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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schweden (Landwirtschaft).

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Schweden (Landwirtschaft).

grad liegenden Läns, von denen Westernorrland neben 73,9 Proz. Wald nur 7,4 Proz. Kulturland zählt, und selbst im fruchtbarsten Teil von Swealand, im Län Upsala, finden sich neben 55,5 Proz. Wald nur 35,4 Proz. Acker und Wiesen. Im südlichen S. erscheinen nur die Läns Skaraborg und Christianstad mit 39,4, resp. 39,6 Proz. Kulturland für die Landwirtschaft günstiger, während das Län Malmöhus, dessen Kulturland man auf 72 Proz. des Areals schätzt, völlig isoliert dasteht. Die Größe der Güter wird in S. nach Hufen (mantal, hemman) bestimmt; doch ist dieser Ausdruck ein sehr ungenauer, indem das Areal einer Hufe sowohl in den verschiedenen Teilen des Landes als auch in einem und demselben Län außerordentlich verschieden ist. Die Gesamtzahl der Hufen betrug 1884: 67,659. Diese Hufen haben nach den darauf lastenden Abgaben eine verschiedene Natur und demnach auch verschiedenen Wert. Die kleinere Zahl, aber die größten Güter, nämlich die ursprünglich adligen (frälsehemman), umfassend, ist von vielen Lasten befreit, die auf den übrigen ruhen, welche man unter den Benennungen "Steuerhufen" (skattehemman) und "Kronenhufen" (kronohemman) zusammenfaßt, obgleich noch viele andre Benennungen und Unterabteilungen vorkommen. 1884 gab es 5597 Kronohemman, 39,467 Skattehemman und 21,695 Frälsehemman. 1880 zählte man in S. 163 Fideikommisse mit einem Areal von 3099 Mantals zu einem Taxwert von 103½ Mill. Kronen (die wertvollsten in den Läns Malmöhus, Södermanland und Christianstad). Der Ackerbau hat im Lauf des 19. Jahrh. so große Fortschritte gemacht, daß S., welches 1764 nicht weniger als 660,000 Ton. Getreide einführte, seit 1820 keiner Getreideeinfuhr bedurfte, ja seit dieser Zeit in einer steigenden Progression Getreide ausgeführt hat (seit 1854 jährlich über 1½ Mill. Ton. nach Abzug des Getreideimports), und jetzt ist Getreide der wichtigste und wertvollste von allen schwedischen Ausfuhrartikeln. In Götarike (mit alleiniger Ausnahme des Elfsborgläns) erzeugen die sämtlichen Läns wenigstens das zum eignen Bedarf erforderliche Getreide, die meisten aber noch zur Ausfuhr; ebenso bedürfen in Svearike nur Dalarne und Wermland der Zufuhr; die übrigen fünf Läns haben Überfluß, ja sogar in Norrland erntet man in guten Jahren seinen Bedarf selbst. Was den Umfang der zur Landwirtschaft benutzten Oberfläche des Landes betrifft, so ward das Areal 1884 auf 6,077,086 Tonnenland Acker, 66,820 Tonnenland Gärten und 3,937,982 Tonnenland natürliche Wiesen angegeben. Der Wert des sämtlichen Landbesitzes ward 1886 auf 2241 Mill. Kr., der des übrigen versteuerten liegenden Besitzes auf 1233 Mill. Kr., der aller steuerfreien, dem Staate, den Kommunen etc. gehörenden Besitzungen auf 323 Mill. Kr. berechnet. Am weitesten nach N. verbreitet ist die Kultur der Gerste, welche noch jenseit des 70.° in vertikaler Höhe bis 800 m unterhalb der Schneegrenze stattfindet und in den fünf nördlichen Läns das Hauptprodukt des Landbaues ist. Hafer wird in den drei nördlichsten Läns nur sehr wenig angebaut; die größten Quantitäten liefern Skaraborg-, Wermland-, Elfsborg- und Malmöhuslän. Hafer ist Hauptexportartikel und geht besonders nach England. Roggen, das Brotkorn des Volkes und daher in geringerm Maß Gegenstand des Exports, wird in allen Läns angebaut, doch weniger stark in den 5 nördlichen und im Län Gotenburg als in den übrigen 18; die größten Quantitäten liefern die Läns Ostgotland, Malmöhus, Kalmar, Skaraborg, Christianstad, Upsala, Södermanland und Westmanland. Weizen wird in den Läns Norrbotten und Jemtland fast gar nicht, in den vier übrigen nördlichsten Läns sowie in Kronoberg-, Jönköping-, Blekinge-, Halland- und Elfsborglän nur wenig, in den übrigen aber ziemlich stark angebaut. Beinahe ebenso verhält es sich mit Erbsen und Bohnen, von denen Malmöhuslän und demnächst Gotenburglän die größten Quantitäten erzeugen. Überall gedeiht die Kartoffel, und die allgemein gewordene Kultur dieses Knollengewächses läßt so leicht keine Hungersnot mehr eintreten. Der Ertrag der Ernte für 1887 wurde folgendermaßen angegeben: 1,423,853 hl Weizen, 7,894,495 hl Roggen, 5,342,553 hl Gerste, 19,912,779 hl Hafer, 2,856,351 hl Mengkorn, 612,247 hl Erbsen, 77,228 hl Bohnen, 253,535 hl Wicken, 21,507,134 hl Kartoffeln. Gesamtgewicht und Wert der Halm- und Hülsenfrüchte wurden 1887 auf 2293 Mill. kg und 195 Mill. Mk. geschätzt. Fast überall, jedoch weniger im N., werden auch noch andre Wurzelgewächse (Runkelrüben, Rüben etc.) angebaut, deren Ertrag auf mehr als 1 Mill. Ton. angegeben wird. In einigen Läns, besonders Gefleborg, Kronoberg und Jönköping, baut man auch ziemlich viel Flachs und Hanf; doch reichen die Ernten ebensowenig wie die des Tabaks, Hopfens, Kümmels etc. zur Befriedigung des Bedürfnisses hin. Die Wiesenkultur hat erst in der neuern Zeit angefangen sich zu heben, ist aber immer noch zurück, obgleich wenigstens in der südlichen Hälfte des Landes der Erzeugung guter Futterkräuter große Aufmerksamkeit gewidmet wird. Am meisten vernachlässigt ist der Obstbau und die Kultur der Gartengewächse, obgleich im südlichen S., ja an günstigen Örtlichkeiten bis über den 64.° hinaus, vortreffliches Obst, besonders Äpfel sowie auch Stachel- und Johannisbeeren, und feinere Gemüse gut gedeihen und auch in den Gärten der Städte und der Herrensitze erzielt werden. Erheblicher für den Haushalt sind die reichen Ernten an wilden Beeren (Erd-, Heidel-, Preißel-, Multe-, Himbeeren u. a.), welche die Wälder und Gebirge selbst in den nördlichsten Gegenden im größten Überfluß erzeugen.

