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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sequestration; Sequin; Sequitur; Sequoja; Ser.,; Séracs; Serafschan; Serail; Seraing; Serajewo; Serampur; Serang; Serapeum; Seraph; Seraphimenorden

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Sequestration - Seraphimenorden.

Sequestration (lat.), die einstweilige Übernahme einer Sache von seiten eines Dritten (Sequester), um sie zur Sicherung vor Ansprüchen aufzubewahren, womit regelmäßig deren Verwaltung verbunden ist. Sie tritt ein entweder infolge Übereinkommens unter den Parteien (sequestratio voluntaria) oder auf Anordnung des Richters (s. necessaria) und dient hauptsächlich dazu, um während eines Rechtsstreits dessen Gegenstand der einseitigen Verfügung einer Partei zu entziehen, oder zum Zweck der Hilfsvollstreckung in den Abwurf eines Vermögensstücks, wie sie denn auch in der deutschen Zivilprozeßordnung (§ 817) als einstweilige Verfügung ausdrücklich als zulässig anerkannt, auch im Fall einer Zwangsvollstreckung für statthaft erklärt ist, wenn es sich um die Pfändung eines Anspruchs an einer unbeweglichen Sache handelt (§ 747, 752). S. bezeichnet auch die zuweilen von der Staatsregierung verhängte Beschlagnahme des Vermögens derer, welche wegen politischer Vergehen angeklagt oder flüchtig sind.

Sequin, ägypt. 100-Piasterstück, = 20,75 Mk.

Sequitur (lat.), es folgt, es ergibt sich.

Sequoja Endl. (Mammutbaum), Gattung der Koniferen (Taxodieen), sehr hohe Bäume mit dicker, korkiger, aber in geschlitzten Blättern sich lösender Rinde, fast quirlförmig stehenden Hauptästen, linienförmigen, zweireihigen, nicht abfallenden Blättern, monözischen Blüten, rundlichen, kleinen Fruchtzapfen am Ende kurzer Zweige und schwach geflügelten Früchten. S. sempervirens Endl. (Taxodium sempervirens Lamb.), ein bis 95 m hoher Baum von säulen- oder pyramidenförmigem Wuchs, mit fast quirlförmig stehenden Haupt- und zwei Reihen bildenden Nebenästen und oberseits dunkel-, unterseits blaugrünen, kurz zugespitzten Blättern. Bildet in Nordamerika einen Waldstreifen von 800 km Länge und geringer Breite, der den Küsten des Stillen Ozeans folgt. Der Baum wächst ziemlich schnell und gedeiht auch in Deutschland. S. gigantea Endl., s. v. w. Wellingtonia gigantea, welche jetzt meist ebenfalls zur Gattung S. gestellt wird.

Ser., bei botan. Namen Abkürzung für N. Ch. Seringe (spr. ss'rängsch), geb. 1776 zu Longjumeau, gest. 1858 als Professor der Botanik in Lyon.

Séracs (franz.), würfelförmige Eisgebilde, welche bei Gletschern durch starke Längs- und Querspaltung entstehen; in Savoyen weißer, viereckiger Käse.

Serafschan (Sarefschan), Provinz des asiatisch-russ. Generalgouvernements Turkistan, der südlichste Teil desselben, besteht aus den Distrikten Samarkand, Katta-Kurgan und Padschakent und umfaßt 24,633 qkm (629 QM.) mit (1885) 394,446 Einw. Das Land wird von dem Fluß S. durchflossen, an dem sich das Thal Miankal hinzieht, in welchem infolge einer künstlichen Teilung des Flusses in den Akdarja und Karadarja eine Reihe üppig grünender Pflanzungen entstanden ist, welche die benachbarte Nomadenbevölkerung mit Weizen, Hirse, Reis etc. versorgen und eine Menge Kulturpflanzen, wie Flachs, Krapp, Indigo etc., hervorbringen. Speziell hervorzuheben ist hier noch die Schafzucht, welche eine Menge von Produkten nicht nur für den lokalen Bedarf, sondern auch zur Ausfuhr Pelze, Filz (Wälok), wollene Gewebe, Säcke, Lassos, Fleisch, Talg, Milch und Dünger liefert. Hauptstadt ist Samarkand.

