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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Semester - Seminar.

laufs des Sir Darja, und anderseits bis zu den Gletschern vor, welche am Fuß des Khan-Tengri die Quellen des Larydjas (Zufluß des Tarym) speisen. Seine Reiseberichte erschienen in russischen, zum Teil auch in deutschen Zeitschriften ("Petermanns Mitteilungen" 1858, der "Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin" 1869). Nach seiner Rückkehr beteiligte er sich an den Arbeiten zur Emanzipation der Leibeignen, wurde 1864 Direktor des Statistischen Amtes und 1882 Senator im Departement für Bauernangelegenheiten. S. gab auch ein geographisch-statistisches Lexikon des russischen Reichs (seit 1862), eine Statistik des Grundeigentums in Rußland (1878 ff., 7 Bde.) u. a. heraus.

Seméster (lat.), Zeit von sechs Monaten, besonders auf Universitäten ein halbjähriger Kursus (Sommer- und Wintersemester). Semesterreiben, nämlich eines Salamanders, üblich bei studentischen Kommersen, wobei die "alten Herren" nach dem akademischen Alter sich erheben und semesterweise einen "Salamander reiben" (s. d.).

Semgallen (Semigallia, auch Semigola), der östliche Teil des ehemaligen Herzogtums Kurland, das nach dem Untergang der Selbständigkeit des livländischen Ordensstaats 1561-1795 unter der Lehnsoberhoheit Polens stand und den östlichen Teil des gegenwärtigen Gouvernements Kurland einnimmt. S. umfaßt die Kreise Mitau und Selburg, südlich von der Düna, und hat in den Städten vorzugsweise deutsche, auf dem Land aber neben dem deutschen Adel ausschließlich lettische Bevölkerung. Von 1217 bis 1246 bestand ein Bistum S., das dann mit dem Erzbistum Riga verschmolzen wurde.

Semi (lat.), halb, fast (in Zusammensetzungen).

Semiarianer, s. Arianischer Streit.

Semibrevis (lat.), die größte der aus der Mensuralnotenschrift (s. d.) erhalten gebliebenen Notengattungen, unsre ganze Taktnote, im 13. Jahrh. noch die kleinste (!), hatte den Wert von ½ oder 1/3 Brevis, je nach der vorgezeichneten Mensur.

Semidiapente (mittellat.), verminderte Quinte.

Semiditonus (mittellat.), s. v. w. kleine Terz.

Semién (Semen, Simen, Samen, d. h. Norden oder kaltes Land), Landschaft in Abessinien, zu Amhara gehörig, wird im O. und N. vom Hauptstrom des Landes, dem Takazzé, umflossen und stellt die höchste Erhebung ganz Abessiniens, die sogen. ostafrikanische Schweiz, dar. Die Landschaft wird aus wild zerklüfteten Gebirgen durchaus vulkanischer Natur gebildet, die am Takkazé durch Schiefer und Sandstein ersetzt werden. Der höchste Gipfel ist nach Aarbagues de Sosten der Buahit mit 4917 m, dem Stecker nur 4529 m gibt. Der Ras Daschan hat nach Abbadie 4685, der Abba Jared 4483 m, sie reichen also noch über die bei 4287 m liegende Schneegrenze hinaus. Der höchste Wohnort des dünn bevölkerten Landes ist Barna (3595 m). Gerste wird noch in 4061 m Höhe gebaut. Alle Reisenden heben die unvergleichliche Großartigkeit der Landschaft hervor, die nach Rüppells Ausspruch "den Charakter der Hochalpen Europas vergegenwärtigt, und der nur die malerisch gelegenen Sennhütten fehlen".

Semik (Ssemik, russ.), der siebente Donnerstag nach Ostern, wird in Rußland als Volksfesttag mit Tanz und allerlei Unterhaltungen gefeiert, Überrest eines altheidnischen Frühlingsfestes.

Semikolon (lat.-griech., Strichpunkt), Interpunktionszeichen (;), wurde früher und noch jetzt in manchen Sprachen dazu gebraucht, um in längern Sätzen den Vordersatz vom Nachsatz zu scheiden, wird aber jetzt fast wie der Punkt zur Trennung selbständiger Sätze angewendet.

