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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rübenschneidemaschine; Rübensoda; Rübentöter; Rübenzucker; Rubĕola; Ruberythrīnsäure; Rübezahl

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Rübenschneidemaschine - Rübezahl.

die Kreuztragung Christi (Brüssel) und die heil. Cäcilia (Berlin). Ganz frei und eigentümlich erscheint der Künstler in der Behandlung des klassischen Altertums, dem er eine große Zahl von Bildern entnahm, zum Teil aus der Göttergeschichte, besonders aus dem bacchischen Kreis (zahlreiche Bacchanalien), zum Teil aus der Heroengeschichte (Decius Mus in Wien). Hervorzuheben sind: der Raub der Töchter des Leukippos, die Amazonenschlacht und der sterbende Seneca (München), das Venusfest und Boreas und Oreithyia (Wien), Jupiter und Kallisto (Kassel), Neptun und Amphitrite, die gefesselte Andromeda und Bacchanal (Berlin), das Urteil des Paris (Madrid) und Neptun auf dem Meer (Dresden, ein Teil der unter R.' Leitung ausgeführten Dekorationen zum Einzug des Kardinal-Infanten Ferdinand zu Antwerpen, 1635). Mit gleicher Wärme und Liebe umfaßte R. die Darstellung des Naturlebens und des fröhlichen Treibens der Kinder. Das vortrefflichste Bild letzterer Art sind die sieben Kinder in der Pinakothek zu München, welche einen mächtigen Fruchtkranz tragen. In seinen Tierbildern, die zum Teil in Gemeinschaft mit F. Snyders entstanden sind, entfaltet R. ebenfalls das höchste Maß von Lebendigkeit und dramatischer Kraft. Es sind zumeist Jagden, unter denen die Löwenjagd in München, die Wolfsjagd bei Lord Ashburton, die Wildschweinsjagd in Dresden und die Hirschjagd der Diana in Berlin in erster Reihe stehen. Auch für die Landschaftsmalerei war R. bahnbrechend, weil er Größe der Auffassung mit Tiefe und Kraft der Stimmung verband. Es gibt sowohl solche Landschaften von ihm, welche, mit Zuziehung einiger Motive aus der Natur aus freier Phantasie hervorgegangen, die Elemente in ihrem Aufruhr zeigen (Odysseus an der Küste der Phäaken in Florenz, Überschwemmung mit Philemon und Baucis in Wien), als solche, die den idyllischen Charakter von R.' reichgesegnetem Heimatsland darstellen (Landschaft mit dem Regenbogen in München, Abendlandschaft in Petersburg). Seine wenigen Genrebilder zeichnen sich durch eine geistreiche Auffassung und eine freie Behandlung aus (Bauernkirmes und Turnier im Louvre, Bauerntanz in Madrid). Von den Konversations- und Schäferstücken existiert der Liebesgarten in vielen Exemplaren, von denen aber das Bild in Madrid, nicht das in Dresden, als das Original zu betrachten ist. Ein andres Konversationsstück befindet sich unter dem Namen "der Schloßpark" im Belvedere zu Wien. Unter seinen zahlreichen Bildnissen gehört das Bild im Palast Pitti zu Florenz, bekannt unter dem Namen der vier Philosophen, welches Justus Lipsius, Hugo Grotius, Philipp Rubens und den Künstler selbst vorstellt, seiner frühsten Zeit an. Ausgezeichnet sind auch die Bildnisse von R. und seiner Frau im Schloß zu Windsor, bedeutender aber noch sind dessen Familienporträt in der Nationalgalerie zu London, das Bild seiner Frau mit Kind in München und das Doppelbildnis seiner Söhne in der Galerie Liechtenstein zu Wien. Eins seiner vollendetsten Bildnisse ist das des Doktors van Tulden in der Pinakothek zu München; ausgezeichnet durch sein magisches Helldunkel ist das unter dem Namen des Strohhuts bekannte Bildnis eines Mädchens in der Nationalgalerie zu London und meisterhaft in der Modellierung des Fleisches das Bildnis der nur mit einem Pelz bekleideten Helene Fourment in Wien. Wenige Künstler haben auf ihre Zeit einen so mächtigen, unwiderstehlichen Einfluß geübt wie R.; es gibt keinen Zweig der niederländischen Malerei, auf den er nicht bestimmend eingewirkt hätte. Die Zahl seiner Schüler war außerordentlich groß. Die bedeutendsten sind: van Dyck, Soutman, Th. van Tulden, M. Pepyn, A. Diepenbeek, C. Schut, E. Quellinus, J. ^[Justus] van Egmont, J. ^[Jan] van Hoeck etc. Außerdem aber hat er auch eine Schule von ausgezeichneten Kupferstechern herangezogen, wie Vorsterman, S. a Bolswert, Pontius etc., die seine Werke auf seine Kosten für den Verkauf in Kupfer stachen, während Chr. Jegher sie in Holz schnitt. Auch war er selbst der Radierkunst mächtig, und überdies hat er eine große Zahl von Zeichnungen für Büchertitel, Bücherverzierungen u. dgl. angefertigt. Er hat zahlreiche Handzeichnungen hinterlassen (in London, Paris und Wien). R. war ein Mann von universeller gelehrter Bildung, welcher mit zahlreichen Zeitgenossen in Briefwechsel stand. Vgl. Michel, Histoire de la vie de R. (Brüssel 1771); Waagen, Kleine Schriften (Stuttg. 1875); Sainsbury, Original unpublished papers illustrative of the life of R. (Lond. 1858); Bakhuizen van den Brink, Les R. à Siegen (Haag 1861); Michiels, R. et l'école d'Anvers (4. Aufl., Par. 1877); Gachard, Histoire politique et diplomatique de R. (Brüssel 1877); Génard, P. P. R. (Antw. 1877); Hymans, Histoire de la gravure dans l'école de R. (Brüssel 1879); Rosenberg, Rubensbriefe (Leipz. 1881); Goeler v. Ravensburg, R. und die Antike (Jena 1882); Rooses, R. en Balth. Moretus (Antwerp. 1884); Derselbe, L'œuvre de R. (das. 1887 ff., 4 Bde.); Rosenberg, Die Rubensstecher (Wien 1888 ff.); Ruelens, Correspondance de R. (Antwerp. 1888 ff.).

