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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Seydelmann; Seydewitz; Seydlitz

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Seydelmann - Seydlitz.

Seydelmann, 1) Jakob Crescenz, Zeichner und Maler, geb. 1750 zu Dresden, war ein Schüler Canales und J. ^[Giovanni Battista] Casanovas und bildete sich seit 1772 in Rom bei Mengs. Nach seiner Rückkehr nach Dresden ward er 1782 Professor an der Akademie, besuchte aber Rom noch neunmal und starb 27. März 1829 in Dresden. Er hat sich vornehmlich durch Sepiazeichnungen nach der Sixtinischen Madonna, der Nacht von Correggio sowie andern berühmten Gemälden der Dresdener Galerie, meist in der Größe der Originale, bekannt gemacht. - Auch seine Gattin Apollonia, geborne Forgue, geb. 1767 zu Venedig, erwarb sich durch treffliche Sepiazeichnungen und Bilder in Miniatur Ruf, ward in die Dresdener Akademie aufgenommen und starb 1840. Nach ihrer Zeichnung der Sixtinischen Madonna führte Müller seinen Kupferstich aus. - Sein älterer Bruder, Franz S., geb. 8. Okt. 1748, gest. 23. Okt. 1806 als Kapellmeister in Dresden, hat sich durch mehrere Opern ("Die schöne Arsene", "Turco in Italia", "Das sächsische Bauernmädchen" etc.), zahlreiche Messen und andre Kirchenkompositionen einen Namen gemacht.

2) Karl, ausgezeichneter Schauspieler, geb. 24. April 1793 zu Glatz in Schlesien, absolvierte das Gymnasium seiner Vaterstadt, trat 1810 in die Armee ein, entsagte später wieder der militärischen Laufbahn und betrat die Bühne zuerst in Breslau, seit 1819 in Graz und zwar in komischen Rollen. 1820 in Olmütz und Prag engagiert, begründete er hier seinen Ruf als Charakterdarsteller, ging darauf nach Kassel, wurde 1828 Mitglied des Hoftheaters zu Darmstadt und trat 1829 in den Mitgliederbund der Stuttgarter Hofbühne. 1835 gastierte er zum erstenmal in Berlin und mit so außergewöhnlich glänzendem Erfolg, daß er 1838 für das preußische Hoftheater engagiert wurde. Er starb 17. März 1843 in Berlin. Seydelmanns objektive, bis in die feinsten Züge durchgearbeitete, harmonisch abgerundete und durchgeführte Darstellungsweise stellt ihn den größten Schauspielern an die Seite und bezeichnet einen folgereichen Wendepunkt in der Geschichte der Schauspielkunst. Seine Hauptrollen waren: Mephistopheles in "Faust", Franz Moor, Cromwell, Marinelli, Richard III., Shylock, Polonius, Präsident in "Kabale und Liebe", Nathan, Abbé de l'Epée, der Advokat Wellenberger in Ifflands "Advokaten", Ifflands Essighändler u. a. Vgl. Rötscher, Seydelmanns Leben und Wirken (Berl. 1845).

Seydewitz, Otto Theodor von, Oberpräsident von Schlesien, geb. 11. Sept. 1818 zu Groß-Badegast, studierte in Berlin die Rechte, trat 1840 als Auskultator in den Staatsjustizdienst, ging 1842 in den Verwaltungsdienst über, verwaltete 1844-45 das Landratsamt in Merseburg, wurde 1855 zum Landesbestallten der preußischen Oberlausitz, 1858 zum Landrat in Görlitz und 1864 zum Landeshauptmann und Landesbesten der preußischen Oberlausitz erwählt. Seit 1845 Mitglied des Oberlausitzer, seit 1851 Mitglied und Vize- und Landtagsmarschall des schlesischen Provinziallandtags, wurde er 1875 zum Vorsitzenden des Provinzialausschusses ernannt. Er wurde ferner Mitglied der Zentrallandschaftsdirektion und Präsident der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften. Seit 1867 Mitglied des Reichstags, schloß er sich der konservativen Partei an; im Plenum trat S. zwar nie auf, doch hatte er in der konservativen Fraktion großen Einfluß und war Vorstand derselben. Am 21. Mai 1879 ward er nach Forckenbecks Rücktritt von den vereinigten Konservativen und Ultramontanen zum ersten Präsidenten des Reichstags erwählt und im August 1879 zum Oberpräsidenten von Schlesien (an Puttkamers Stelle) ernannt, worauf er 1880 eine Wiederwahl zum Reichstagspräsidenten ablehnte.

