenuß. Daher wird mit Recht in der Geschichte der Musik R. neben Beethoven (freilich als dessen Antipode) als Hauptrepräsentant der drei ersten Dezennien des 19. Jahrh. betrachtet. Um gründliche tonkünstlerische Ausbildung war er, wie oben schon erwähnt, wenig bekümmert; auch Ausarbeiten und Durchbilden eines Werkes war seine Sache selten; er arbeitete meist nach einer geschickt entworfenen und glücklich auf den Effekt berechneten Schablone und scheute sich nicht, gewisse Gänge, Harmoniefolgen, Crescendos, Kadenzen etc. immer und immer wieder in gleicher Weise anzubringen. Aber bei aller Flüchtigkeit der Arbeit enthalten Rossinis Opern doch Stellen von unvergänglicher Frische und Schönheit. Seine Melodien wirken unwiderstehlich durch Anmut und sinnlichen Reiz. Dabei bekundet er den feinsten Sinn für Wohlklang, für abgerundete, überschauliche Formen und behandelt die menschliche Stimme wie auch die Instrumente mit Meisterschaft. Als sein eigenstes und vollendetstes, in allen Teilen harmonisch zusammenstimmendes Werk ist der "Barbier" zu bezeichnen; als sein reichstes und gediegenstes aber der "Tell", mit dem sich R. unerwarteterweise einer Richtung zuwandte, die der bis dahin von ihm verfolgten gegenüber klassisch zu nennen ist. Hier findet sich von allen Manieren, welche die frühern Opern Rossinis so scharf charakterisieren, wenig oder nichts, dagegen ungemeiner Formenreichtum, großartige Anlage des Ganzen und sorgfältigste Durchbildung des Einzelnen, kurz alle Eigenschaften, welche das Wesen der französischen großen Oper ausmachen, ein neuer Beweis für die schöpferische Kraft und geistige Elastizität des Künstlers. Seine wenigen Kirchenstücke ("Stabat mater", eine 1864 geschriebene, aber erst nach seinem Tod aufgeführt Messe etc.) sind als solche von keiner Bedeutung. Sein Leben beschrieben Beyle-Stendhal (Par. 1823, neue Ausg. 1854), Azevedo (das. 1865), Edwards (Lond. 1869, kürzer 1881), Montrond (3. Aufl., Par. 1887), Zanolini (Bologna 1875) und Sittard (Leipz. 1882).

Rossitz (Rosice), Marktflecken in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Brünn, an der Eisenbahn Brünn-Okrzisko, hat ein Schloß, eine schöne Kirche, bedeutenden Steinkohlenbergbau (Jahresförderung 2,7 Mill. metr. Ztr.), ein Eisenwerk, Zuckerfabrik, Dampfmühle und (1880) 3404 Einw.

Roßkäfer, s. Mistkäfer.

Roßkamm (Roßtäuscher), s. v. w. Pferdehändler.

