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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rottange - Rottenmünster.

Zahl von Rollen (unter andern Anzengrubersche), welche R. typisch zu gestalten wußte, sein Humor und die Vielseitigkeit seiner Darstellung machten ihn zum Liebling des Wiener Publikums.

Rottange, s. v. w. Florideen, s. Algen, S. 346.

Rottanne, s. v. w. gemeine Fichte.

Rotte (v. lat. rupta, ursprünglich s. v. w. Bruchteil), Schar, Haufe; beim Militär Bezeichnung mehrerer hintereinander stehender Soldaten. Die R. zählt so viel Mann, als Glieder hintereinander stehen. Bis zum Dreißigjährigen Krieg stellte man das Fußvolk 10, 16, 20 und 25 Mann tief auf (vgl. Rottmeister). Jetzt besteht die R. bei der Infanterie höchstens aus 3, bei der Kavallerie nur aus 2 Mann. Fehlen Leute in den hintern Gliedern, so entsteht eine blinde R. - Im Jagdwesen bezeichnet man mit R. mehrere sich beisammenhaltende Sauen oder Wölfe.

Rotteck, Karl Wenzeslaus Rodecker von, deutscher Geschichtschreiber, geb. 18. Juli 1775 zu Freiburg i. Br., studierte daselbst die Rechte, ward 1797 Praktikant bei dem dortigen Magistrat, 1798 Professor der Geschichte an der Universität seiner Vaterstadt und 1818 Professor des Vernunftrechts und der Staatswissenschaften, machte sich aber durch seine freisinnigen Ideen der Regierung bald mißliebig. Seiner Schrift "Für die Erhaltung der Universität Freiburg" verdankte die Anstalt hauptsächlich ihr Fortbestehen, und er wurde dafür von derselben 1819 in die Erste Kammer gesandt, in welcher er neben Welcker der Wortführer der Opposition war. Nachdem 1825 die Reaktion seine Wiederwahl vereitelt hatte, ward er 1831 in die Zweite Kammer gesandt, welcher er zehn Jahre lang als das hervorragendste Mitglied der liberalen Partei angehörte. Hierfür ward er 1832 durch einen Bundestagsbeschluß seiner Professur enthoben, der von ihm gegründete "Freisinnige" sowie die "Politischen Annalen" wurden unterdrückt und seine Wahl zum Bürgermeister von Freiburg nicht bestätigt. Er starb 26. Nov. 1840 daselbst und erhielt 1863 auf dem Dominikanerplatz ein Denkmal errichtet. Sein Streben war auf Gründung eines auf das Vernunftrecht basierten Rechtsorganismus und einer auf dem Gesamtwillen des Volkes beruhenden Staatsverfassung gerichtet und ist vom größten Einfluß auf die Mitwelt gewesen; die liberalen Ideen sind hauptsächlich durch ihn dem gebildeten Mittelstand eingeflößt worden. Seine Schriften sind aber jetzt veraltet; von ihnen sind hervorzuheben: die "Allgemeine Geschichte" (Freiburg 1812-27, 9 Bde.; 25. Aufl., fortgesetzt von Steger, Braunschw. 1866-1867, 11 Bde.), der Auszug daraus: "Allgemeine Weltgeschichte" (Stuttg. 1830-34, 4 Bde.; 8. Aufl., fortges. bis 1870 von W. Zimmermann, 1868-72, 7 Bde.); "Lehrbuch des Vernunftrechts und der Staatswesenschaften" (das. 1829-35, 4 Bde.; Bd. 1 u. 2, 2. Aufl. 1840); "Sammlung kleinerer Schriften, meist historischen u. politischen Inhalts" (das. 1829-37, 5 Bde.). Mit Welcker gemeinschaftlich begann er das "Staatslexikon" (Altona 1834-44, 12 Bde.; 3. Aufl., Leipz. 1856-66, 14 Bde.). Vgl. "Das Leben Karls v. R. von seinem Sohn Hermann v. R." (Pforzh. 1843); Röpell, Karl W. v. R. (Rede, Bresl. 1883). - Sein Sohn Karl von R., geb. 1812, stellte sich als Advokat zu Freiburg bei der badischen Revolution von 1849 an die Spitze der demokratischen Partei daselbst, überbrachte als Abgeordneter der Offenburger Versammlung dem Ministerium die dort beschlossenen Forderungen (13. Mai 1849), ward Mitglied des Landesausschusses, nach Einsetzung der revolutionären Regierung Stadtdirektor in Freiburg, später Mitglied der Konstituierenden Versammlung und flüchtete nach der Unterdrückung des Aufstandes in das Ausland. Erst 1856 kehrte er amnestiert nach Baden zurück. Ein andrer Sohn, Hermann von R., geb. 25. Aug. 1816, wendete sich zuerst der Poesie zu und lieferte "Poetische Versuche" (Freiburg 1838), teils Originalarbeiten, teils freie Übersetzungen von Dichtungen des Schweden Tegnér, habilitierte sich als Privatdozent der Philosophie zu Freiburg, starb aber schon 12. Juli 1845 daselbst. Er gab außer der Fortsetzung der "Allgemeinen Geschichte" seines Vaters noch eine "Bildergalerie" (1841) zu letzterer und die völkerrechtliche Untersuchung über "Das Recht der Einmischung in die innern Angelegenheiten eines fremden Staats" (Freiburg 1845) heraus.

