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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Seronen - Serpentin.

Seronen (Suronen), Emballagen aus Ochsenhäuten, worin aus Südamerika trockne Waren versendet werden; doch gehen auch Bast- und Schilfmatten u. a. unter dem Namen S.

Serös (lat.), Serum (Blutwasser) enthaltend oder ausscheidend; auf Ausscheidung von Serum beruhend.

Seröse Flüssigkeiten, Körpersäfte, welche, wie die Lymphe (s. d.), durch einfache Transsudation aus dem Blut entstehen. Hierher gehören die Peritoneal-, Pleural-, Perikardial- und Cerebrospinalflüssigkeit, die Flüssigkeit des Hodensackes, die Gelenkschmiere, der Humor aqueus und das Fruchtwasser. Die serösen Flüssigkeiten sind meistens klar und durchsichtig, farblos oder schwach gelb gefärbt, von alkalischer Reaktion und besitzen ein geringeres spezifisches Gewicht als das Blutserum. Sie enthalten meistens ein kleines Quantum farbloser Blutkörperchen beigemengt. Die chemische Zusammensetzung steht derjenigen des Blutplasmas nahe, wenn auch der Eiweißgehalt großen Schwankungen unterliegt. Die fibrinbildenden Substanzen sind so spärlich vertreten, daß die Mehrzahl der serösen Flüssigkeiten nicht freiwillig gerinnt.

Seröse Häute (Membranae serosae), Doppelsäcke, in welchen sich die Eingeweide der Brust- und Bauchhöhle befinden, also Brust- und Bauchfell, Herzbeutel etc. Der äußere, weitere Sack derselben ist stets an der Innenfläche der betreffenden Höhle befestigt, während der kleinere, innere die Außenfläche der Organe mehr oder weniger völlig überzieht; im Raum zwischen beiden befindet sich eine geringe Menge einer wasserhellen (serösen) Flüssigkeit, die von den Häuten selbst ausgeschwitzt wird und zur Verminderung der Reibung dient. Bei Erkrankungen der serösen Häute sammelt sich in dem von ihnen umschlossenen Raum ein fremder Inhalt an, welcher entweder durch Verletzungen von außen eindringt, wie z. B. Luft in den Brustfellsack (Pneumothorax), oder durch entzündliche Ausschwitzung der serösen Häute selbst geliefert wird. Die Ausschwitzung ist eine wässerige, fibrinöse, eiterige oder, wenn die serösen Häute Sitz krebsiger oder tuberkulöser Neubildungen werden, eine blutige.

Seröse Hülle, s. Embryonalhüllen.

Serosin, s. Eiweiß.

Serow, Alexander, russ. Komponist und Musikschriftsteller, geb. 11. Mai 1820 zu Petersburg, trat 1840 nach beendeten Studien in den Staatsdienst und brachte es bis zum Staatsrat, gab aber 1850 die juristische Laufbahn auf, um sich ganz der Musik zu widmen, in der er frühzeitig Unterricht erhalten und sich dann durch Selbststudium weitergebildet hatte. Zunächst fing er an, sich als Musikkritiker durch eine scharfe Feder bekannt zu machen, unterzog namentlich Ulibischews Schrift über Beethoven einer strengen Prüfung (vgl. Liszts "Kritik der Kritik, oder Ulibischew und S.") und trat in verschiedenen Zeitungen für die Reformideen Wagners auf. Auch veröffentlichte er wertvolle Aufsätze über das russische Volkslied in den Zeitschriften: "Moskwa" und "Musik-Saison". Als Dichterkomponist debütierte er erfolgreich 1863 mit den Opern: "Judith" und "Rogneda", welch letztere in drei Monaten 23 Wiederholungen erlebte. Über der Ausarbeitung einer dritten Oper: "Wrazyïa sila" ("Des Feindes Macht"), ereilte ihn 20. Jan. 1871 der Tod; sie wurde von Solowiew vollendet und gehört jetzt zu den beliebtesten Repertoirestücken. Noch sind von ihm ein "Ave" und "Stabat mater" und eine Musik zu Schillers "Lied von der Glocke" zu erwähnen.

