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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Seraphische Brüder; Serapion; Serapis; Seraskier; Serbal; Serbaz; Serben

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Seraphische Brüder - Serben.

Seraphimköpfen in den Winkeln, Patriarchenkreuzen in den Flügeln, auf dem Avers die Buchstaben J. H. S. (Jesus Hominum Salvator) nebst den drei schwedischen Kronen, auf dem Revers die Buchstaben F. R. S. (Fridericus Rex Sueciae) zeigend; außerdem in einem Bruststern von ähnlicher Form wie das Kreuz, das am blauen Band über die Schulter von rechts nach links getragen wird. Die ältern zwölf Ritter erhalten Pensionen.

Seraphische Brüder (Seraphischer Orden), s. v. w. Franziskanerorden. Daher seraphische Regel, die Regel der Franziskaner, und seraphischer Pater, der heil. Franz von Assisi.

Serapion, 1) Name mehrerer Märtyrer u. Bischöfe der alten Kirche; am bekanntesten geworden ist S. mit dem Beinamen Sindonites (da er nichts als ein Stück Leinwand [sindon] zur Bekleidung besitzen wollte), ein wandernder Asket in der Mitte des 4. Jahrh. in Ägypten. Nach ihm sind E. T. A. Hoffmanns "Serapionsbrüder" benannt.

2) Name mehrerer arabischen Ärzte: S. der ältere, eigentlich Jahja ben Serabi, bekannt als Janus Damascenus, Arzt aus Damaskus, lehrte im 9. oder 10. Jahrh. zu Bagdad und hinterließ ein in syrischer Sprache verfaßtes Werk, das im 15. Jahrh. als "Pandectae therapeuticae" mehrfach in Italien gedruckt wurde. - Ein andrer arabischer Arzt, S. der jüngere oder Ibn Serabi, im 11. Jahrh., verfaßte das Werk "De medicamentis simplicibus", das ebenfalls im 15. Jahrh. öfters im Druck erschien.

Serapis (Sarapis), ägypt. Gott, Beherrscher der Unterwelt und der abgeschiedenen Seelen, hieß eigentlich Osar-Hap ("Osiris-Apis"), d. h. der zum Osiris gewordene oder verstorbene Apis. Die Apisstiere wurden selbst nach ihrem Tod noch verehrt, indem sie seit der 18. Dynastie bis ans Ende der griechischen Herrschaft in einer noch erhaltenen Nekropole bei Memphis bestattet wurden (s. Serapeum). Mit diesem Osiris-Apis wurde von den ägyptischen Priestern ein Gott identifiziert, der unter dem ersten Ptolemäer aus Sinope in Ägypten eingeführt und S. genannt wurde. Er ward im Gebiet des Naturlebens gedeutet als die unterirdische Sonne und, sofern Tod und Krankheit in das Gebiet des Herrschers der Unterwelt gehören, um Heilung angerufen und daher von manchen mit Asklepios identifiziert. Der Serapiskultus, in welchem sich Elemente verschiedener Religionskreise vermischten, verbreitete sich, in Verbindung mit dem der Isis, bald auch nach dem Westen und gewann im römischen Reich trotz des Einschreitens des Staats große Ausdehnung. Dargestellt wurde S. in späterer Zeit mit einem dem Zeus ähnlichen Gesicht und langem Gewand; neben ihm stand ein von einer Schlange umschlungenes Tier mit Hunds-, Löwen- oder Wolfskopf. Vgl. J. ^[Jakob] Krall, Die Herkunft des S. (Wien 1884).

Seraskier (pers.), Kriegsminister, nach Vertilgung der Janitscharen an der Stelle des Jenitscheri Agasi die höchste militärische Würde in der Türkei; gelegentlich auch Titel eines Oberfeldherrn größerer Truppenmassen. S.-Kapussi, das Kriegsministerium, von den Europäern gewöhnlich "Seraskierat" genannt.

Serbal, 2052 m hoher Berg auf der Westseite der Sinaihalbinsel, südlich vom Wadi Feiran, 40 km östlich vom Golf von Suez und ebenso weit nordwestlich vom Dschebel Musa, welchen Lepsius und Ebers in Übereinstimmung mit der Tradition für den Berg der mosaischen Gesetzgebung halten, während andre, wie es scheint mit mehr Recht, denselben im Dschebel Musa suchen (vgl. Sinai).