Rottel, Gewicht, s. Rotolo.

Rötteln, Ruine, s. Lörrach.

Rotten, s. Rotkarpfen.

Rotten boroughs (engl.), s. Borough.

Rottenburg, 1) Flecken und Bezirkshauptort im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, an der Großen Laber, hat ein Amtsgericht und (1885) 1089 fast nur kath. Einwohner. - 2) Oberamtsstadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, am Neckar, welcher sie von der Vorstadt Ehingen trennt, und an der Linie Plochingen-Villingen der Württembergischen Staatsbahn, 351 m ü. M., hat eine evangelische und 3 kath. Kirchen (darunter der Dom zu St. Martin), 6 kath. Kirchen außerhalb der Stadt, ein altes Schloß (jetzt Landesgefängnis), ein kath. Priesterseminar, eine Latein- und Realschule, ein ehemaliges Jesuitenkloster (jetzt Residenz des Bischofs), ein Domkapitel, ein Arbeitshaus für weibliche Korrigenden, ein Amtsgericht, Maschinenfabrikation, Trikotweberei, Wollspinnerei, Leinweberei, Gerberei, Bierbrauerei, ansehnliche Mühlwerke, Obst- und bedeutenden Hopfenbau, einen großen Hopfenmarkt und (1885) 7310 meist kath. Einwohner. - R. war schon um 1103 Sitz der Grafen von Hohenberg und kam 1281 an Österreich, 1805 an Württemberg. In der Nähe der sagenberühmte Hohenberg und bei dem Ort Sülchen umfangreiche Überreste der alten Stadt Sumalocenna oder Salmulocenä mit römischer Wasserleitung.

Rottenhaan, J. Ph. von, s. Roothaan.

Rottenhammer, Johann, Maler, geb. 1564 zu München, Schüler seines Vaters und Joh. Donauers, bildete sich in Venedig besonders unter dem Einfluß Tintorettos und war dort lange Zeit thätig. Nach 1606 hielt er sich abwechselnd in München und Augsburg auf, wo er 1623 starb. Er stellte sowohl biblische als mythologische Szenen mit kleinen Figuren und reichem landschaftlichen Hintergrund dar. Den nackten Figuren ist ein kühler Ton und glatte Behandlung eigentümlich, das Kolorit leidet meist an Buntheit. Bilder von R. finden sich in den meisten deutschen Galerien. In mehreren derselben hat J. Brueghel Landschaft, Blumen und Tiere gemalt.

Rottenmann, Stadt in der steir. Bezirkshauptmannschaft Liezen, im Paltenthal, an der Staatsbahnlinie Selzthal-St. Michael gelegen, hat ein Bezirksgericht, eine schöne Pfarrkirche und (1880) 1264 Einw., welche bedeutende Eisenwerke, Achsen- und Bleiweißfabrikation betreiben. Dabei die alte Burg Strechau. Aus dem Paltenthal von Trieben führt südlich eine Straße über den Rottenmanner Tauern, 1250 m hoch, ins Murthal nach Judenburg.

Rottenmünster, eine bei Rottweil (s. d.) gelegene, ehemals reichsfreie Cistercienser-Nonnenabtei mit Sitz und Stimme auf dem Reichstag, 1221 gestiftet, wurde 1838 aufgehoben.