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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schweden (Industrie, Handel und Verkehr).

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Schweden (Industrie, Handel und Verkehr).

Doppelztr.). 1885 wurden in ganz S. in 966 Gruben 871,000 Ton. Eisenerze gebrochen. In 179 Hochöfen gewann man 460,000 T. Roheisen sowie 41,820 Doppelztr. Gußeisen und in 62 Gießereien außerdem 173,150 Doppelztr. Gußeisen. In 226 Werken wurden 266,500 T. Stabeisen bereitet; an Stahl, Platten, Nägeln und verschiedenem Manufaktureisen wurden in 146 Werken 427,000 Doppelztr. produziert. Eisen und Stahl bilden auch einen der wertvollsten Ausfuhrartikel. Vgl. Ehrenwerth, Das Eisenhüttenwesen Schwedens (Leipz. 1885). Von Kupfer wurden in 8 Werken 6267 Doppelztr. Garkupfer gewonnen (davon das meiste bei Atvidaberg in Ostgotland, weniger in Falun). Die Silberproduktion ist jetzt nur unbedeutend (1885: 2326 kg), sie findet meistens bei Sala statt. Außerdem wurden 1885 gewonnen: 328 kg gereinigtes Kobalterz, 3356 Doppelztr. Messing, 558 Doppelztr. Nickelstein, 116 Doppelztr. Nickelkupfer, 4373 Doppelztr. Eisenvitriol und 486,000 Doppelztr. Zinkerz, endlich Marmor (besonders auf Kolmården) im Wert von 11,766 Kr. Steinkohlen werden in Schonen (bei Höganäs seit 1794) gewonnen und finden sich da in großer Ausdehnung; 1885 betrug die gesamte Ausbeute 2,162,000 hl. Die in vielen Gegenden über 9 Proz. des Areals bedeckenden Torfmoore werden erst neuerdings in Schonen, um das immer seltener werdende Holz zu ersetzen, in größerm Umfang ausgebeutet.

Die schwedische Industrie hat sich in den letzten Dezennien außerordentlich kräftig entwickelt. 1884 betrug die Zahl der Fabriken aller Art 2924, der Gesamtwert ihrer Produktion 191 1/3 Mill. Kr. Davon kamen auf Stockholm 20 Proz., auf Gotenburg (Stadt und Län) 20 Proz., auf Norrköping und Ostgotland 16,3 Proz. Früher waren die Wollfabriken und demnächst die Seidenfabriken die wichtigsten; späterhin schlossen sich ihnen die Baumwollfabriken (nebst Spinnereien) und die Kattundruckereien an, von denen erstere sich dermaßen entwickelt haben, daß sie 1860-62 jährlich Fabrikate zu einem Wert von über 19 Mill. Kr. lieferten. Doch schon 1863 sank der Wert derselben auf 5½ Mill. herab, hob sich dann 1864 wieder auf 7 Mill. und betrug 1884: 12,2 Mill. für die Spinnereien und 12,7 Mill. Kr. für die Baumwollfabriken. Hinsichtlich des Wertes ihrer Fabrikate gehörten 1884 zu den wichtigsten Industrieetablissements: 9 Zuckerraffinerien (19,3 Mill. Kr.), 46 Tuchfabriken (besonders in Norrköping), deren Produktion 11,1 Mill. Kr. betrug, 222 Gießereien und mechanische Werkstätten (30,8 Mill. Kr.), 104 Tabaksfabriken (10,9 Mill. Kr.), 657 Lederfabriken (5,2 Mill. Kr.), 36 Papierfabriken (8 Mill. Kr.), 34 Zündhölzerfabriken (9 Mill. Kr.). S. hat ferner 2 Porzellanfabriken (2,5 Mill. Kr.) und 2 Seidenfabriken (693,000 Kr.). Noch sind die Branntweinbrennereien hervorzuheben, deren Zahl 1885/86: 197 betrug, und die seit der durchgreifenden Veränderung in der Besteuerung des Branntweins 1855 nächst den Zöllen die reichste Einkünftequelle für den Staat geworden sind, indem sie einen Reinertrag von 13 Mill. Kr. geben. Die jährliche Produktion beträgt ungefähr 40 Mill. Lit. Der Branntwein wird vorzugsweise aus Korn und Kartoffeln zubereitet. Die Zahl der Besitzer sämtlicher Fabriken (mit Einschluß der Aktiengesellschaften) betrug 1884: 2796, die Zahl der Fabrikarbeiter 71,317 (darunter 18,631 Frauenzimmer). Der Hausfleiß ist im ganzen nicht unbedeutend, und besonders thun sich gewisse Gegenden in dieser Hinsicht vor andern vorteilhaft hervor, so z. B. die Landschaft Angermanland durch ihre weiße Leinwand, deren Fabrikation vom Staate durch Prämien ermuntert wird. Gröbere Leinwand wird in andern angrenzenden norrländischen Landschaften verfertigt. Im ganzen ist jedoch diese häusliche Industrie im Abnehmen begriffen. In Elfsborglän wird großartige Baumwollweberei als Hausindustrie betrieben, deren Ertragswert man zu 6-8 Mill. Kronen veranschlagt.