Rübenschneidemaschine, s. Wurzelschneider. ^[richtig: Wurzelschneidemaschinen.]

Rübensoda, aus Runkelrübenmelasse neben Pottasche gewonnene Soda.

Rübentöter, s. Rhizoctonia.

Rübenzucker, aus Runkelrüben gewonnener Rohrzucker, s. Zucker.

Rubĕola, s. v. w. Röteln.

Ruberythrīnsäure, s. Krapp.

Rübezahl, in der Volkssage der Berggeist des Riesengebirges in Schlesien. Der Name ist noch nicht sicher erklärt; nach einigen bedeutet er "Rübenschwanz", d. h. das auslaufende untere Ende der Rübe (Zahl, s. v. w. Zagel), ein den Elfen angehöriger Name, dann Spottname. Der Sage nach mag er selbst sich nicht so nennen hören, die Kräutersucher nennen ihn deshalb auch "Herr Johannes". Die ganze Vorstellung stammt aus heidnischer Zeit. Er ist der (wunderliche) "Wetterherr" des Riesengebirges und berührt sich so mit dem Wilden Jäger. Unerwartet (neckisch) sendet er Blitz und Donner, Nebel, Regen und Schnee vom Berg nieder, während eben noch alles im Sonnenglanz lag. Er nimmt die verschiedensten Gestalten an, besonders zeigt er sich als Mönch in aschgrauer Kutte (Wodan im Wolkenmantel) auf dem Berg und hält ein Saitenspiel in der Hand (die Sturmesharfe), das er so heftig schlägt, daß die Erde davon erzittert, u. dgl. m. Am Gehänge der Schwarzen Koppe zeigt man "Rübezahls Lustgarten", auch sonst werden eigentümliche Steinbildungen nach ihm benannt. Gegen gute Menschen ist er freundlich, lehrt sie Heilmittel und beschenkt sie; wenn man ihn aber verspottet, rächt er sich schwer. Die Sagen von R. hat Musäus in den "Volksmärchen der Deutschen" wiedergegeben; Gehe behandelte den Stoff in einer Oper: "Der Berggeist" (von Spohr komponiert), W. Menzel dramatisch im "R." (Stuttg. 1829). Vgl. Schwartz, Prähistorisch-anthropologie Studien (S. 364, Berl. 1884); "R., seine Begründung in der deutschen Mythe" (Prag 1885).