Seydlitz, Friedrich Wilhelm von, preuß. General, geb. 3. Febr. 1721 zu Kalkar bei Kleve als Sohn eines Rittmeisters, trat als Page in die Dienste des Markgrafen von Schwedt, 1739 in ein Kürassierregiment und that sich schon im ersten Schlesischen Krieg hervor. Im Frühjahr 1742 bei Ratibor nach tapferm Kampf gefangen und nach Raab geführt, ward er schon nach einigen Wochen ausgewechselt und vom König zum Husarenrittmeister ernannt. Im zweiten Schlesischen Krieg focht er bei Hohenfriedeberg auf dem rechten Flügel mit Auszeichnung und nahm den sächsischen General v. Schlichting mit eigner Hand gefangen, wofür ihn der König zum Major beförderte. Auch bei Soor that er sich durch ungestüme Kavallerieangriffe hervor. Im Herbst 1752 ward er zum Oberstleutnant und 1753 zum Kommandeur des Kürassierregiments v. Rochow ernannt, bei dem er im Sommer 1755 zum Obersten aufrückte. Den höchsten Ruhm als Reiteranführer erwarb er sich im Siebenjährigen Krieg. In der Schlacht bei Kolin warf er an der Spitze von 10 Schwadronen ein Regiment Infanterie, dann 2 Reiterregimenter und drang bis an das zweite Treffen der Österreicher vor. Zwei Tage nach dieser Schlacht ernannte ihn der König zum Generalmajor. Am 7. Sept. schlug er in einem kühnen Gefecht bei Pegau österreichische Kavallerie und vertrieb 19. Sept. mit 20 Schwadronen die Franzosen und die Reichsarmee aus Gotha. Kurz vor der Schlacht bei Roßbach zum Oberbefehlshaber über die gesamte Kavallerie ernannt, entschied S. durch seinen glänzenden Reiterangriff den Sieg, wofür er zum Generalleutnant und zum Inhaber des Kürassierregiments v. Rochow ernannt wurde. Eine Wunde, die er bei dem letzten Angriff auf die französische Infanterie erhalten, nötigte ihn, über vier Monate in Leipzig zu bleiben. Bei dem kühnen Rückzug aus Mähren durch Böhmen nach Schlesien im Sommer 1758 hatte er denselben mit der Kavallerie zu decken und bestand bei Chlumetz ein rühmliches Gefecht. Bei Zorndorf befehligte er die Kavallerie des linken Flügels, die zuletzt bis auf 61 Schwadronen verstärkt wurde; er führte den entscheidenden Angriff auf die Russen aus und eroberte eine große Batterie im Feuer. Als bei Hochkirch der Rückzug angetreten werden mußte, deckte ihn S. mit der ganzen Kavallerie. In der Schlacht bei Kunersdorf mußte er trotz seines Sträubens auf Befehl des Königs seine trefflich gewählte Stellung Laudon gegenüber verlassen und den letzten unglücklichen Angriff auf die Russen unterstützen; hierbei wurde er durch einen Kartätschenschuß schwer verwundet. In Berlin, wohin er sich zu seiner Wiederherstellung begab, verheiratete er sich mit einer Gräfin von Hacke und begab sich dann wieder zur Armee, die bei Leipzig stand. An der Verteidigung Berlins, welches im Herbst 1760 von den Russen angegriffen wurde, nahm er erfolgreichen Anteil. Im Mai 1761 ward er der Armee des Prinzen Heinrich beigegeben. Nach dem Frieden übertrug ihm der König die Inspektion aller in Schlesien stehenden Kavallerieregimenter. 1767 wurde S. zum General der Kavallerie ernannt. Er starb 7. Nov. 1773 in Minkowski bei Namslau. S. war der größte Reitergeneral seiner Zeit. In Berlin ließ ihm der König 1784 auf dem Wilhelmsplatz eine Statue errichten. Vgl. Varnhagen von Ense, Biographische Denkmale, Bd. 2; Kähler, S. in seiner Bedeutung für die Rei-^[folgende Seite]