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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Seebälle; Seeband; Seebär; Seebarbe

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Seebälle - Seebarbe.

Luft bei gleichmäßigerer Temperatur und der gleich einer permanenten Douche wirkende Wellenschlag hinzu. Ein gewisser, wenn auch geringer Gehalt sowohl des Seewassers als auch der Seeluft an Jod pflegt auch, obwohl ohne erwiesene Berechtigung, als heilbringender Faktor aufgeführt zu werden. Das Seewasserbad wirkt, wie das Solbad, reizend auf die Haut, ableitend von innern Organen und die Hautperspiration erhöhend; es vermehrt den Appetit und steigert den Stoffwechsel. Man benutzt das S. besonders gegen Krankheiten, die durch Störungen der normalen Blutbildung und Ernährung sowie durch geschwächte Nerven- und Hautthätigkeit hervorgerufen sind. Dahin gehören namentlich Skrofulose, englische Krankheit, Knochenfraß, Blutarmut und Bleichsucht, wenn sie nicht Folge organischer Fehler sind. Eine zweite Gruppe bilden die Krankheiten, welche in Schwächung der willkürlichen oder unwillkürlichen Muskulatur verschiedener Organe, wie des Magens und Darmkanals etc., beruhen; ferner dienen Seebäder gegen Nervenleiden mannigfacher Art, endlich auch als Nachkur nach ein- und angreifenden Mineralwasserkuren sowie bei allgemeinen Schwächungszuständen der mannigfachsten Art. Die Nordseebäder zeichnen sich aus durch salzreiches Wasser, lebhaften Wellenschlag, kühle, erregende Luft und eine Temperatur von 16-17° R. und eignen sich für kräftigere, jedenfalls nicht lungenkranke Personen. Als Hauptrepräsentanten sind zu nennen: Helgoland, Boulogne sur Mer und Dieppe, Brighton, Wyk auf Föhr, Westerland auf Sylt, Norderney, Ostende, Scheveningen und die Insel Wight. Die Ostseebäder haben entschieden geringern Salzgehalt und ruhigeres Wasser und sind für schwächliche, selbst reizbare Personen geeignet. Zu nennen sind: Kolberg, Dievenow, Zoppot, Doberan, Düsternbrook bei Kiel, Putbus, Binz und Saßnitz auf Rügen, Swinemünde, Heringsdorf, Misdroy, Travemünde bei Lübeck. Die südlichen Seebäder liegen meist am Mittelländischen Meer, haben bedeutenden Salzreichtum, im Sommer hohe Temperatur (bis 27° C.), aber fast keinen Wellenschlag. Sie empfehlen sich ebenfalls für reizbare, schwächliche Personen. Hervorzuheben sind: Venedig, Triest, Ischia bei Neapel, Nizza, Marseille, Cannes, Biarritz in der Bai von Viscaya u. a. Seebäder wurden schon im Altertum benutzt, als Heilmittel aber erst in neuester Zeit, zuerst in England, dann auch, nachdem Lichtenberg und Janus sie empfohlen hatten, in Deutschland. Das älteste deutsche S. ist Doberan (1793). Vgl. Fromm, Bedeutung und Gebrauch der Seebäder (4. Aufl., Norden 1885).

Seebälle, s. Zostera.

Seeband, Alge, s. Halymenia.

