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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Roy - Rózsa.

matischer Abkunft, das am Mäotissee, zwischen dem Tanais und Borysthenes (Dnjepr) seine Wohnsitze hatte. Vortreffliche Reiter, wurden sie nachmals durch ihre Raubzüge den römischen Donauprovinzen so gefährlich, daß sich Hadrian durch Zahlung eines jährlichen Tributs mit ihnen abfand. In noch späterer Zeit finden wir sie dagegen als römische Hilfstruppen. Sie werden zuletzt im 11. Jahrh. erwähnt.

Roy (altfranz. Form für roi, König), Bezeichnung des Grafen von Chambord (s. d.) als legitimistischen Prätendenten für den französischen Thron.

Roy, Stifter des Brahmo Samadsch (s. d.).

Roya, s. Cocos.

Royal (franz., spr. roajall, u. engl., spr. reu-ĕl), königlich; früher auch Name eines Papierformats (in England noch jetzt üblich und die Papiergröße von 20 × 25 Zoll englisch bezeichnend; s. Papier, S. 677).

Royal Canal (spr. reu-ĕl kännäll), Kanal in Irland, 1789-1802 erbaut, verbindet Dublin mit dem Shannon bei Tormanbury und ist 148 km lang.

Royalisten (franz., spr. rŏaja-), Anhänger des Königtums und zwar namentlich der absoluten im Gegensatz zur konstitutionellen Monarchie; in Frankreich seit 1789 die Anhänger des Hauses Bourbon im Gegensatz zu den Bonapartisten und Republikanern, auch Legitimisten (s. d.) genannt.

Royal Society (spr. reu-ĕl ssossēīti), Name berühmter gelehrter (insbesondere naturwissenschaftlicher) Gesellschaften zu London und Edinburg (s. Akademie, S. 250 ff.).

Royan (spr. rŏajāng, lat. Novio regum), Stadt im franz. Departement Niedercharente, Arrondissement Marennes, rechts an der Mündung der Gironde in den Atlantischen Ozean, an der Flügelbahn Pons-R., hat einen kleinen Hafen, besuchte Seebäder, ein Kasino, Theater, Museum, Schiffbau, Sardellenfischerei, regelmäßige Dampfschiffverbindung mit Bordeaux, Weinhandel und (1886) 5629 Einw.

Royat (R. les Bains, spr. rŏajá lä bäng), besuchter Badeort im franz. Departement Puy de Dôme, Arrondissement Clermont, in reizender Lage an der Tiretaine und an der Eisenbahn Tulle-Clermont, mit eisen- und kohlensäurehaltigen Quellen u. 1200 Einw.

Roy Barelli, ind. Bezirk, s. Rai Bareli.

Roye (spr. roa), ehedem befestigte Stadt im franz. Departement Somme, Arrondissement Montdidier, am Avre und den Linien Compiègne-R. und St.-Just-Epehy der Nordbahn, mit Fabrikation von Flanell, Strumpfwaren, Rübenzucker, Getreide- und Mehlhandel und (1881) 3649 Einw.

