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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Seiba; Seibertz; Seiches; Seïd; Seide

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Seiba - Seide.

halten sich die Tangenten der S. umgekehrt wie die Entfernungen. Bei verschieden großen und entfernten Gegenständen stehen die Tangenten der S. im direkten Verhältnis der wahren Größen und im umgekehrten der Entfernungen. Bei kleinen Winkeln kann man ohne merklichen Fehler statt der Tangenten das Verhältnis der Winkel selbst nehmen.

Seiba (Ceiba), Stadt der Sektion Trujillo im Staat Andes der südamerikan. Republik Venezuela, im südöstlichen Winkel der Lagune von Maracaibo, steht mit dem 40 km entfernten Mendoza durch eine Eisenbahn in Verbindung.

Seibertz, Engelbert, Zeichner und Maler, geb. 21. April 1813 zu Brilon in Westfalen, ging 1830 auf die Akademie in Düsseldorf und besuchte 1832-1835 diejenige zu München. Von dort bereiste er Tirol und Italien, lebte dann sechs Jahre in Österreich und nahm 1852 seinen Wohnsitz in München. Er begann seine Thätigkeit mit Porträten, die wegen ihrer Ähnlichkeit und geistvollen Auffassung vielen Beifall fanden. Von 1848 bis 1852 entstand seine Hauptschöpfung, die Zeichnungen für die Cottasche Ausgabe von Goethes "Faust", denen 1853 Wandmalereien im Maximilianeum, eine Versammlung großer Staatsmänner und die Gründung des Maximiliansordens für Kunst und Wissenschaft, folgten. Die nördlichen Arkaden des neuen Friedhofs in München hat er mit Fresken geschmückt und für den Dom zu Glasgow Kartons zu Glasgemälden gezeichnet. Seine Erfindung, die Stereochromie mit trocknen Farben auszuführen, brachte ihm den Michaelsorden ein.

Seiches (franz., spr. ssähsch), periodische Niveauschwankungen des Genfer Sees und im weitern Sinn auch andrer Seen. Nach einer von Merian aufgestellten, von Thomson vereinfachten Formel ist die Dauer der Oszillation der Länge des Sees direkt, der Quadratwurzel seiner mittlern Tiefe umgekehrt proportional, und dies gilt nach Forel auch für den Neuenburger, Brienzer, Thuner, Wallen- und Bodensee, wo die Erscheinung "Ruhß" genannt wird.

Seïd (arab., "Herr"), Titel der Abkömmlinge des Propheten (bei den Türken Emir genannt), denen allein es zusteht, einen grünen Turban und ein grünes Oberkleid zu tragen. Die Seids stehen bei ihren Glaubensgenossen in großem Ansehen, und eine Beleidigung derselben wird streng geahndet. In Persien gibt es deren mehrere Zweige (Aliden, Fatimiden, Dschafariden etc.), doch auch viele Pseudo-Seids. Nach dem Tod werden der Turban und die Kuppel auf dem Grabmal des S. grün angestrichen. Die Seids heißen auch Scherif ("Edler"), obwohl dieser Beiname von Rechts wegen nur dem Oberhaupt der in direkter Linie vom Propheten abstammenden Familie gebührt. Der Scherif von Mekka ist der oberste Aufseher der Kaaba und wird als hoher Würdenträger der Pforte vom Sultan ernannt, der ihm jährlich reiche Geschenke zu schicken hat.

