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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schwefelbalsam - Schwefelkohlenstoff.

Schwefelbalsam (geschwefeltes Leinöl, Oleum lini sulfuratum, Balsamum sulfuris), Lösung von 1 Teil Schwefel in 6 Teilen Leinöl, durch Kochen bereitet, ist zähflüssig, rotbraun, war ehemals ein geschätztes äußerliches Arzneimittel gegen mancherlei Krankheiten, wird jetzt aber kaum noch angewandt. Eine Lösung in 3 Teilen Terpentinöl wird in den Apotheken als S. (O. terebinthinae sulfuratum, B. sulfuris terebinthinatum) verkauft und vom Landvolk bisweilen noch benutzt. In der Technik dient S. zur Darstellung von Glanzgold und Glanzplatin auf Porzellan.

Schwefelbaryum, s. Baryumsulfuret.

Schwefelblei, s. Bleisulfuret.

Schwefelblumen, Schwefelblüte, s. Schwefel, 724.

Schwefelcalcium, s. Calciumsulfurete.

Schwefelchlorür (Chlorschwefel) SCl entsteht, wenn man einen Strom von getrocknetem Chlor langsam zu geschmolzenem Schwefel leitet, der in einer Retorte auf 125-130° erhitzt wird. Die entweichenden Dämpfe verdichtet man in einer gut gekühlten Vorlage, worauf das Produkt durch wiederholte Destillation gereinigt wird, bis es bei 138° siedet. S. bildet eine bernsteingelbe Flüssigkeit vom spez. Gew. 1,705, riecht eigentümlich unangenehm erstickend, reizt die Augen zu Thränen, schmeckt sauer, ätzend bitter, raucht stark an der Luft, ist flüchtig, siedet bei 138°, zersetzt sich mit Wasser in Chlorwasserstoff, Schwefel und schweflige Säure, mischt sich mit Schwefelkohlenstoff und Benzin, löst sich in Alkohol und Äther unter Zersetzung, löst 67 Proz. Schwefel und dient zum Vulkanisieren des Kautschuks. Bei weiterer Behandlung mit Chlor verwandelt sich S. in dunkelrotes, flüssiges Schwefelchlorid SCl2 ^[SCl_{2}], welches bei 64° siedet und dabei in Chlor und S. zerfällt.

Schwefelcyanallyl, s. Allylalkohol.

Schwefelcyanverbindungen, s. Rhodanverbindungen.

Schwefeldioxyd, s. v. w. Schwefligsäureanhydrid, gewöhnlich schweflige Säure genannt.

Schwefeleisen, s. Eisensulfurete.

Schwefelfaden, durch geschmolzenen Schwefel gezogenes Baumwollgarn, diente früher als Feuerzeug, jetzt noch bei der Sprengarbeit in Bergwerken (als Schwefelmännchen) und zum Schwefeln (Räuchern mit schwefliger Säure).

Schwefelgeruch beim Blitz, von Ozon herrührende Erscheinung, s. Ozon, S. 590.

Schwefelhölzchen, s. Zündhölzchen.

Schwefeljodid (Jodschwefel) SJ entsteht beim Zusammenschmelzen von Schwefel mit Jod als schwarzgraue, strahlig-kristallinische Masse, reiner bei Einwirkung von Schwefelchlorür auf Jodäthyl. Es dient in Salben gegen Hautkrankheiten.

Schwefelkadmium, s. Kadmiumsulfuret.

Schwefelkalium, s. Kaliumsulfurete.

Schwefelkännchen, hohe cylindrische Trinkgefäße aus gelbbraunem oder rötlichem Steinzeug mit aufgepreßten Ornamenten in Streifen oben und unten, welche in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. in Siegburg verfertigt wurden.

