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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schweden

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Schweden (Geschichte 1790-1840).

hältnissen hatte S. den Frieden von Werelä (14. Aug.) zu danken, in welchem es seinen Besitzstand vor dem Krieg behauptete. Gustav warf sich nun ganz in die Arme Rußlands, plante einen Kreuzzug für das französische Königshaus gegen die französische Revolution und gab für die Rüstungen hierzu große Summen aus. Das Volk war hiermit höchst unzufrieden, und der Reichstag von Gefle lehnte Anfang 1792 alle Forderungen des Königs ab. Jetzt verschworen sich einige Edelleute zur Ermordung des Königs, der auch 16. März 1792 auf einer Hofmaskerade von Anckarström tödlich verwundet ward und 29. März starb.

Für den noch unmündigen König Gustav IV. Adolf (1792-1809) übernahm bis 1. Nov. 1796, der Bestimmung Gustavs III. gemäß, dessen Bruder Karl von Södermanland die vormundschaftliche Regierung. Als Gustav IV. selbst die Regierung angetreten, schädigte er die Interessen seines Reichs im höchsten Grade durch seine unstete, launische Politik nach außen. Nachdem er sich 1800 eng an Rußland angeschlossen und durch seinen Beitritt zur bewaffneten Neutralität der nordischen Mächte England dazu gereizt hatte, Embargo auf alle schwedischen Schiffe zu legen und die Insel St.-Barthélemy zu besetzen, verbündete er sich 1802 mit England und trat 1805 der dritten Koalition gegen Frankreich bei. Obwohl er mit dem schwedisch-russischen Heer, mit dem er in Pommern gelandet war, weder 1805 noch 1806 zu einer kriegerischen Aktion gelangte, so schloß er doch aus Haß gegen Napoleon auch nach der Versöhnung Rußlands und Frankreichs in Tilsit keinen Frieden und wurde so das Opfer der Versöhnung. Napoleon bemächtigte sich Pommerns und gab Rußland die Erlaubnis, Finnland zu erobern. Als Gustav IV. 1808 die russische Forderung, dem Kontinentalsystem beizutreten und den englischen Schiffen die Häfen der Ostsee zu verschließen, ablehnte, rückte ein russisches Heer plötzlich und ohne Kriegserklärung in Finnland ein, brachte durch Verrat des schwedischen Admirals Cronstedt 6. April Sweaborg nebst der Schärenflotte in seine Gewalt und besetzte hierauf ganz Finnland. Statt die Wiedereroberung dieses wichtigsten Besitzes zu versuchen, begann Gustav einen Krieg mit Dänemark und schickte ein Heer zur Eroberung Norwegens aus, das unter großen Verlusten zum Rückzug gezwungen wurde. Den Beistand Englands verscherzte er, indem er die Ausschiffung des englischen Hilfskorps verbot, den Befehlshaber desselben verhaften und alle englischen Schiffe in schwedischen Häfen mit Beschlag belegen ließ. Währenddessen waren die Russen von den Alandsinseln nach S. selbst hinübergegangen, und das Volk verlangte stürmisch die Beendigung des unglücklichen Kriegs. Statt dessen forderte Gustav immer neue Opfer und Anstrengungen und erbitterte das Heer, besonders die Garden, durch willkürliche Härte. Daher bildete sich unter den Offizieren eine Verschwörung, durch welche der König 13. März 1809 entthront und 29. März zu einer Entsagungsakte gezwungen wurde. Der am 1. Mai zusammentretende Reichstag erklärte Gustav IV. Adolf und seine leiblichen Erben der Krone für immer verlustig, proklamierte seinen Oheim als Karl XIII. zum König (6. Juni 1809) und änderte die Verfassung dahin, daß der König zwar die ausübende Gewalt behalten, die wichtigsten Angelegenheiten aber in einem der Nation verantwortlichen Staatsrat von neun Mitgliedern entschieden werden sollten. Der Friede mit Rußland kam 17. Sept. 1809 in Frederikshamn zu stande und kostete S. ganz Finnland und Österbotten (300,000 qkm mit 900,000 Einw.). Mit Dänemark wurde der Friede 10. Dez. 1809 zu Jonköping ^[richtig: Jönköping] ohne Opfer hergestellt; Pommern erlangte S. 1810 von Frankreich zurück, mußte aber der Kontinentalsperre beitreten.