Seide, der von der Seidenraupe aus dem Sekret ihrer Spinndrüse gefertigte Faden, aus welchem sie behufs der Verpuppung einen Kokon spinnt. Das aus zwei feinen Öffnungen unter dem Munde der Raupe austretende honigdicke Sekret vereinigt sich zu einem einzigen massiven Faden, der an der Luft sofort erhärtet. Die Raupe erzeugt zuerst ein lockeres, grobes, durchsichtiges Gespinst (Flockseide) und innerhalb desselben den dichten, eiförmigen, 33-36 mm langen Kokon (Galette) von 20-25 mm Durchmesser, dessen innerste Schicht von pergamentartiger Beschaffenheit ist. Da nun weder die letztere Schicht noch das äußere lose Fädengewirr technisch nutzbar ist, so erhält man von den ca. 3700 m, aus welchen der ganze Kokon besteht, nur etwa 300-600, seltener 900 m brauchbare S. Von frischen Kokons wiegen durchschnittlich 540 (von den größten 360, von den kleinsten 1200) 1 kg. Die rohe S. ist weiß, blaß- oder hochgelb, zuweilen auch rötlichgelb; von dem einfachen Kokonfaden wiegen 2570-3650 m 1 g; er ist bemerkbar abgeplattet, von 0,013-0,026 mm Dicke, läßt sich um 15-20 Proz. seiner Länge ausdehnen und reißt bei einer Belastung mit 43,62 kg pro QMillimeter (ein Drittel der Festigkeit besten Eisendrahts). Er ist völlig strukturlos und besteht aus etwa 66 Proz. stickstoffhaltiger Seidensubstanz (Fibroin), welche mit oberflächlich anhängenden Stoffen verunreinigt ist. Letztere bestehen aus leimartiger, in Wasser, nicht in Alkohol löslicher Substanz, Seidenleim (gleichsam ein Hydroxyd des Fibroins), aus Fett und Wachs (1-1,5 Proz.). Die gelbe S. enthält 1/30 Proz. harzartigen, gelben, in Alkohol und heißem Seifenwasser löslichen Farbstoffs. Die von diesen Verunreinigungen befreite S. hat ein spezifisches Gewicht von 1,3, löst sich in Kupferoxydammoniak und beim Kochen mit Kalilauge, in konzentrierter Schwefelsäure, Salpetersäure und Salzsäure, wenig in Essigsäure und tritt, aus ihren Lösungen abgeschieden, stets in Fadenform auf. Rohe S. hinterläßt etwa 0,6 Proz. Asche.

Da der auskriechende Schmetterling mittels eines durch den Mund abgesonderten Saftes den Kokon befeuchtet, erweicht und durchbohrt, so muß die Puppe vor dem Auskriechen getötet werden. Dies geschieht in einem Backofen oder in einer geheizten Kammer bei einer Temperatur von 57-75° C., auch durch Wasserdampf, indem man die Kokons nach dem Abpflücken der Flockseide in locker geflochtenen Körben etwa 10 Minuten auf einen Kessel mit kochendem Wasser setzt. Nachdem die Kokons alsdann sorgfältig sortiert sind, werden sie abgehaspelt (Spinnen). Man legt sie in heißes Wasser und schlägt sie mit einem kleinen Besen oder mechanisch bewegten Bürsten oder tränkt sie in Netzbeuteln mit warmem Wasser und schüttelt sie dann, um auf die eine oder die andre Weise den Anfang des Kokonfadens, der sich an die Reiser oder Netzmaschen anhängt, zu finden. Die Kokons werden dann in warmes Wasser (25-27°) gebracht und die Fäden von 3-8, selbst 15-20 Kokons, je nach der Stärke der darzustellenden S., bereinigt, indem man sie durch gläserne Ringe leitet. Mittels des vom Wasser erweichten Seidenleims kleben die Kokonfäden zusammen und bilden, ohne eine Drehung erhalten zu haben, einen starken Seidenfaden, der sofort auf einen Haspel gewickelt wird. 10-16 kg frische, grüne Kokons oder 7-9 kg gebackene geben 1 kg gehaspelte S., was auf 1 Kokon 150-180 (bis 240) mg oder 1/8 vom Gewicht des ganzen Kokons (mit der Puppe) beträgt.

Die gehaspelte S. (rohe S., Grège-, Rohseide, Grezseide) wird meist gezwirnt, indem man zwei und mehr Fäden durch Zusammendrehen vereinigt. Aber auch wenn dies nicht geschieht, muß der Faden der Rohseide eine Drehung erhalten; er wird dadurch runder, dichter und verliert die Eigenschaft, beim spätern Entschälen in einzelne Kokonfäden zu zerfallen. Das Zwirnen (Filieren, Moulinieren) ist eine sehr einfache Operation, die auf Spulmaschinen, Dubliermaschinen und Zwirnmaschinen (Spinnmühlen, Filatorien) ausgeführt wird. Nach den Verschiedenheiten in der Zusammensetzung und Drehung der Fäden unterscheidet man: Organsin (Orsoyseide, Kettenseide), aus den schönsten Kokons, aus 2, seltener 3 Fäden gezwirnt, deren jeder aus 3-8