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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sealskin; Séance; Seapoy; Season; Seattle; Seb; Sebaceus; Sebak; Sebaldsbrück; Sebaldus; Sebaste; Sebastian

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Sealskin - Sebastian.

nach Amerika, bereiste die südwestlichen Staaten der Union und Texas und schrieb seinen ersten Roman: "Tokeah, or the white rose" (Philad. 1828, 2 Bde.). 1829-30 war er als Mitarbeiter an dem "Courrier des États-Unis" zu New York thätig, lebte dann als Berichterstatter mehrerer Zeitungen in Paris und London und siedelte 1832 nach der Schweiz über, von wo aus er in der Folge noch dreimal Amerika besuchte, und starb, erst in seinem Testament das Geheimnis seines Lebens enthüllend, 26. Mai 1864 auf seinem Gut "Unter den Tannen" bei Solothurn. 1881 wurde ihm in Znaim ein Denkmal errichtet. Seine deutschen Schriften, als: "Transatlantische Reiseskizzen" (Zürich 1834, 2 Bde.), "Lebensbilder aus beiden Hemisphären" (das. 1835-37, 6 Bde.; 2. Aufl. u. d. T.: "Morton, oder die große Tour", 1846), "Kajüttenbuch, oder nationale Charakteristiken" (das. 1841, 2 Bde.), ferner die Romane: "Der Legitime und die Republikaner" (das. 1833, 3 Bde., eine Umarbeitung des "Tokeah"), "Der Virey und die Aristokraten" (das. 1834, 2 Bde.), "Die deutsch-amerikanischen Wahlverwandtschaften" (das. 1839-40, 5 Bde.) und "Süden und Norden" (das. 1842-43, 3 Bde.), fanden ungemeinen und verdienten Anklang. S. erscheint darin als Schöpfer einer neuen Auffassung des historischen Romans, die auf unmittelbare Wiedergabe großer sozialer und historischer Bewegungen abzielt. Die Helden seiner Romane sind nicht einzelne Personen, sondern Völker in ihrem öffentlichen und Privatleben, in ihren materiellen, politischen und religiösen Beziehungen. Namentlich sein "Virey", die mexikanischen Zustände um 1811 schildernd, muß in dieser Beziehung als ein Meisterstück ersten Ranges angesehen werden. Dabei zeichnen sich diese Dichtungen durch treffliche Charakterzeichnung, geistvollen, dramatischen Dialog und unübertreffliche Schilderungen aus, über welchen Vorzügen man eine gewisse Nachlässigkeit in der Ausführung und gelegentlichen Manierismus des Stils wohl übersehen kann. Aus seinem Nachlaß trat die Erzählung "Die Grabesschuld" (hrsg. von A. Meißner, Leipz. 1873) hervor. Seine "Gesammelten Werke" erschienen in 3. Auflage Stuttgart 1845-46, 15 Bde. Vgl. Kertbény, Erinnerungen an S. (Leipz. 1864); Gottschall in "Unsere Zeit", neue Folge, Bd. 1 (das. 1865); Smolle, Charles S. (Wien 1875); Hamburger, S.-Postl, bisher unveröffentlichte Briefe etc. (das. 1879).

Sealskin (engl., spr. ssihl-, Seidenbiber), Robbenfell (s. Robben), auch ein dies kostbare Pelzwerk nachahmender Seidenplüsch.

Séance (franz., spr. sseangs), Sitzung, Session.

Seapoy (spr. ssihpeu), s. Sepoy.

Season (engl., spr. ssihs'n), s. Saison.

Seattle (spr. ssittel), Ort im nordamerikan. Territorium Washington, am Pugetsund, Sitz einer Universität, hat Kohlengruben, Sägemühlen und (1881) 3533 Einw.

Seb, ägypt. Gott, von den Griechen mit Kronos identifiziert, zeugte mit Nut (Rhea) den Osiris und die Isis sowie den Typhon und die Nephthys und steht somit an der Spitze des jüngern Götterkreises. In späterer Zeit symbolisiert S. auch die Erde.

Sebaceus (lat.), talgartig.