Schwefelkies (Eisenkies, Pyrit), Mineral aus der Ordnung der einfachen Sulfuride, kristallisiert in regulären, parallelflächig-hemiedrischen Kristallen und zeigt einen großen Reichtum an Formen und Kombinationen. Er findet sich auch in kugeligen, nierenförmigen, knolligen Aggregaten, derb, eingesprengt, in Dendriten und als Anflug, in Afterkristallen nach Magnetkies, Kupferkies, Quarz, Flußspat und vielen sonstigen Mineralspezies sowie in Paramorphosen nach Markasit. Ferner ist S. ein sehr gewöhnliches Vererzungsmittel pflanzlicher und tierischer Reste. Er ist speisgelb, oft braun durch oberflächliche Zersetzung; Härte 6-6,5, spez. Gew. 4,9-5,2, besteht aus Doppeltschwefeleisen FeS2 ^[FeS_{2}], mit 46,7 Proz. Eisen, ist nicht selten gold- und silberhaltig oder durch Kupfer, Mangan, Kobalt, Thallium, Arsen und Selen verunreinigt. Chemisch identisch, aber kristallographisch verschieden ist der Markasit (s. d.). Der S. ist ungemein verbreitet und kommt in fast allen Gesteinen und Formationen vor. Oft bildet er geschlossene Lager, ist an vielen Orten ein wichtiges Gangmineral und tritt am häufigsten eingesprengt, mitunter äußerst fein verteilt im Gestein auf. Die schönsten Kristalle stammen von Traversella, Elba und vom St. Gotthard; bauwürdige Lager finden sich bei Meggen in Westfalen (Goslar, Schwelm, Merzdorf in Schlesien, an mehreren Orten am Rhein), in Ungarn, Steiermark, in der Schweiz, bei Lyon und Alais, in Belgien, im Val d'Aosta, in Cornwall, Devonshire, in der Grafschaft Wicklow auf Irland, bei Falun, in Norwegen, vor allem aber in Spanien und Portugal in einer Zone, die sich parallel der Sierra Morena von der Westgrenze der Provinz Sevilla bis ans Meer erstreckt. Früher als Feuer- und Flintenstein vielfach benutzt, dient S. jetzt zur Schwefel-, Schwefelsäure-, Eisenvitriol- und Alaunfabrikation. Die Rückstände bei der Schwefel- und Schwefelsäurebereitung, die sogen. Schwefelkiesabbrände, verarbeitet man auf Kupfer und Eisen. Der goldhaltige S. ist für einige Orte, so namentlich Schemnitz, ein wichtiges Golderz. S. wird häufig in Brauneisenstein umgewandelt und unterliegt, wenn auch nicht so leicht wie Markasit, namentlich im Zustand feiner Verteilung, der oxydierenden Einwirkung der die Gesteine durchdringenden Tagewasser. Dabei bildet sich neben Eisenvitriol noch freie Schwefelsäure, und dies hat je nach Beschaffenheit des den S. beherbergenden Gesteins eine Reihe sekundärer Prozesse im Gefolge. Sind kohlensaure Verbindungen vorhanden, so können Säuerlinge entstehen; Magnesium haltende Gesteine liefern Bittersalzquellen, Kalksteine gipsreiche Wasser; Alkalien führende Silikatgesteine werden alaunhaltig, Braunkohlen werden geschwärzt und in steinkohlenähnliche Massen übergeführt. Das zuletzt erwähnte Vorkommen des Schwefelkieses in Kohlen kann den technischen Wert derselben stark beeinträchtigen, indem der S. bei erhöhter Temperatur die Hälfte seines Schwefelgehalts leicht abgibt (Abschwefeln der Kohlen). Endlich kann, namentlich wenn das Kohlenklein nicht sorgfältig aus den Gruben entfernt wird, die mit der Oxydation des Schwefelkieses verbundene Temperaturerhöhung zur Selbstentzündung des Kohlenflözes führen (vgl. Steinkohle).

Schwefelkohlenstoff (Kohlensulfid, Kohlendisulfid, Schwefelalkohol, Carboneum sulfuratum) CS2 ^[CS_{2}] entsteht bei Einwirkung von Schwefeldampf auf Kohle bei mittlerer Rotglut und bei Destillation von Schwefelkies und andern Schwefelmetallen mit Kohle, findet sich daher im rohen Leuchtgas, welches aus schwefelkieshaltiger Kohle bereitet wird, und wird dargestellt, indem man eine aufrecht stehende gußeiserne Retorte mit Holzkohle oder Koks füllt, sehr gleichmäßig auf mittlere Rotglut erhitzt und dann in den untern, durch eine horizontale Siebplatte abgegrenzten Teil der Retorte Schwefel einträgt, so daß die Schwefeldämpfe die glühende Kohle durchströmen müssen. Der gebildete Schwefelkohlenstoffdampf wird in einem gut wirkenden Kühlapparat verdichtet und der rohe S., welcher höchst widerwärtig riecht, durch