Roßkastanĭenbaum (Aesculus L.), Gattung aus der Familie der Sapindaceen, Bäume mit gegenständigen, langgestielten, gefingerten Blättern, ansehnlichen, meist zwei- und dreifarbigen Blüten in aufrechten, straußähnlichen Rispen, klappig aufspringenden, lederartigen, stachligen oder glatten Kapseln und großen, rundlichen Samen mit ausgebreitetem Nabelfleck. Etwa 14 Arten im gemäßigten Nordamerika, in Mexiko, Neugranada, Persien, dem Himalaja und Hinterindien. Der echte R. (A. Hippocastanum L.), ein schöner, ziemlich rasch wachsender, 19-25 m hoher Baum mit fünf- bis siebenzählig gefingerten Blättern und weißen, rot und gelb gefleckten Blüten, heimisch in den Hochgebirgen von Nordgriechenland, Thessalien und Epirus, kam 1557 durch Busbeq ^[richtig: Busbecq] nach Konstantinopel und 1576 durch Ungnad nach Wien. 1565 beschrieb ihn Matthiolus als Castanea equina und bildete einen Fruchtzweig ab. Erst um 1616 gelangte der Baum von Konstantinopel nach Frankreich, von wo er sich dann über ganz Europa verbreitete. Man kultiviert ihn bei uns namentlich als Alleebaum; er liefert ein wenig geschätztes Holz, die Samen werden von Schafen, Schweinen, Pferden und vom Rindvieh gefressen, auch auf Stärkemehl, zu Wasch- und Schnupfmitteln verarbeitet. Die als Fiebermittel, auch zum Gerben empfohlene Rinde enthält außer Gerbstoff Äsculin (Schillerstoff) C30H34O19^[C_{30}H_{34}O_{19}], welches farb- und geruchlose Nadeln bildet, schwach bitter schmeckt, in Wasser und Alkohol, wenig in Äther löslich ist und auch noch in sehr schwacher Lösung stark fluoresziert. Die rot blühende Pavie (A. Pavia L.), ein Strauch aus dem westlichen Nordamerika, bei uns meist als kleiner Baum gezogen, mit nicht klebrigen Knospen, fünfzählig gefingerten Blättern, roten Blüten und glatten, nach der Basis zu verschmälerten, gleich den Blättern giftigen Früchten, enthält viel Saponin in der Wurzel, welche deshalb in Amerika als Waschmittel benutzt wird. Ein Blendling dieser Art mit der vorigen ist wahrscheinlich der rot blühende R. (A. carnea Willd.), welcher dem echten R. sehr ähnlich, aber von etwas schwächerm Wuchs ist, meist nur fünfzählig gefingerte Blätter besitzt und 2-3 Wochen später blüht. Die kalifornische Pavie (A. californica Nutt.), ein hoher Strauch mit fünfzählig gefingerten Blättern, großem, pyramidenförmigem Blütenstand, welcher dem des echten Roßkastanienbaums ähnlich ist, und kleinen, eßbaren Früchten, wächst in Kalifornien und wird bei uns als Zierstrauch kultiviert.

Roßkastanienlaubkäfer, s. Maikäfer.

Roßla, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Sangerhausen, und Hauptort der Grafschaft Stolberg-R., an der Helme und der Linie Halle-Münden der Preußischen Staatsbahn, hat ein gräfliches Residenzschloß, ein Amtsgericht, eine Zuckerfabrik, eine Dampfsägemühle, bedeutende Landwirtschaft und (1885) 2564 evang. Einwohner.

Roßlau, Stadt im Herzogtum Anhalt, Kreis Zerbst, rechts an der Elbe, Knotenpunkt der Linien Falkenberg-R. und Zerbst-Bitterfeld der Preußischen Staatsbahn, 56 m ü. M., hat eine schöne evang. Kirche, ein herzogliches Schloß, eine alte Burg, ein Amtsgericht, Eisengießerei, Maschinenbau, Fabrikation von Papier, Drahtgeweben, Siegellack, Strontian und Zitronensäure, eine Schiffswerfte, Zuckerraffinerie, 4 Ziegeleien und (1885) 6631 fast nur evang. Einwohner.

Rosslawl, Kreisstadt im russ. Gouvernement Smolensk, an der Bahnlinie Orel-Witebsk, hat 7 Kirchen und ein Kloster, (1885) 9725 Einw. und treibt Handel (über Riga) mit Getreide, Hanf, Häuten, Talg und Tabak. R. kam 1680 an Rußland.

Roßleben, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Querfurt, an der Unstrut und der Linie Naumburg-Artern der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Pfarrkirche, 2 Zuckerfabriken, eine Handelsmühle und (1885) 2195 Einw. Unmittelbar dabei liegt Kloster-R. mit einer Gelehrtenschule von ähnlicher Einrichtung wie die Fürstenschule zu Pforta. Die Anstalt wurde aus den eingezogenen Gütern eines vor 1142 gestifteten Augustiner-Frauenklosters von Heinrich v. Witzleben 1554 gegründet und später unter Mitwirkung der kursächsischen Regierung erweitert. Die jetzigen Gebäude stammen, nachdem die alten 1686 ein Raub der Flammen geworden, aus den 30er Jahren des 18. Jahrh. Vgl. Herold, Geschichte der Klosterschule R. (Halle 1854).

Roßlin, s. Roslyn.

Rossm., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für E. A. Roßmäßler (s. d.).

Roßmalve, s. Malva.