Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Seilbohren; Seile; Seilerwaren

834

Seilbohren - Seilerwaren.

zu einer Schraube ausgebildet und trägt einen Handhebel e, dessen Auge als Mutter der Schraube dient. Durch Drehen des Hebels e auf dem Gewinde nach oben drückt nun der Arbeiter die Scheibe b gegen a und klemmt das Zugseil zwischen beiden Scheiben ein; hierbei kommt der Hebel in seine senkrechte Stellung, in welcher er mittels des Stiftes h und der Feder i durch die Nase k des Bolzens c festgehalten wird. An der Entladestelle angelangt, wird der Hebel durch Anschlagen gegen eine Platte m nach unten gedreht, nachdem vorher durch Zurückschlagen des Feststellhebels die Festhaltung gelöst worden ist. Gleichzeitig drückt die Feder f die Scheibe b von sich ab, und das Zugseil wird frei. Die Bahnlinie muß zwischen zwei Stationen gerade sein, während sie an letztern beliebige Winkel bilden darf. S. werden besonders zur Beförderung von Steinen, Erzen, Brennmaterial etc. benutzt. Vgl. "Handbuch für spezielle Eisenbahntechnik", Bd. 5, S. 544 (Leipz. 1878); "Österreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen" 1884, Nr. 50; "Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover" 1885, Sp. 537; "Stahl u. Eisen" 1887, S. 551. Neuerdings sind auch S. mit elektrischem Betrieb (Telpheragesystem, Telpherbahnen) vorgeschlagen und gebaut worden (Thongrubenbahn bei Glynde in Sussex), bei welchen das Tragseil einen elektrischen Strom auf einen hängenden, mit den Wagen verkuppelten elektrischen Motor überträgt, welcher die Lokomotive des Wagenzugs bildet.

^[Abb.: Fig. 3 u. 4 Scheibenkuppelung.]

Seilbohren, s. Erdbohrer, S. 740 f.

Seile, Stricke, welche stärker als eine Schnur oder Leine und schwächer als ein Tau sind.

Seilerwaren, aus Hanf, Flachs oder anderm Material hergestellte Seile, Taue, Bindfäden und ähnliche Produkte. Hanf eignet sich durch die Lange und Festigkeit seiner Fasern ganz besonders zu S., Flachs wird nur zu dünnen Bindfäden benutzt. Andre Rohstoffe sind: Lindenbast zu Brunnenseilen, Packstricken und Trockenschnuren für Papierfabriken; ostindischer Hanf oder Sunnhanf, welcher wegen seiner kürzern Faser dem europäischen nachsteht; neuseeländischer Flachs, dessen Produkte die aus europäischem Hanf gefertigten noch übertreffen sollen; Manila- und Jutehanf, welche bedeutend leichter als europäischer Hanf sind und zu Glockenschnüren, Matten und Tauwerk aller Art verarbeitet werden; Aloehanf, dessen Seile sich wie diejenigen aus Manilahanf durch schnelles Trocknen auszeichnen, weshalb sie nicht geteert zu werden brauchen. Die genannten Fasern werden zuerst gehechelt und zwar auf groben Hecheln, welche aus 6-7 Reihen eiserner Zähne von 7-30 cm Länge und 1-1,3 cm Dicke bestehen, die in einem starken Eichenholzklotz befestigt sind, der auf einer Werkbank festliegt, während der Arbeiter eine Handvoll fächerartig ausgebreitet vorsichtig durch die Zähne zieht und den Hanf zugleich nach der Länge sortiert. Aus den Fasern wird zuerst Garn gesponnen, und durch wiederholtes Zusammendrehen von Garnen werden Seile und Taue gebildet, Arbeiten, die sämtlich auf der Reeper- oder Seilerbahn, einem langen, freien, geschützten Platz, stattfinden. Als Werkzeug dient das Seilerrad, welches aus einem hölzernen Gestell besteht, in dem etwa 1,5 m über dem Fußboden 4-8 horizontale Spindeln parallel gelagert sind, die von einem 1,5 m großen Rad vermittelst Schnüre in Drehung versetzt werden und an den freien Enden Haken zur Befestigung des Spinnmaterials tragen. Der Spinner bindet sich den Hanf um den Leib, zieht ein entsprechendes Büschelchen Fasern heraus, hängt dieses mit einer Öse (Müsche) in einen der Haken des Rades und schreitet nun rückwärts fort, wobei sich neue Fasern herausziehen, die mit den alten zusammengedreht werden. In der rechten Hand hält er den Spinnlappen, durch welchen er den gesponnenen Faden glättet. Die so erhaltenen, zu dünnen Seilen bestimmten Fäden werden sofort weiter verarbeitet; diejenigen zu stärkern Seilen haspelt man indessen auf, um sie dann vereinigt auf ein Gestell zu bringen, von welchem aus sie zu den aus einer beliebigen, oft großen Anzahl Fäden bestehenden Litzen verarbeitet werden. Diese Arbeit, das "Abbrühen", beruht darauf, daß die Fäden, wenn sie parallel nebeneinander gelegt und an beiden Enden untereinander vereinigt werden (Scheren, aufschweifen), das Bestreben haben, sich auf-^[folgende Seite]