Serail (nach dem ital. Seraglio, spr. sseralljo, pers. Seraï), s. v. w. Palast, im weitern Sinn die gesamte Haus- und Hofhaltung der Fürsten; allgemeiner auch Bezeichnung für größere Bauten überhaupt, z. B. Karawanserei.

Seraing (spr. ss'räng), Flecken in der belg. Provinz und Arrondissement Lüttich, südwestlich bei der Stadt Lüttich, an der Maas und der Eisenbahn Lüttich-Namur, einst die Sommerresidenz des Fürstbischofs von Lüttich, mit ehemals bischöflichem Schloß, vielen Landhäusern der Lütticher, Steinkohlen- und Alaunwerken, Glashütte und Kristallfabrik in der ehemaligen Abtei Val St.-Lambert, besonders merkwürdig aber durch die großartigen, von John Cockerill (s. d.) 1822 im ehemaligen Schloß gegründeten, seitdem noch bedeutend erweiterten Maschinenbauanstalten. Das Schloß wurde in seiner jetzigen Gestalt 1553 erbaut, nach dem Wiener Frieden niederländisches Staatseigentum und 1817 von Cockerill angekauft. Die Bevölkerung des Fleckens, die sich bei der Ansiedelung Cockerills auf etwa 2000 Seelen belief, beträgt (1888) 31,398 Seelen. Diese Serainger Werke umfassen Kohlengruben, Hochöfen für Eisen zur Stahlerzeugung, Eisen- und Stahlhütten, Dampfhämmer, eine Maschinenfabrik, eine Kesselschmiede etc. und beschäftigen ca. 12,000 Arbeiter. An Bildungsanstalten bestehen eine höhere Knabenschule und eine Industrieschule.

Serajewo, Stadt, s. Sarajevo.

Serampur, Stadt in der britisch-ind. Provinz Bengalen, am rechten Ufer des Hugli, Station der Gangesthalbahn, 30 km nördlich von Kalkutta, war ursprünglich eine dänische Faktorei unter dem Namen Frederiksnagor und wurde 22. Febr. 1845 von der dänischen Krone mit ihren übrigen indischen Besitzungen an die Ostindische Kompanie verkauft. Die Stadt zählt (1881) 25,559 Einw. und war ehedem Zentralpunkt der Missionsbestrebungen im nördlichen Indien mit berühmter Druckerei.

Serang, Insel, s. Ceram.

Serapeum (griech. Serapeion), Tempel des Serapis (s. d.), dergleichen es im Altertum mehrere gab. Der berühmteste war der zu Alexandria und zwar nicht nur durch seine Pracht, sondern namentlich durch die in seinen Räumen aufgestellte große Bibliothek der Ptolemäer, welche 40,000, nach andern sogar 70,000 Schriftrollen enthalten haben soll. Im alexandrinischen Kriege gegen Cäsar ging sie in Flammen auf. Vgl. Parthey, Das alexandrinische Museum (Berl. 1838). Das von Mariette aufgefundene S. zu Memphis ist der Grabtempel oder Friedhof des Serapis (d. h. der verstorbenen Apisstiere). Er umfaßte eine zweifache Anlage von Apisgräbern, eine jüngere, von Ptolemäus Soter I. herrührende und eine ältere von Amenophis III. Vgl. Mariette, Le Sérapéum de Memphis (Par. 1857-65, 36 Tafeln); Derselbe, Choix de monuments du Sérapéum (das. 1856).

Seraph (hebr., Plur. Seraphim), im Alten Testament Name engelartiger Wesen, welche den Thron Gottes lobsingend umgeben. Sie wurden später den Cherubim koordiniert.

Seraphimenorden, Schwedens ältester und höchster Orden, "das blaue Band" genannt, angeblich von Magnus Ladulås 1260 gestiftet, von König Friedrich I. 28. April 1748 erneuert, wird an auswärtige Fürsten und Staatsmänner, im Land selbst nur an die höchsten Würdenträger verliehen. Der Orden hat nur eine Klasse und wird an blauem Band getragen. Die Ritter werden "Ritter und Kommandeure der Ritterorden" genannt, weil der S. den Schwert- und Nordsternorden in sich schließt. Die Zahl der Ritter (40) wird nicht festgehalten. Die Insignien bestehen in einer aus 11 Seraphimköpfen und 11 blau emaillierten Patriarchenkreuzen zusammengesetzten Kette und einem achtspitzigen, daranhängenden Kreuz mit