Serpa, Stadt in der portug. Provinz Alemtejo, Distrikt Beja, auf felsiger Höhe unweit des Guadiana, an der von Beja zur spanischen Grenze führenden Eisenbahn gelegen, ein Hauptplatz des Schleichhandels, hat berühmte Tulpenzucht und (1878) 6089 Einw. Die Befestigungen der Stadt wurden 1708 von den Spaniern zerstört.

Serpa Pinto, Alexander Albert da la Roche de, portug. Afrikareisender, geb. 20. April 1846 auf Schloß Polchras am Douro, wurde in Amerika, wohin sein Vater 1848 auswanderte, erzogen, kehrte 1858 nach Portugal zurück, besuchte die Militärschule zu Lissabon bis 1864 und trat dann als Leutnant in die Infanterie. Nach Mosambik versetzt, machte er dort mehrere kleine Reisen und wurde als Major 1877 zum Chef einer von Portugal ausgerüsteten Expedition ernannt. Von Benguela ging er über Quillengues und Ngola nach Bihé, wo er sich von seinen Gefährten Capello und Ivens, welche nordwärts zogen, trennte, längs des Cubango fortzog und die obern Zuflüsse des Sambesi erforschte. Hier will er einen weißen Menschenstamm, die Cassequere, entdeckt haben. Vom Cuando aus erreichte er Lialui am linken Ufer des Sambesi, wo er einen Angriff der Marutse-Mambunda zwar zurückschlug, aber alle seine Träger durch Desertion verlor. Er zog nun südwärts zu den Victoriafällen und zählte auf dieser Strecke des Sambesi 37 Katarakte, dann von Schoschong nach Pretoria und erreichte 16. März 1879 Aden, von wo er nach Europa zurückkehrte. Die Schilderung seiner Reise erschien in mehreren Sprachen, deutsch unter dem Titel: "Wanderung quer durch Afrika" (Leipz. 1881). Eine neue Expedition zur Erforschung des Gebiets im W. des Nyassa und im Süden des Bangweolo bis zum Loangwe unternahm S. 1885 mit Cardozo, einem Offizier der portugiesischen Marine, einem englischen Photographen, 250 Trägern und einer Eskorte von 800 bewaffneten Negern aus Inhambane. Seine Erkrankung nötigte ihn, die Führung an Cardozo abzugeben; auch andres Mißgeschick betraf die Expedition, doch wurde durch sie eine Reiseroute von Mosambik nach Ibo, von dort landeinwärts bis Blantyre und zurück an die Sambesimündung durch Triangulation festgelegt.

Serpel (Serpula), s. Röhrenwürmer.

Serpent (franz., spr. sserpang, Schlangenhorn), ein 1590 vom Kanonikus Guillaume zu Auxerre erfundenes, jetzt wohl ganz außer Gebrauch gekommenes, den alten Zinken verwandtes Instrument, das wie Hörner und Trompeten mittels eines Mundstücks angeblasen wurde, dem äußern Ansehen nach aber mit den Holzblasinstrumenten (Fagott etc.) in eine Kategorie gehörte. Die Röhre des S. war schlangenförmig gewunden und von Holz (wie beim krummen Zinken aus zwei flachen ausgestochenen Stücken zusammengeleimt und mit Leder überzogen oder auch fagottartig zusammengelegt), hatte 9 Tonlöcher, stand in B und hatte einen Umfang von (groß) A bis (eingestrichen) b', notierte als H-c''. Der Ton des Instruments war roh und grob. In der Orgel heißt S. eine veraltete Zungenstimme zu 16 Fuß im Pedal.

Serpentin (Ophit, Ophiolith, nach der schlangenhautartigen Färbung einzelner Varietäten so genannt), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Talkgruppe), findet sich amorph oder vielleicht kryptokristallinisch, während alle als Serpentinkristalle beschriebenen Gestalten nichts als Afterkristalle nach andern Mineralspezies sind. Ob die in Lagen von parallelfaseriger Struktur und gleicher chemischer Zusammensetzung die Serpentine häufig durchschwär-^[folgende Seite]