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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sedanrot; Sedanschwarz; Sedativsalz; Sedativum; Sedelhöfe; Sedentär; Sedes; Sedez; Sedgemoor; Sedgley; Sedgwick; Sédillot

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Sedanrot - Sédillot.

führt, von dessen Anwesenheit in S. man deutscherseits nichts wußte. Hinsichtlich der Kapitulation ward Bronsart an den General v. Wimpffen verwiesen; der Kaiser schrieb aber gleichzeitig an den König einen Brief, in welchem er sich zum Kriegsgefangenen erklärte, und welchen sein Generaladjutant Reille noch am Abend dem König überbrachte. Dieser beauftragte den General v. Moltke mit den Verhandlungen über die Kapitulation.

Moltke und v. Wimpffen trafen noch am Abend des 1. Sept. in Donchéry zusammen. Es kam jedoch zu keiner Einigung, indem sich der französische General zu den ihm gestellten Bedingungen, Niederlegung der Waffen und Kriegsgefangenschaft der ganzen Armee, nicht verstehen wollte. Obwohl ein französischer Kriegsrat sich mit 30 von 32 Stimmen gegen Wiederaufnahme des Kampfes aussprach, weigerte sich v. Wimpffen, die Kapitulationsverhandlungen wieder zu beginnen, und nun machte Kaiser Napoleon am Morgen des 2. Sept. in einer Unterredung, die er mit Bismarck in einem Häuschen bei Donchéry hatte, den Versuch, die Erlaubnis zum Übertritt der französischen Armee auf belgisches Gebiet zu erlangen. Dieselbe wurde abgelehnt, und da inzwischen der von deutscher Seite gestellte Termin für den Wiederbeginn des Kampfes, 9 Uhr, verstrichen war, Wimpffen angekündigt, daß die deutsche Artillerie ihr Feuer wieder eröffnen werde, wenn bis 10 Uhr die Kapitulation nicht gesichert sei. Jetzt entschloß sich Wimpffen dazu und unterzeichnete um 11 Uhr auf Schloß Bellevue bei Frénois die Kapitulation, welche die ganze französische Armee (39 Generale, 230 Stabsoffiziere, 2600 Subalternoffiziere, 83,000 Mann) für kriegsgefangen erklärte; alles Zubehör der Armee, Waffen, Geschütze (419), Adler und Fahnen, Pferde, Kriegskassen etc. sowie die Festung S. sollten sofort übergeben werden. 21,000 Franzosen waren schon vorher gefangen genommen worden, 17,000 gefallen, 3000 über die belgische Grenze entkommen. Auf deutscher Seite betrug der Gesamtverlust an Toten: 190 Offiziere und 2832 Mann, Verwundete 282 Offiziere und 5627 Mann; die Bayern hatten am meisten verloren. Erst nachdem die Kapitulation unterzeichnet war, fand im Schloß Bellevue die Zusammenkunft der beiden Monarchen statt. Dieselbe dauerte nur eine Viertelstunde; gleich nach derselben begab sich der gefangene Kaiser, von selbst erbetener preußischer Eskorte bis an die Grenze geleitet, über Belgien nach dem ihm bestimmten Aufenthaltsort Wilhelmshöhe. Die kaiserliche Armee war jetzt vom offenen Feld völlig verdrängt, und der Zusammensturz des Napoleonischen Kaiserthrons war die unmittelbare Folge der Katastrophe von S., deren Schmach das beleidigte leidenschaftliche Nationalgefühl ganz auf das Kaisertum warf. Die Friedenshoffnungen aber, welche man in Deutschland an den Tag von S. knüpfte, sollten sich ebendeshalb nicht erfüllen, weil das französische Volk bei S. nur das verachtete Kaisertum, nicht sich selbst besiegt glaubte. Vgl. den Bericht des großen Generalstabs: "Der deutsch-französische Krieg 1870-71", Tl. 1, S. 1139-1294; Helmuth, Sedan (Berl. 1874); von französischer Seite: Wimpffen, S. (Par. 1871); Derselbe, Réponse au général Ducrot (das. 1871); Ducrot, La journée de S. (das. 1871); "Enquête parlementaire sur les actes du gouvernement de la défense nationale", Bd. 1 (das. 1873).

Sedanrot, s. Naphthalin.

