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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schweiz

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Schweiz (Klima, Pflanzen- und Tierwelt).

Flüsse Länge Kilom. Gebietsareal QKilom. Gletscherareal QKilom. Prozent

1) Rhein (bis Basel) 348 35907 750 2,09

Aare 280 11789 294 2,53

Thièle 134 3421 - -

Reuß 146 3411 145 4,25

Limmat 141 2414 45 1,87

2) Rhône 233 7995 1037 12,98

3) Tessin 70 6548 126 1,92

4) Inn 87 1971 182 9,26

Mit großen und kleinen Seebecken sind sowohl viele Gebirgsthäler als manche Thalsohlen der flachen S. geschmückt. Die beträchtlichsten derselben gehören teils der Hochebene selbst, teils den Thalpforten an, mit welchen die Gebirgsthäler zum Flachland sich öffnen, so der größte von allen, der Genfer See (578 qkm), dem an Größe der am entgegengesetzten Ende der Schweizer Hochebene liegende Bodensee zunächst steht. Gehört ersterer dem Rhônegebiet an, so reihen sich die Seen des Rheingebiets dem Bodensee an, so hauptsächlich der Neuenburger, Murten- und Bieler, der Brienzer und Thuner, der Vierwaldstätter und Zuger, der Walen- und Zürichsee u. a. Dem Netz des Po gehören der Lago Maggiore und Luganer See sowie der Comersee an, erstere zwei teilweise, letzterer schon ganz auf italienischem Boden.

[Klima.] Erhebliche Unterschiede sind bedingt durch die Höhenlage und die Richtung der Gebirge. In den Alpen bleibt von ungefähr 2600 m an der Schnee an allen Stellen liegen, wo er haften kann; daher die Firnmeere der hohen Bergmulden, während schroffe Felswände, auch wenn sie über der Schneegrenze liegen, das nackte Gestein zeigen. Der größere Teil des Landes, das gesamte Rheingebiet, ist nach N. geneigt, also kalten Winden ausgesetzt und von den Sonnenstrahlen abgewandt; umgekehrt die Südseite des Gebirges, z. B. Tessin. Daher der große Unterschied beider alpiner Seiten nach Klima und Organismen. Die mittlere Jahreswärme der Hochebene beträgt 8-10° C., in Lugano 11,5°. Auch das untere Rhônethal zeichnet sich durch eine hohe Sommerwärme und geringe sommerliche Niederschläge aus. In St. Gallen, am Eingang in das Voralpenland, erreicht das Jahresmittel bloß 7,5°, in dem hohen, von Schnee- und Gletschermassen umgebenen Zermatt nur 5,5°. Man zählt im Süden ca. 120, im N. 145 bis 165 jährliche Regentage. Die Regenmenge (der Schnee in Wasser verwandelt) bewegt sich zwischen 700 und 2000 mm; sie beträgt z. B. in Sion (Wallis) 900, in Bern 1023, in Neuenburg 977, in Einsiedeln 1657, in Bellinzona 1703 mm. Höhere Alpengegenden besitzen einen beträchtlichen Schneefall. Bei dem Hospiz des St. Bernhard z. B. beträgt er oft in einem Monat weit über 2 m, und um Bevers (Oberengadin) liegt, bei einem Gesamtschneefall von über 3 m, die weiße Decke nicht selten 5-6 Monate lang auf der Thalfläche. Nebel sind häufig, besonders in Sumpf- und Wassergegenden, z. B. im Seeland. Ein eigentümlicher Wind ist der Föhn (s. d.). Im ganzen ist das Schweizer Klima der Gesundheit zuträglich, namentlich die Bergluft rein und stärkend. Darum stehen die Alpenkurorte im günstigsten Ruf, während einige milde, vor rauhem Wind geschützte Lagen (Gersau, Montreux, Lugano) zum Herbst- und Winteraufenthalt sich empfehlen. Berühmt als Winterkurorte für Brustkranke sind die hohen Alpenthäler von Davos, Oberengadin und Ursern. Die Zahl der Kurorte in der S. wurde 1888 auf 450 angegeben, wovon die meisten auf die Kantone Bern, Graubünden, Waadt, St. Gallen und Appenzell entfallen. Nur in einigen tief gefurchten und feuchtwarmen Alpenthälern gibt es schlechtes Quellwasser und schädliche Ausdünstungen, und da trifft man (jetzt allerdings nicht mehr so oft wie früher, d. h. unter schlimmern sozialen Zuständen) jene leiblich und geistig verkümmerten Kropfmenschen, die Kretins.