Serbaz (pers., "einer, der mit seinem Kopf spielt"), die reguläre pers. Infanterie, von Mehemed Schah ins Leben gerufen. Von Persien ging das Wort in gleicher Bedeutung nach Mittelasien über.

Serben, allmählich innerlich abnehmen, entkräftet werden, hinwelken, hinsiechen. Vgl. auch Schröpfen.

Serben, ein Volk slawischen Stammes, dessen Name bei Plinius und Ptolemäos zuerst als Serbi, später als Sorbi, Spori, Surbi, Sorabi vorkommt und der nach Schafarik einfach Nation, Volk bedeutet. Zusammen mit den ihnen auf das nächste verwandten Kroaten sehen wir sie im 7. Jahrh. den größten Teil Illyriens einnehmen und sich allmählich von Save und Donau gegen Süden, bis Durazzo, verbreiten, von wo sie allerdings durch die Albanesen wieder verdrängt wurden. Im allgemeinen haben sie aber seit dem 9. Jahrh. ihre alten Sitze auf der Balkanhalbinsel bewahrt, wo sie in kompakter Masse den Nordosten einnehmen. Sehen wir ab von den Kroaten und Dalmatinern, die im weitern Sinn zu den S. gehören, so finden wir dieses Volk jetzt als Hauptbevölkerung im Königreich Serbien, in Bosnien und der Herzegowina, in Montenegro und als Raizen (s. d.) in Ungarn angesessen. In Serbien wohnen etwa 1,800,000, in Montenegro 250,000, in Bosnien und der Herzegowina 1,300,000 S. Rechnet man dazu die Kroaten, Dalmatiner und Raizen Österreich-Ungarns mit 3,150,000 Seelen, so erhält man 6,500,000 als Gesamtzahl sämtlicher S. im weitesten Sinn. Wie dieselben aber politisch unter verschiedene Staaten geteilt sind, so zerfallen sie auch in religiöser Beziehung, indem bei den S. der Balkanhalbinsel die griechische, bei denen Österreich-Ungarns die katholische Religion vorherrscht. In seiner vollen Eigentümlichkeit lernen wir den S. in den innern Teilen des Königreichs kennen, zwischen Bergen und Wäldern, aus denen die Führer und Streiter im serbischen Freiheitskampf hervorgingen. Dort zeichnet sich der typische Serbe durch scharfes Gesichtsprofil und kräftige Körperformen aus. Er ist eher groß als klein, breitschulterig, selten fett. Der Kopf erscheint gut proportioniert, das Oberhaupt mehr spitz, die Stirn wohlgebildet, die Backenknochen etwas hervorragend, die Nase oft eingedrückt, aber auch wieder von schönem Adlerschnitt, das Haar meist blond oder braun, seltener schwarz. Der Serbe trägt nur Schnurrbart, bloß die Geistlichkeit macht mit Vollbärten eine Ausnahme. Die Frauen, von mittlerer Größe, zeigen regelmäßige Züge, ohne schön zu sein. Sie schminken sich und färben das Haar schwarz. Die Kleidung ist sehr mannigfaltig und wechselt, namentlich bei den Weibern, von Bezirk zu Bezirk. Auf dem Land sind faltige, weiße Leinengewänder, ein breiter Gürtel um die Mitte und braune oder lichte Oberkleider von Wolltuch bei beiden Geschlechtern in Gebrauch. Das rote Fes bildet die Kopfbedeckung. In den Städten kommt die westeuropäische Tracht mehr und mehr in Aufnahme. Die Wohnungen auf dem Land und in den kleinen Städten sind meist sehr einfacher Natur; sie bestehen aus roh behauenen Balken, zwischen welche Lehmziegel eingefügt sind, sind mit Stroh oder Holz gedeckt und in zwei oder drei Gemächer abgeteilt. Der Rauch zieht durch eine Öffnung im Dach ab; Herde oder Kamine sind kaum gekannt. Das Möblement ist das primitivste und Bettstellen wie Schränke fast unbekannt. Das beste Haus ist dasjenige des Familienältesten (Starjeschina), welches den unverheirateten Familiengliedern zur Wohnung dient, und um das sich die kleinen Häuschen der Verheirateten gruppie-^[folgende Seite]