Da Karl XIII. kinderlos war, hatte der Reichstag 1809 den Prinzen Christian August von Augustenburg zum Thronfolger erkoren. Da der Prinz, der bei Bürgern und Bauern sehr beliebt, dem Adel verhaßt war, schon 28. Mai 1810 auf eine den Verdacht des Mordes erweckende Weise plötzlich starb, setzte der Adel auf dem Reichstag zu Örebro 25. Aug. 1810 die Wahl des französischen Marschalls Bernadotte zum Thronfolger durch. Derselbe trat zur lutherischen Kirche über, ward von Karl XIII. adoptiert und zum Generalissimus ernannt und war fortan der eigentliche Regent Schwedens. Doch hatte das weniger eine Annäherung an Frankreich als eine Entfremdung zur Folge. Zwar mußte S. auf Napoleons Verlangen im Dezember 1810 an England den Krieg erklären, doch wurde derselbe lau geführt und auch die Kontinentalsperre, um den Handel nicht völlig zu vernichten, nicht streng aufrecht erhalten. Napoleon verlangte darauf die Stellung von 2000 Matrosen, die Einführung des Tarifs von Trianon und die Anstellung französischer Zollbeamten in Gotenburg. Aber Bernadotte, auf Napoleon eifersüchtig, lehnte dies ab, schloß mit England zu Örebro Frieden (12. Juli 1812) und mit Rußland ein Schutz- und Trutzbündnis (5. April 1812), in welchem dies versprach, S. zum Ersatz für Finnland zum Besitz Norwegens zu verhelfen. Aber erst im Sommer 1813 nahm S. gegen die Zahlung englischer Subsidien mit einem kleinen Heer unter der Führung des Kronprinzen am Kriege gegen Napoleon einen sehr zweideutigen Anteil (s. Deutscher Befreiungskrieg, S. 770). Nach der Schlacht bei Leipzig wandte sich Bernadotte gegen Dänemark und zwang es im Kieler Frieden (14. Jan. 1814) zur Abtretung Norwegens, wogegen S. auf Schwedisch-Pommern verzichtete. Zwar widersetzten sich die Norweger dem Vollzug dieses Friedensschlusses, erklärten sich für unabhängig und wählten den bisherigen dänischen Statthalter, Prinzen Christian, zu ihrem König. Das schwedische Heer drang darauf in Norwegen und die überlegene schwedische Flotte in den Meerbusen von Christiania ein; die Hauptfestung Frederiksstad fiel, das schwedische Heer umging das norwegische und erzwang den Übergang über den Glommen. Der bald darauf erfolgte Vertrag zu Moß (14. Aug.) nötigte den Prinzen Christian zum Verzicht, und die in Christiania versammelten Stände riefen 4. Nov. Karl XIII. zu ihrem Erbkönig aus, der die von den Norwegern selbst entworfene Verfassung von Eidsvold beschwor und sich mit einer sehr lockern Union Schwedens und Norwegens begnügte. Daher war der Erwerb Norwegens nur ein Gewinn für die Dynastie, nicht für S. selbst, da die Norweger allen Versuchen, beide Reiche inniger zu verschmelzen, hartnäckigen Widerstand entgegensetzten.

Neueste Zeit.

Karl XIII. starb 5. Febr. 1818, und ihm folgte Bernadotte als Karl XIV. Johann (1818-44). Derselbe widmete sich besonders der Pflege der materiellen Interessen durch Kultur wüster Strecken, Flußbettkorrektionen, Kanal- und Straßenbauten; von den hierfür bis 1837 verausgabten 24 Mill. Thlr. nahm der Götakanal den größten Teil in Anspruch. Trotzdem ferner für die Vermehrung der Land- und Seemacht manches geschah, wurde die auswärtige Schuld völlig getilgt, die innere vermindert und ein