Sebak, ägypt. Gott, ward mit einem Krokodilskopf dargestellt (s. Abbild.) und als Gott des steigenden Nils und besondere Form des Horus namentlich in Oberägypten verehrt, wo er in Omboi einen Tempel hatte und häufig als S.-Ra mit dem Sonnengott identifiziert ward.

^[Abb.: Sebak.]

Sebaldsbrück, Dorf bei Bremen, unweit der Weser und an der Linie Wunstorf-Bremerhaven der Preußischen Staatsbahn, hat ein Hauptzollamt, Zigarren-, Silberwaren-, Aluminium-, Kistenfabrikation, Jutespinnerei, Bierbrauerei und (1885) 591 Einw.

Sebaldus, der heilige, der Schutzpatron Nürnbergs, dessen Abkunft ebenso ungewiß ist wie das Jahr seines Todes, soll die Tochter des Königs Dagobert III. geheiratet, sich aber schon am Tag nach der Hochzeit wieder von ihr getrennt und nach einer erfolgreichen Missionsthätigkeit in Bayern, bei Nürnberg, als Einsiedler niedergelassen haben. Sein Leichnam ward in der Peterskapelle zu Nürnberg bestattet, die darauf zur Sebalduskirche erweitert und später mit einem prachtvollen Grabmal des Heiligen (von P. Vischer) geschmückt wurde. S. ward 1425 kanonisiert; sein Gedächtnistag ist der 19. August.

Sebaste, Stadt, s. Samaria.

Sebastian, 1) Heiliger der katholischen Kirche, diente nach der Legende unter Diokletian als Hauptmann in der Prätorianergarde und ward, da er sich weigerte, seinen Glauben abzuschwören, von mauretanischen Bogenschützen mit Pfeilen durchbohrt. Unter der Pflege einer Christin, Irene, wieder genesen, ward er 288 zu Tod gestäupt. Er ist Patron der Schützengesellschaften, sein Tag der 20. Januar. Sebastians Martyrium bildet einen Lieblingsgegenstand der christlichen Kunst, die ihn meist als schönen, nur mit dem Lendentuch umgürteten Jüngling, an den Baum oder Pfahl gebunden und von zahlreichen Pfeilen durchbohrt, darstellt. Von den Kunstwerken dieser Art verdienen besondere Erwähnung die Statue von M. Civitali im Dom zu Lucca (s. Tafel "Bildhauerkunst VI", Fig. 12), die Bilder von Luini (Certosa von Pavia), Soddoma (Uffizien zu Florenz), Mantegna (Belvedere in Wien), Holbein (Pinakothek in München), P. Veronese (San Sebastiano in Venedig), Domenichino (Maria degli Angeli in Rom) etc.

2) Dom, König von Portugal, geb. 1554, der nachgeborne Sohn des Infanten Johann und Johannas, einer Tochter Kaiser Karls V., kam 1557 nach dem Tod seines Großvaters Johann III. zur Regierung unter Vormundschaft seines Oheims, des Kardinals Heinrich. Ein religiöser Fanatiker, schwärmte S. für eine Erneuerung der Kreuzzüge und die Eroberung Afrikas u. Indiens, unternahm schon 1574 mit 900 Portugiesen eine Expedition nach Tanger gegen die Mauren und nahm 1578 in dem Krieg zwischen dem Scherif Mulei Moloch u. dessen Neffen Mulei Mehemed für letztern Partei. Er landete glücklich bei Alzira und griff den Scherif 4. Aug. bei Alkazar an; doch ward fast das ganze portugiesische Heer aufgerieben, und S. selbst verschwand im Getümmel der Schlacht; mit Mühe wurde sein entstellter Leichnam aufgefunden und in Ceuta, später in Portugal beigesetzt. Doch bestritt man die Echtheit desselben. Daher traten, nachdem Philipp II. von Spanien auf den Thron Portugals gelangt war, einige Abenteurer als Pseudosebastiane auf. Die bedeutendste Rolle unter diesen spielte der vierte, der 1598 in Venedig auftrat, nach Spanien ausgeliefert