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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schwefelwasserstoffammoniak; Schwefelweinsäure; Schwefelwismut; Schwefelwurzel; Schwefelzinn; Schweflige Säure

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Schwefelwasserstoffammoniak - Schweflige Säure.

Substanzen, z. B. der Schwefelkies führenden Steinkohlen, so daß er sich z. B. im rohen Leuchtgas findet. Endlich tritt S. ganz allgemein auf bei der Fäulnis schwefelhaltiger organischer Stoffe, z. B. der Eiweißkörper (faule Eier), sowie auch bei Fäulnis derartiger nicht schwefelhaltiger Stoffe in Gegenwart von Schwefelsäuresalzen (besonders Gips), die zu Schwefelmetallen reduziert und durch andre Fäulnisprodukte unter Entwickelung von S. zersetzt werden. Zur Darstellung von S. übergießt man Schwefeleisen mit verdünnter Schwefelsäure und benutzt dazu besondere Apparate, welche eine genaue Regulierung der Gasentwickelung gestatten und das Entweichen nicht verbrauchten Gases verhindern. Auch durch Erwärmen von Schwefelantimon (Grauspießglanz) mit Salzsäure, Zersetzung von Sodarückständen mit Salzsäure und durch Einwirkung der Produkte der trocknen Destillation von Brennstoffen auf glühenden, Schwefeldämpfe entladenden Schwefelkies wird S. dargestellt. Er bildet ein farbloses Gas, riecht höchst widerlich nach faulen Eiern, schmeckt süßlich, wird bei -70° und unter einem Druck von 17 Atmosphären bei 11° zu einer farblosen Flüssigkeit verdichtet, die bei -85° erstarrt und bei -61,8° siedet. Sein spezifisches Gewicht ist 1,19, 1 Volumen Wasser löst bei 0° 4,37, bei 10° 3,23 Volumen (Schwefelwasserstoffwasser). S. reagiert schwach sauer, ist sehr giftig, erzeugt Bewußtlosigkeit und führt Erstickung herbei (Luft mit 1/3500 Volumen S. tötet Vögel, mit 1/300 Vol. S. einen Hund), höchst entzündlich und verbrennt zu schwefliger Säure und Wasser; mit Luft gemischt, explodiert er bei Annäherung einer Flamme. Bei Vergiftungen mit S. hält man ein mit Essig befeuchtetes Tuch, auf welches man einige Körnchen Chlorkalk gestreut hat, vor die Nase. Bei plötzlichem Einatmen von viel S. stürzen die Befallenen oft sofort zu Boden und sterben, wenn sie nicht schnell in reine Luft gebracht und mit kaltem Wasser begossen werden. In wässeriger Lösung zersetzt er sich an der Luft in Wasser und Schwefel, über 400° zerfällt er in Schwefel und Wasserstoff, und mit schwefliger Säure zersetzt er sich in Schwefel und Wasser. Er bildet mit mehreren Metallen direkt Schwefelmetalle, gibt mit Metalloxyden Schwefelmetall und Wasser, und aus Metallsalzlösungen fällt er Schwefelmetalle, wenn letztere durch die frei werdende Säure nicht zersetzt werden (Bleizuckerpapier wird durch sehr geringe Mengen S. gebräunt, resp. geschwärzt). Durch Chlor, konzentrierte Schwefelsäure und Salpetersäure wird S. zersetzt. In Räumen, welche viel S. enthalten, beseitigt man das Gas durch Einspritzen von wässeriger schwefliger Säure, Chlorwasser oder Lösungen von Chlorkalk, übermangansaurem Kali, Eisenvitriol, Manganchlorür etc. Die in Wasser löslichen Hydroxyde geben mit S. Hydrosulfide. Man benutzt S. zur Reinigung der Schwefelsäure von Arsen und Metallen, zur Gewinnung von Kupfer, welches aus Laugen als Schwefelkupfer gefällt wird, zur Darstellung von Zinnober, Antimonzinnober und Schwefelammonium, zum Überziehen der Zündhölzchenköpfchen mit einer metallisch schimmernden Haut von Schwefelblei, als Antichlor, in der chemischen Analyse und in der Form von Mineralwässern als Arzneimittel gegen mancherlei chronische Krankheiten. Das bei gewissen Industriezweigen reichlich auftretende Schwefelwasserstoffgas wird häufig verbrannt, um die hierbei entstehende schweflige Säure zur Fabrikation von Schwefelsäure zu verwerten; auch verbrennt man nur die Hälfte des Schwefelwasserstoffs und zersetzt die andre Hälfte mit der bei der Verbrennung entstandenen schwefligen Säure, so daß man den gesamten Schwefel gewinnt. Vgl. Stifft, Die physiologische und therapeutische Wirkung des Schwefelwasserstoffgases (Berl. 1886).