Handel und Verkehr.

Von sehr großer Wichtigkeit ist der Handel, welcher 1850 von 11,000, 1864 von 15,528, 1884 von 20,954 Personen betrieben wurde. Der Handel zerfällt in den inländischen und den ausländischen, da der Transithandel wegen der Lage des Landes nicht bedeutend sein kann. Der innere Verkehr wird befördert durch eine lange Küste, schiffbare Landseen, Flüsse, Kanäle, Landstraßen und Eisenbahnen. Die Küste bietet überall in den Schären die vortrefflichsten Häfen dar. Von den Landseen des Innern werden viele mit Dampfschiffen befahren, stehen auch mit Landstraßen und Eisenbahnen in Verbindung. Die Landstraßen sind chausseeartig angelegt und werden auch gut unterhalten; die Gesamtlänge derselben betrug 1880: 60,630 km. An denselben waren 1488 Stationen, in denen Reisende Bewirtung, Obdach und Pferde erhalten können; jährlich werden auch bei denselben ungefähr 1,9 Mill. Pferde geliefert, denn das Reisen mit Skjuts (spr. schuß), wie man diese Einrichtung nennt, ist bequem und nicht teuer. Die Eisenbahnen bilden im südlichen Teil bereits ein zusammenhängendes Netz und teilen sich in Stammbahnen und Privatbahnen, jene vom Staate, diese von Privatpersonen oder Kommunen, großenteils aber mit Unterstützung des Staats, angelegt und unterhalten. 1887 standen im Betrieb 7388 km Eisenbahnen (davon 4892 km Privatbahnen). Die größten Staatsbahnlinien sind: die Westbahn (Stockholm-Gotenburg, 456 km), die Nordbahn (Stockholm-Ange, 484 km), die Südbahn (Falköping-Malmö, 380 km), die Nordwestbahn (Laxå bis zur norwegischen Grenze in der Richtung auf Kongsvinger, 210 km), die Ostbahn (Katrineholm-Nässjö, 216 km) und die Linie Sundsvall-Torpshammar-Storlien (363 km). Unter den Privatbahnen ist am ausgedehntesten die Linie Falun-Kil-Gotenburg (486 km). Die Länge der Staatstelegraphenlinien betrug 1887: 8345 km (davon 100 km unterseeische Kabel), die der Drähte 21,304 km. Der Handel mit dem Ausland wird, außer zu Land mit Norwegen und Finnland, vorzugsweise von den 37 Stapelstädten betrieben, welche außer Jönköping (am Wettersee), Karlstad, Karlshamm und Wenersborg (am Wenersee) am Meer liegen, und in denen es Zollstationen gibt; doch besitzen auch andre See- und Landstädte, Flecken, ja das platte Land Schiffe, die daran teilnehmen. Die schwedische Kauffahrteiflotte zählte 1887: 3967 Schiffe mit 507,573 Ton. Gehalt (darunter 2128 Küstenfahrer mit 101,510 T.). Die Zahl der Dampfer ist seit 1871-87 von 419 auf 922 von 117,732 T. gestiegen. Der ausländische Handel erstreckt sich über die ganze Erde und hat sich besonders in der neuesten Zeit sehr gehoben, wozu die ermäßigten Zollsätze nicht wenig beigetragen haben. Die Haupteinfuhrartikel sind: Manufakturwaren von Gespinsten (1886: 50 Mill. Kr.), Gespinste (19,9 Mill.), Kolonialwaren (45,7 Mill.), Getreide und Mehl (30,8 Mill.), Mineralien (24,2 Mill.), verarbeitete Metalle (13,3 Mill.), Haare und Häute (12,3 Mill.), Fahrzeuge und Maschinen (11,9 Mill.), Pflanzenstoffe (7,5 Mill. Kr.). Zur Ausfuhr gelangen vornehmlich Holz und Holzwaren (92,1 Mill. Kr.), unverarbeitete Metalle (32,1 Mill.), Getreide und