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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rostoptschin; Rostów; Rostpapier; Rostpendel; Rostpilze

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Rostoptschin - Rostpilze.

befinden sich in R. ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine höhere Bürgerschule, eine Navigationsschule, ein Handelsinstitut, ein Theater, eine Kunstsammlung etc.; ferner: ein Krankenhaus, 2 Hospitäler, eine Irrenanstalt, eine Hebammenschule, ein Jungfrauenkloster, ein Armen- und Arbeitshaus, eine Kaltwasserheilanstalt etc. Nach dem mit dem Großherzog Friedrich Franz 1788 geschlossenen Erbvergleich hat die Stadt eine eigentümliche, republikanisch organisierte innere Verfassung. Der Rat besteht aus 14, die repräsentierende Bürgerschaft aus 60 Mitgliedern. Auf dem Landtag bildet R. einen Stand für sich, und einer seiner Bürgermeister ist Mitglied des Direktoriums auf den Landtagen und Landeskonventen sowie des engern Ausschusses der Stände, welcher in R. seinen Sitz hat. Sonst ist die Stadt Sitz des permanenten Landeskonsistoriums, des obern Kirchengerichts, eines geistlichen Ministeriums (für die Stadt), eines Oberlandes- und eines Landgerichts, einer Landessteuerdirektion, eines Hauptzollamtes, einer Medizinalkommission etc. In der Nähe von R. liegen die Barnstorfer Anlagen, ein großer Park und besuchter Vergnügungsort, 12 km nördlich der Hafen von R., Warnemünde (s. d.). - Zum Landgerichtsbezirk R. gehören die neun Amtsgerichte zu Doberan, Gnoien, Kröpelin, Neubukow, Ribnitz, R., Schwaan, Sülze-Marlow und Tessin. - R. (Roztoc) erhielt im 11. Jahrh. vom Obotritenfürsten Gottschalk Stadtrechte, ward aber 1161 vom Dänenkönig Waldemar I. erobert und in Asche gelegt. Um 1170 durch den christlichen Obotritenfürsten Pribislaw II. wieder aufgebaut, erhielt es bald starke deutsche Bevölkerung und 1218 vom Herzog Borwin I. aufs neue Stadtgerechtigkeit. Nachdem die Stadt von 1229 bis 1314 der Sitz einer eignen Fürstenlinie gewesen, kam sie an die Hauptlinie Mecklenburg, welche 1323 für R. einstweilen die dänische Lehnshoheit anerkannte. Als Mitglied der Hansa, außerdem seit 1418 als Universitätsstadt erhob sich R. zu großem Wohlstand, litt jedoch durch die häufigen Seekriege, an welchen es teilnahm. Bei der Teilung Mecklenburgs 1621 blieb die Stadt beiden Linien gemeinsam und fiel erst 1695 an Mecklenburg-Schwerin. Von ihren zahlreichen Privilegien behielt sie seit 1788 nur das Recht der eignen Besteuerung. 1712 von den Schweden erobert, ward R. 1715 von den Dänen und 1716 von den Russen besetzt, jedoch 1719 durch eine kaiserliche Kommission in seine alten Rechte wieder eingesetzt. Im Mai 1848 und im April 1849 wurde es von den Dänen in Blockadezustand erklärt. Vgl. Eschenbach, Annalen der Akademie zu R. (Rost. 1790-96, 6 Bde.); Krabbe, Die Universität R. im 15. und 16. Jahrhundert (das. 1854, 2 Bde.); Herrlich, Geschichte der Stadt R. bis zum Jahr 1300 (das. 1873); Koppmann, Geschichte von R. (das. 1887, Bd. 1); Derselbe, Geschichtsquellen der Stadt R. (das. 1885 ff.).

Rostoptschin, s. Rastoptschin.