Schwefelwasserstoffammoniak, s. Ammoniumsulfhydrat.

Schwefelweinsäure, s. Äthylschwefelsäure.

Schwefelwismut, s. Wismutglanz.

Schwefelwurzel, s. Peucedanum.

Schwefelzinn, s. Zinnsulfide.

Schweflige Säure (Schwefligsäureanhydrid, Schwefeldioxyd) SO2 ^[SO_{2}] entströmt manchen Vulkanen und entsteht bei der Verbrennung von Schwefel, beim Rösten von Schwefelmetallen an der Luft und bei der Zersetzung von Schwefelsäure bei hoher Temperatur oder durch reduzierende Substanzen. Sie entweicht daher in großer Menge beim Rösten schwefelhaltiger Erze, bei der Darstellung des Ultramarins und des Glaubersalzglases und findet sich auch in den Verbrennungsgasen der Braun- und Steinkohlen, welche in der Regel Schwefelkies führen. Zur Darstellung der schwefligen Säure erwärmt man konzentrierte Schwefelsäure mit Kupfer, Kohle oder Sägespänen. Im letztern Fall erhält man ein Gemisch von schwefliger Säure und Kohlensäure, und ein solches entsteht auch beim Verbrennen von Schwefelkohlenstoff. In der Technik gewinnt man s. S. durch Verbrennen von Schwefel an der Luft, viel häufiger aber durch Rösten von Pyrit (Schwefelkies), auch verwertet man die s. S., welche bei vielen hüttenmännischen Operationen als lästiges Nebenprodukt entweicht. Ebenso röstet man die schwefelreiche Lamingsche Masse, die wiederholt zum Reinigen von Leuchtgas gedient hat, oder man erhitzt Braunstein, Kupferoxyd oder Eisenvitriol mit Schwefel; auch wird schwefelsaures Zinkoxyd so stark erhitzt, daß es in s. S., Sauerstoff und Zinkoxyd zerfällt. Oder man läßt konzentrierte Schwefelsäure auf glühende poröse Substanzen fließen, wobei sie in s. S., Sauerstoff und Wasser zerfällt, während bei Einwirkung von Schwefelsäure auf Schwefel bei 400° nur s. S. und Wasser entstehen. Häufig wird auch als Nebenprodukt erhaltener Schwefelwasserstoff zu schwefliger Säure und Wasser verbrannt. S. S. bildet ein farbloses Gas vom spez. Gew. 2,11, riecht sauer, stechend, erstickend, verdichtet sich bei -20° und durch Druck zu einer farblosen Flüssigkeit vom spez. Gew. 1,491, welche bei -8° siedet, an der Luft sehr schnell unter Erniedrigung der Temperatur auf -50° verdampft und bei -76° erstarrt. Wasser löst von dem Gas bei 0° 79,789, bei 20° 39,374, bei 40° 18,766 Volumen. Den Gehalt der Lösung, welche wie das Gas riecht und schmeckt und sauer reagiert, ergibt die Tabelle, welche für die Temperatur von 15° gilt:

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Prozente SO2 ^[SO_{2}] Spez. Gewicht

0,5 1,0028

1,0 1,0056

1,5 1,0085

2,0 1,0113

2,5 1,0141

3,0 1,0168

3,5 1,0194

4,0 1,0221

4,5 1,0248

5,0 1,0275

5,5 1,0302

6,0 1,0328

6,5 1,0353

7,0 1,0377

7,5 1,0401

8,0 1,0426

8,5 1,0450

9,0 1,0474

9,5 1,0497

10,0 1,0520

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In Alkohol löst sich s. S. noch reichlicher als in Wasser, und auch in Glycerin ist sie leicht löslich. In der Kälte gibt die gesättigte Lösung Kristalle von H2SO3+14H2O ^[H_{2}SO_{3}+14H_{2}O], welche bei 1-2° schmelzen. Das Schwefeldioxyd ist nicht brennbar, unterhält nicht die Verbrennung, erträgt hohe Temperaturen, zersetzt