Nach dem Charakter der Landschaft und ihrer Vegetation lassen sich fünf Regionen unterscheiden: Hügelregion bis 800 m, Bergregion 800-1200 m, untere Alpenregion 1200-1800 m, obere Alpenregion 1800 bis 2600 m, Schneeregion über 2600 m. Die Hügelregion umfaßt wie alle tiefern Landesteile, so namentlich die Hochebene. Da gibt es noch ziemlich viele Laubwälder, welche hauptsächlich aus Stein- und Stieleichen, Buchen, Hainbuchen und mancherlei Sträuchern bestehen. Man sieht aber auch sorglich gepflegte Forsten von Rot- und Weißtannen und Lärchen, seltener von Föhren, vereinzelt Eiben. Die Hügelregion ist die Stufe des Acker-, Obst- und Weinbaues; doch halten sich Mais und Weinrebe selbst hier an die mildesten Striche. Kastanienbäume gedeihen nicht selten im transalpinen Gebiet, seltener diesseit der Alpen, so am Zuger und Vierwaldstätter See. In den tiefern Stufen des Tessin treffen wir sogar Feigen und Orangen, Granat- und Mandelbäume. Die Bergregion begreift die Abhänge und Hochthäler des Jura, die untern Stufen des Voralpenlandes und die tiefen Hochalpenthäler. Der Kampf zwischen Laub- und Nadelwald entscheidet sich hier mit einer völligen Niederlage des erstern; es verschwinden die Obstbäume, selbst der Roggen allmählich; man pflanzt Hafer, Gerste und namentlich Kartoffeln. Mehr und mehr nehmen die Bergweiden überhand und bereiten so auf die folgende Region vor. Im Jura sind die klimatischen Verhältnisse ungünstiger als in den Alpen. Getreide- und Kartoffelbau wird in den höhern Teilen schon bei 1000 m sehr unsicher, und die Grenze der Waldregion fällt durchschnittlich auf höchstens 1500 m. Das Tier ist weniger von der Beschaffenheit des Bodens und der Luft abhängig als die Pflanze; darum sind im großen Ganzen die Tiergeschlechter der Hügelregion auch über die Bergregion verbreitet. Als Besonderheit erscheint, daß der Mäusebussard und der Turmfalke die häufigsten Tagraubvögel der Bergregion sind, daß von den 23 Entenarten der S. nur die Stockente regelmäßig die Wasserbecken der Bergregion bezieht, daß diese Höhenstufe eine Giftschlange voraus hat (die redische Viper), daß der Lachs zum Laichen sogar in die Gewässer der zweiten Region hinaufsteigt. Die Alpenregion umfaßt die obern Stufen von Jura und Voralpen sowie die höchsten Alpenthäler. Sie charakterisiert sich durch ein Überwiegen der Alpweiden und (soweit der Wald reicht) durch unbedingte Herrschaft des Nadelholzes. Es vermag sich selbst der Bergahorn nur noch in den untern Stufen zu behaupten. Zu den Tannen und Lärchen treten auch zwei Kiefern häufiger: die Föhre und die Arve. Von Feldbau gibt es nur Spuren, und die Dörfer, höher auch die einzelnen Wohnhäuser, werden immer seltener. Soweit die Nadelhölzer noch ordentliche Bestände bilden, heißt die Alpenregion die untere, zum Unterschied von der obern, die nur Weiden hat; in dieser obern ist die Alpenrose fast das einzige Holzgewächs. Die Alpenregion ernährt das stattliche Rindvieh und die Ziege, welche leicht die steilen Felsen erklimmt. Dieser Höhenstufe sind eigentümlich: der Alpenhase, die Gemse, der Steinadler und Lämmergeier, auch einige Reptilien, z. B. der Alpenfrosch;