Rostów, 1) Kreisstadt im russ. Gouvernement Jaroslaw, am Nerosee, an der Bahn Moskau-Jaroslaw, von 5 Vorstadtdörfern umgeben, mit 31 Kirchen, 5 Klöstern, einer Filiale der Staatsbank, einem großen Kaufhof und (1885) 11,898 Einw. Die Gärtnerei und Obstzucht Rostows sind weit berühmt, auch wird lebhafter Fischfang und Talgsiederei betrieben. Ferner ist die Stadt wegen ihres bedeutenden Jahrmarkts wichtig, dessen Zufuhr in Leder, Manufakturwaren, Thee, Zucker, Wein, Baumöl, Teer, Seife, Tabak, Farben, Metallwaren etc. jährlich 2-3 Mill. Rubel erreicht. Der Platzhandel beschäftigt sich mit grober, in den umliegenden Dörfern gewebter Leinwand, grünen Erbsen, Zichorie (18,000 Doppelztr.), Obst, Kartoffelmehl, Sämereien, Arzneikräutern, Talg etc. und vertreibt diese Waren meist nach Moskau. R. wird bereits 862 von Nestor erwähnt und ist somit die älteste Stadt Nordostrußlands. - 2) (R. am Don) Kreis- und Hafenstadt im russ. Gouvernement Jekaterinoslaw, am rechten, hohen Ufer des Don, bei der Einmündung der Temerinka, hat 5 orthodoxe und eine kath. Kirche, 2 Synagogen, 2 Gymnasien (eins für Mädchen), eine Real- und 4 andre Schulen, eine Talmud-Thora, ein Kranken-, Armen- und Findelhaus. Der Stadtteil am Don ist gut gebaut und mit Gas- und Wasserleitung, Theater und komfortabeln Hotels ausgestattet. R. hatte 1885: 61,256 Einw. (darunter an 3000 Juden, auch Armenier, Griechen, Deutsche, Italiener und Franzosen). Die Industrie umfaßt lebhaften Schiffbau, Seilerei, Wollwäscherei, Mehl-, Zwieback- und Maccaronibereitung, Leder-, Tabaks- und Seifenfabrikation; ferner bestehen 2 Bierbrauereien, eine Glocken- und eine Eisengießerei und eine chemische Fabrik. Rostows kommerzielle Bedeutung beruht auf seiner Lage nahe der Mündung des hier ca. 200 m breiten Don, welcher die Stadt auf 4 km Länge bespült und einen brauchbaren natürlichen, jedoch etwas seichten Hafen bildet. R., welches als Stapelplatz mit Nachitschewan (s. d. 2) als Eine Stadt betrachtet werden muß, ist ferner Knotenpunkt des Landverkehrs im O. Neurußlands, den einerseits die Bahnen nach Taganrog-Slawjansk-Charkow und Woronesh, anderseits die nach Wladikawkas, im Verein mit der großen Handelsstraße nach den Wolgamündungen, vermitteln. Der Wert der Ausfuhr betrug 1887: 32 Mill. Rub., vorzugsweise Getreide, Leinwand und Wolle, der Einfuhr 312,000 Rub. Die Schiffsbewegung bezifferte sich im auswärtigen Verkehr 1887 auf 36 Schiffe mit 2820 Ton. im Eingang und 35 Schiffe mit 2080 T. im Ausgang. Die Küstenschiffahrt umfaßte außerdem 2779 Fahrzeuge mit 478,622 T. im Eingang und 2594 Fahrzeuge mit 463,248 T. im Ausgang. Dampfschiffsverbindung besteht durch die Schiffe der Wolga-Donischen Gesellschaft mit den Häfen des Don einerseits und Berdjansk anderseits. Von den Jahrmärkten setzt der im Herbst 2½ Mill. Rub. in Wollen-, Baumwollen- und Seidenstoffen, Porzellan- u. Thonwaren, Leder-, Metall- und Kolonialwaren um. Auch der Fischfang sowie die damit verbundene Herstellung von Kaviar, Fischthran und Hausenblase (150-250,000 Rub.) ist höchst bedeutend. Kommerzielle Anstalten sind: das Zollamt, die Filiale der Staatsbank, die Städtische und die Kommerzbank, der Kreditverein und viele Transport- und Versicherungskontore. R. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Es entstand aus einer ursprünglich Dmitri-Rostowski genannten, 1761 als Festung angelegten Ortschaft.

Rostpapier (Nadelpapier), unter Zusatz von feinem Granitpulver dargestelltes, mit Blauholz gefärbtes und ohne Alaun, nur mit Leim geleimtes Papier zum Einwickeln feiner Stahlwaren; ähnliches Papier aus alten geteerten Schiffstauen für gröbere Stahlwaren, das diese vor Rost schützt, weil es die Feuchtigkeit abhält; auch s. v. w. feines Sand- und Schmirgelpapier.

Rostpendel, s. Ausdehnung, S. 109.

Rostpilze (Uredineae), Familie der Pilze aus der Ordnung der Basidiomyceten, Schmarotzer, deren Mycelium im Innern von Pflanzen lebt, mit Querscheidewänden versehene, meist zwischen den Zellen wachsende Fäden darstellt, und deren Sporen durch