Seebär (Bärenrobbe, Ohrenrobbe, Otaria Péron), Säugetiergattung aus der Ordnung der Robben und der Familie der Ohrenrobben (Arctocephalina), Robben mit normalen Eckzähnen, kleinen Ohrmuscheln, langem Hals und ziemlich weit aus dem Körper hervorragenden und ihn tragenden Gliedmaßen. Der S. (O. ursina Pér., s. Tafel "Robben"), bis 3 m lang (die Weibchen nur halb so lang), mit gestrecktem Leib, kurzem Hals, verhältnismäßig langem, spitzem Kopf, ziemlich kleinem Maul, wenigen Schnurrborsten auf der Oberlippe, großem Auge, flossenartigen Vorderfüßen, sehr verbreiterten und verlängerten Hinterfüßen, an welchen drei von den fünf Zehen Nägel tragen, dunkelbraunem, am Vorderkörper weiß gesprenkeltem Pelz, findet sich an der Küste Patagoniens und Westafrikas, der Falklandinseln, Neusüdschottlands, Südgeorgiens, im Beringsmeer und an der St. Paulsinsel; er lebt meist auf hoher See, macht weite Wanderungen und kommt nur zum Zweck der Fortpflanzung an einsamen Stellen ans Land, wo er, ohne zu fressen, längere Zeit verweilt. Jedes Männchen hat 8-15 Weibchen. Das Weibchen wirft ein Junges, selten zwei. Der S. ist am Land sehr behend und hat ein ungemein zähes Leben. Man jagt ihn des vortrefflichen Pelzes und des wohlschmeckenden Fleisches halber. Die St. Paulsinsel sollen jährlich mehr als 1 Million Seebären besuchen; durch rücksichtslose Verfolgung hat sich ihre Zahl sehr erheblich vermindert, aber es werden im ganzen doch noch jährlich 150,000 Stück getötet. Bei der Jagd schleicht sich eine Anzahl geübter Leute an die Küste, wo die jüngern Männchen lagern, und treibt die Herde landeinwärts bis zum Schlachtplatz, wo die geeigneten durch einen Schlag auf die Nase getötet werden, während man den übrigen die Flucht gestattet. Weibchen werden nicht getötet. Die Mähnenrobbe (O. jubata Desm.), bis 2,7 m lang, hat ein beim alten Männchen auf dem Rücken mähnenartig verlängertes Haar, ist auf der Oberseite des Kopfes hell-, an den Wangen dunkelbraun, an der Schnauze schwarz, auf dem Rücken gelblichgrau, am Bauch braungelb, an den nackten Flossen schwarz. Das bedeutend kleinere Weibchen weicht in der Färbung erheblich ab. Die Mähnenrobbe bewohnt die Südspitze Südamerikas und findet sich südlich bis zum Grahamsland. Sie macht weite Wanderungen, weilt der Fortpflanzung halber monatelang am Land, und das Weibchen wirft hier ein Junges. Man jagt sie wenig eifrig, weil sie geringen Nutzen gewähren. Der Seelöwe (O. Stelleri Less.), bis 5 m lang, ist mit einem kurzen, harten, in der Färbung schwankenden Haarkleid und nur an den Extremitäten mit einer rauhkörnigen Haut bedeckt, das viel kleinere Weibchen ist in der Regel hellbraun gefärbt. Er findet sich an der asiatischen und amerikanischen Küste des Großen Ozeans nördlich von den Schildkröteninseln, bewohnt auch dicht bevölkerte Gegenden und dringt in die Buchten und selbst in die Flüsse ein. Einem Männchen folgen 3-4 Weibchen. Die Seelöwen erscheinen wild und bösartig, fliehen aber vor dem Menschen und kämpfen nur in der Not, wobei sie dann eine sehr große Kraft entwickeln. Sie fressen Fische, Weich- und Krebstiere, Pinguine und Möwen. Man jagt sie des Speckes und des Felles halber, welches auf Leim verarbeitet wird. Die Eingebornen trocknen auch das Fleisch für den Winter und verarbeiten die gegerbten Gedärme zu Kleidern. Die Seelöwen halten sich leicht in der Gefangenschaft und lassen sich in hohem Grad zähmen.

Seebarbe (Mullus L.), Fischgattung aus der Ordnung der Stachelflosser und der Familie der Seebarben (Muloidei), Fische mit länglichem, wenig zusammengedrücktem, mit großen Schuppen bedecktem Körper, gewölbtem Kopf, gewöhnlich schwachzahnigem Gebiß, zwei Barteln, zwei voneinander entfernten Rückenflossen, großen, nicht oder fein gezähnelten Schuppen, finden sich in allen tropischen Meeren, in Europa bis in die gemäßigten Breiten, leben sehr gesellig, oft in großen Schwärmen, streifen wenig umher, kommen im Sommer an flache, sandige Küsten, um zu laichen, und suchen ihre Nahrung, kleine Krebs- und Weichtiere und allerlei faulende Stoffe, durch Gründeln im Schlamm. Der Rotbart (Rotbarbe, M. barbatus L.), ohne Zähne im Oberkiefer, mit verhältnismäßig schmalen Schuppen, 30-45 cm lang, gleichmäßig karminrot, unterseits silbern schillernd, an den Flossen gelb, lebt im Mittelmeer, auch an der