Semil, Stadt im nördlichen Böhmen, an der Iser und der Pardubitz-Reichenberger Bahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit Schloß, großer Baumwollspinnerei und Wollwarendruckerei, Bierbrauerei und (1880) 2688 Einw.; Geburtsort des tschechischen Parteiführers Rieger.

Semilor (Similor), Kupferzinklegierung von sehr goldähnlicher Farbe; auch mit Tombak galvanisch überzogenes Britanniametall.

Seminar (lat. seminarium, "Pflanzschule"), Bildungs- und Vorbereitungsanstalt für Lehrer und Geistliche, namentlich für Volksschullehrer. Schon im Altertum wurde das Wort bildlich zur Bezeichnung von Bildungsanstalten aller Art gebraucht. Im Mittelalter wurden besonders die Domschulen so genannt, welche vorwiegend den Zweck hatten, künftige Geistliche heranzubilden. Daher bekam das Wort allmählich den Sinn: "Vorbereitungsanstalt für Geistliche"; seit der Kirchenversammlung von Trient (1545 bis 1563), welche allen Bischöfen die Einrichtung solcher Anstalten zur Pflicht machte, wurde es in diesem Sinn amtliche Bezeichnung. Erst viel später wurde, zuerst in Deutschland und Frankreich, das Bedürfnis empfunden, Seminare zur Heranbildung künftiger Lehrer, namentlich für die Volksschule, zu begründen. Die Gründung einer solchen Anstalt beabsichtigte schon der treffliche Herzog Ernst der Fromme von Sachsen-Gotha (gest. 1675). Die Idee eines Seminars für Lehrerinnen vertrat Fénelon in seiner Schrift über die Mädchenerziehung (1687). Ein Séminaire des maîtres d'école schuf in Reims (1684) J. B. ^[Jean-Baptiste] La Salle, der Stifter der christlichen Schulbrüder. Herzog Ernsts Idee wurde von Aug. Herm. Francke (s. d.) in Halle weitergebildet, welcher 1695 ein Seminarium praeceptorum in seinem Haus begründete, das später in enger Verbindung mit dem Waisenhaus fortbestand und eine große Anzahl von Lehrern für höhere und niedere Schulen vorgebildet hat. Ähnliche Anstalten wurden unter Begünstigung Friedrich Wilhelms I. von Preußen am Waisenhaus auf der Lastadie bei Stettin (1732) und am Pädagogium im Kloster Berge bei Magdeburg (1735) eingerichtet, denen 1747 das S. zu Rudolstadt, 1748 das zu Berlin, vom Realschulrektor J. J. ^[Johann Julius] Hecker begründet, 1750 und 1751 Schulmeisterseminare zu Hannover, Braunschweig, Wolfenbüttel folgten. Langsam haben sich dann diese heilsamen Anstalten, zumal auch durch die warme Empfehlung des Domherrn F. E. v. Rochow (s. d.) und der sogen. Philanthropien (Basedow u. a.), verbreitet und aus geringen Anfängen zu erfreulicher Blüte entwickelt. Erneute Aufmerksamkeit wurde dem Seminarwesen vor allem seit 1807 unter dem Eindruck der Niederlagen von 1806 und im Geist Pestalozzis von der preußischen Regierung gewidmet. Doch ist systematische Fürsorge für die Heranbildung tüchtiger Lehrer erst in den letzten Jahrzehnten allgemein als unerläßliche Pflicht des Staats anerkannt worden. Von den reichlich 200 staatlichen Seminaren im Deutschen Reich, deren 115 auf Preußen entfallen, ist mehr als ein Drittel sogar erst seit 1872 entstanden; namentlich reicht von den Lehrerinnenseminaren, deren Preußen 8 öffentliche, 25 private mit staatlicher Berechtigung zählt, kaum eins über die Mitte des Jahrhunderts zurück. Von Deutschland aus haben die Seminare sich über die ganze gebildete Welt verbreitet. Auch in Frankreich, wo selbständige Ansätze in den geistlichen Orden vorhanden waren und die Revolution der Lehrerbildung