Royer-Collard (spr. rŏajē-kollár), Pierre Paul, franz. Gelehrter und Staatsmann, geb. 21. Juni 1763 zu Sompuis in der Champagne, Advokat beim Pariser Parlament, wurde 1789 nach der Erstürmung der Bastille zum Mitglied der Munizipalität der Hauptstadt gewählt und hier später zum Sekretär ernannt. Seine energische Opposition gegen die Anarchie erwarb ihm den glühendsten Haß der Jakobiner. Nach der Flucht des Königs schied er aus der Munizipalität, und nach dem Sturz des Throns (10. Aug. 1792) floh er nach Sompuis, wo er sich verborgen hielt. Als Deputierter des Departements Marne trat er im Mai 1797 in den Rat der Fünfhundert, wurde aber infolge des Staatsstreichs vom 18. Fructidor aus demselben wieder ausgeschlossen. Seit 1810 Professor der Philosophie an der Faculté des lettres, übte er bedeutenden Einfluß auf die Neugestaltung der französischen Philosophie, indem er die doktrinäre Schule begründete. 1814 ernannte der König den treuen, aufrichtigen Royalisten zum Staatsrat und Generaldirektor des Buchhandels. Während der Hundert Tage legte R. diese Ämter nieder, worauf er nach der zweiten Restauration Präsident der Kommission für den öffentlichen Unterricht wurde. Gleichzeitig trat er als Abgeordneter des Marnedepartements in die Kammer, wo er als eifriger Verteidiger des konstitutionellen Systems wirkte, was 1820 den Verlust seines Amtes zur Folge hatte. Er schloß sich nun offener der Opposition an, war in dieser Richtung auch als Journalist thätig und galt als das Haupt der Doktrinäre (s. d.). 1827 wurde er Mitglied der Akademie. Bei den Kammerwahlen von 1828 ward er von sieben Wahlkollegien zugleich gewählt und zum Kammerpräsidenten ernannt. Nachdem er vergeblich in Gemeinschaft mit Martignac eine Versöhnung der Regierung mit der Kammer versucht hatte, überreichte er im März 1830 Karl X. die berühmte Adresse der 221 Deputierten und trug dadurch zum Ausbruch der Julirevolution bei. Doch lag der Sturz der ältern Bourbonen durchaus nicht in seinem Plan. Bei der neuen Ordnung der Dinge zog er sich deshalb zurück. Er starb 4. Sept. 1845 auf seiner Besitzung Châteauvieux bei St.-Aignan (Loir-et-Cher). Vgl. seine Biographie von Philippe (Par. 1857) und namentlich Barante, La vie politique de R. (3. Aufl., das. 1878, 2 Bde.). - Sein Bruder Antoine Athanase, geb. 7. Febr. 1768, erwarb sich als medizinischer Schriftsteller einen geachteten Namen und starb 27. Nov. 1825 als königlicher Leibarzt und Professor der Medizin in Paris.

Royle (spr. reul), bei botan. Namen für J. F. Royle, geb. 1799 zu Khanpur in Ostindien, Direktor des botanischen Gartens zu Serampur, gest. 1858 in Acton bei London (Flora des Himalaja u. von Kaschmir).

Royton (spr. reut'n), Fabrikstadt in Lancashire (England), unfern Oldham, mit (1881) 11,433 Einw.

Rozdol, Marktflecken in Galizien, Bezirkshauptmannschaft Zydaczow, hat ein Schloß mit Park, zwei Klöster, eine schwefelhaltige Mineralquelle, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei und (1880) 4684 Einw.

Rozmital (tschech. Rozmitál, spr. -rosch-, Rosenthal), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Blatna, mit Schloß des Prager Erzbischofs, Eisenwerk, Bierbrauerei und (1880) 2696 Einw.

Roznau (spr. rosch-), Stadt in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Walachisch-Meseritsch, im Thal der untern Betschwa, am Fuß des Radhost gelegen, hat ein Bezirksgericht, Flachsbau, Baumwollwarenerzeugung, Brauerei, Viehzucht nebst Käsebereitung und (1880) 3007 Einw. R. ist zugleich ein beliebter klimatischer Kurort (mit Molkenheilanstalt), der jährlich von ca. 1200 Kurgästen besucht wird.

Rózsa (spr. rōscha), Sándor (spr. schāndor), ungar. Räuberhauptmann, geb. 1813 zu Szegedin, setzte schon in jüngern Jahren als Räuberanführer das Handwerk seines Vaters und Großvaters fort, war großmütig gegen Arme, unerbittlich gegen Reiche und wurde der Held einer langen Reihe im Druck veröffentlichter Räubergeschichten. Während der Revolution verwendete ihn Kossuth als Führer eines Freikorps gegen die Serben und schickte ihn als Kundschafter nach Komorn. 1856 verhaftet, wurde er nach dreijährigem Prozeß zum Tode, dann aber zu lebenslänglichem Kerker verurteilt und nach Kufstein gebracht. Nach acht Jahren amnestiert, begann er das frühere Leben wieder; ja, verwegener als je, überfiel er 1868 mit seinen Genossen einen Eisenbahnzug. Endlich gelang es dem königlichen Kommissar Grafen Gedeon Ráday, den Räuber in die Szegediner Festung zu locken, worauf er 1872 mit seiner Bande zu lebenslänglichem