Die Viehzucht ist lange vernachlässigt worden und hat nicht den Ertrag geliefert, den sie bei der relativ großen Zahl der Haustiere im Vergleich zu andern Ländern hätte liefern können. Doch hat ein großer Fortschritt stattgefunden, obschon S. noch fortwährend alljährlich bedeutende Quantitäten dahin gehöriger Produkte aus dem Ausland bezieht. Die Viehzucht wird jetzt durchgängig nach rationellern Grundsätzen betrieben durch bessere Pflege und Veredelung der Rassen, durch zweckmäßigere Benutzung der Produkte (z. B. bessere Bereitung der Butter und des Käses), wozu die Regierung die Hand bietet, indem 3 Stutereien, 2 Meiereischulen, Stammholländereien und Stammschäfereien eingerichtet sind und Meieristen im Land umherreisen, um den nötigen Unterricht zu erteilen, etc. Die schwedischen Pferde- und Rinderrassen sind klein, aber kräftig, die Schafe liefern im allgemeinen nur grobe Wolle; doch gibt es auch schon veredelte Schafe, obgleich die klimatischen Verhältnisse der Schafveredelung große Schwierigkeiten in den Weg legen. Federvieh wird nicht viel gehalten; die Bienenzucht ist erst in neuerer Zeit in den südlichern Landschaften ein Gegenstand der Aufmerksamkeit geworden. Für die Lappen im N. bieten die Renntiere (vielleicht gegen 100,000 Stück) den ganzen Reichtum; bei ihnen werden außer diesen keine andern Haustiere