Sedanschwarz (Elbeufschwarz), auf mit Indigoküpe grundierter Wolle oder Seide durch Blauholz, Sumach und Eisenvitriol hervorgebrachtes Schwarz.

Sedativsalz, s. v. w. Borsäure.

Sedativum (lat.), beruhigendes Mittel.

Sedelhöfe (Setelhöfe), s. Bauerngut, S. 469.

Sedentär (lat.), sitzend, seßhaft, ansässig.

Sedes (lat.), Sitz, Wohnsitz; auch s. v. w. Stuhlgang. S. apostolica, der päpstliche Stuhl.

Sedez, Buchformat, bei welchem der Bogen 32 Seiten oder 16 Blätter zählt.

Sedgemoor (spr. sseddsch-muhr), Marschebene in Somersetshire (England), 5 km südöstlich von Bridgewater. Hier wurden die Truppen des Herzogs von Monmouth 6. Juli 1685 von der Armee Jakobs II. unter Lord Feversham geschlagen. Die Schlacht bei S. ist die letzte, die auf englischem Boden ausgefochten ist.

Sedgley (spr. sseddschli), Stadt in Staffordshire (England), dicht bei Wolverhampton, mit ergiebigen Kohlen- und Eisensteingruben, Fabrikation von Eisenwaren und (1881) 14,784 Einw.

Sedgwick (spr. sseddsch-), 1) Adam, Geolog, geb. 1786 zu Dent (Yorkshire), studierte Theologie in Cambridge, erhielt 1818 die Priesterweihe, wurde 1834 Kanonikus an der Kathedrale zu Norwich und starb 27. Jan. 1872 in Cambridge. Seit 1818 Professor der Geologie an der Universität zu Cambridge, beteiligte er sich hervorragend an dem gewaltigen Aufschwung, welchen die Geologie in den ersten Jahrzehnten des laufenden Jahrhunderts nahm, und lieferte mit Murchison gemeinschaftlich eine Reihe von Arbeiten über die paläozoischen Formationen Englands, Belgiens und Deutschlands. Sein Werk "Remarks on the structure of large mineral masses and especially on the chemical changes produced in the aggregation of stratified rocks during different periods after their disposition" (Lond. 1835) wirkte epochemachend. Außerdem schrieb er: "Discourse on the studies of the university of Cambridge" (1850 u. öfter); "British palaeozoic rocks and fossils" (mit Mc. Coy, 1855); "Synopsis of classification of British palaeozoic rocks" (1873).

2) Catherine, amerikan. Schriftstellerin, geb. 1789 zu Stockbridge in Massachusetts, schrieb zahlreiche Novellen und Erzählungen, unter andern: "A New England tale" (New York 1822, neue Aufl. 1852); "Redwood" (1824), durch feine Charakterschilderung ausgezeichnet und vielfach übersetzt; "Hope Leslie" (1827, 2 Bde.), eine Erzählung von frischer Originalität, welche die Geschichte der ersten Ansiedler in Massachusetts behandelt; "Clarence" (1830); "Le Bossu" (1832); "The Linwoods" (1835); "Married or single" (1857) u. a. Auch Jugend- und Volksschriften sowie Reiseschilderungen (sie bereiste 1840 England, Deutschland und Italien) hat sie veröffentlicht. S. war in Wort und That stets die Freundin der Armen und Bedrückten und verfolgte als Schriftstellerin eine entschieden religiös- christliche Tendenz. Ihre Darstellung ist durch Reinheit des Stils ausgezeichnet, aber nicht frei von weiblicher Breite und Wortfülle. Von ihren Schriften nennen wir noch: "Means and ends" (1838), ein Buch, das als Handbuch der Selbsterziehung für junge Damen vorzüglich geschätzt ward. Sie starb 31. Juli 1867. Vgl. Dewey, Life and letters of Cath. S. (New York 1871).

Sédillot (spr. ssedijoh), Louis Amélie, franz. Orientalist, geb. 23. Juni 1808 zu Paris, Sohn des Orientalisten und Astronomen Jean Jacques S. (gest. 1832), studierte in Paris Philosophie und Jurisprudenz sowie bei seinem Vater orientalische Sprachen, lehrte dann als Professor der Geschichte an verschiedenen Collèges, war zu gleicher Zeit als Advokat