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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sicherherde - Sickel.

monatlich einmal, zu schmieren und mindestens alle 1½-2 Jahre leicht auszuglühen, um die nötige Weichheit des Materials wiederherzustellen. Ferner sollen statt der gewöhnlichen Kurbeln, welche beim Senken von Lasten rückwärts rotieren und dabei häufig Verletzungen von Arbeitern herbeiführen, Sicherheitskurbeln verwendet werden. Auch die Verwendung von Geschwindigkeitsbremsen ist zu empfehlen, welche selbstthätig ein ganz allmähliches Niedersinken der Last herbeiführen. Bei Fahrstühlen und vertikalen Seilförderungen ersetzt die Geschwindigkeitsbremse zuweilen die sonst gebräuchlichen Fangvorrichtungen, welche darauf abzielen, bei Brüchen der Seile die Fahrkörbe mittels verzahnter Exzentriks, Hebel oder Keile festzustellen, wobei die Gefahr naheliegt, daß durch die dabei auftretenden Stoßwirkungen die zum Abfangen bestimmten Teile selbst brechen, während die Geschwindigkeitsbremse den Fahrkorb nach dem Seilbruch mit mäßiger Geschwindigkeit niedersinken läßt. Die Bremse ist an der einen Seite des Fahrkorbs angebracht, und ein auf ihrer Welle befindliches Zahnrad greift in eine Zahnstange, welche an dem einen Leitbaum befestigt ist. Reißt das Seil, an welchem der Fahrkorb hängt, so wird bei dem Fall des Korbes die Geschwindigkeitsbremse durch das Zahnrad in Thätigkeit versetzt und reguliert die Fallgeschwindigkeit.

Der Raum, worin sich ein Fahrstuhl bewegt, soll mit Latten verschlagen und die Zugänge zu demselben in jeder Etage mit Barrieren verschlossen sein. Wenn der den Fahrstuhl dirigierende Arbeiter denselben nicht rechtzeitig zum Stillstand bringt, so schlägt der Stuhl oben an, reißt von den sich noch immer weiter aufwickelnden Seilen ab und stürzt hinab. Dies wird durch Anbringung eines selbstthätigen Ausrückers, durch welchen sich der Fahrstuhl in jeder Etage feststellt, vermieden. Bei Fahrstühlen zur Lastenbeförderung ist nach reichsgesetzlichen Bestimmungen die Tragfähigkeit deutlich lesbar anzugeben und ein Überlasten mit Strafe belegt. Dringend ist ferner geboten, daß die Aufsicht über einen Fahrstuhl nur einer bestimmten Person übertragen wird, ohne deren Zuthun nicht das Geringste daran vorgenommen werden darf. Vor jedesmaliger Inbetriebsetzung des Fahrstuhls muß ein deutlich hörbares Signal gegeben werden, um anzudeuten, daß nunmehr jeder Zugang untersagt ist.

Dampfkochgefäße, Montejus, Lumpenkocher etc. sind mit Sicherheitsventilen, Manometern etc. auszurüsten, vor Inbetriebnahme einer Druckprobe zu unterwerfen etc. Überall, wo Gefahr vorhanden ist, daß Arbeiter in Gefäße mit heißen Flüssigkeiten, z. B. in Braupfannen u. dgl., hineinfallen können, sind geeignete S., die z. B. in zweckmäßig angebrachten Hauben bestehen, anzubringen. Überall, wo bei einer Fabrikation Staub entwickelt wird, ist dieser durch Ventilationsvorrichtung zu beseitigen. Zu diesem Zwecke kann z. B. ein etwa 20 bis 25 cm weites Rohr unten durch den Fußboden eingeführt werden, welches in die freie Luft ausmündet und außen zum Schutz gegen Staub mit einem Drahtgitter versehen wird, während es im Innern eine Regulierklappe hat. Im Arbeitsraum mündet das Rohr 1,75-2 m über dem Fußboden aus. Die Abfuhr der schlechten Luft geschieht durch ein Blechrohr, welches an der entgegengesetzten Wand angebracht ist und unten eine dem Querschnitt des erstgenannten Zuführungsrohrs gleiche, oben aber eine nur ein Achtel so große Öffnung hat. Wird dieses Rohr in der Nähe eines Ofens angebracht, so wird die Saugwirkung vermehrt. Schleifmaschinen etc. werden mit einem Mantel versehen, aus welchem eine kräftige Saugvorrichtung den Schleifstaub entfernt. Schließlich sind auch die S. zu erwähnen, deren Benutzung ganz allein von den Arbeitern selbst abhängig ist, wie die Schutzbrillen, die Respiratoren, die Sicherheitslampen und eine geeignete Kleidung. Durch nicht eng anliegende Kleidungsstücke sind schon viel Unglücksfälle herbeigeführt, indem dieselben an Zähnen, Schrauben, Nasen etc. hängen geblieben sind und die Arbeiter mit in die Maschinen hineingerissen haben.

Sicherherde (Sichertröge), s. Aufbereitung.

Sicherlot, s. Lot.

Sichern (südd. Verhoffen), das unverwandte aufmerksame Betrachten eines dem Wild auffälligen und verdächtigen Gegenstandes.

Sicherung des Beweises, s. Beweis, S. 866.

Sichler (Sichelreiher), s. Ibisse.

Sichota Alin (Tatargebirge), ein Gebirgszug im ostsibir. Küstengebiet, welcher sich von der Bai Peters d. Gr. im Süden längs des Meeresufers bis nach Nikolajewsk im N. hinzieht und die Wasserscheide zwischen den Flüssen des Amurbassins und den im Südussuriland ins Meer mündenden bildet.

Sicht, s. Wechsel. - In der Verbindung "in S." seemännischer Ausdruck für "sichtbar sein".

Siciliane, eine von Rückert eingeführte besondere Art der Stanze (s. d.), welche statt dreier Reime nur zwei Reime enthält und zwar nach der Reimformel abababab.

Siciliani (spr. ssitschi-), Pietro, ital. Philosoph, geb. 19. Sept. 1835 zu Galatina di Lecce (Sizilien), studierte in Neapel und Pisa Medizin, übte aber den Beruf des Arztes nicht aus, da ihn seine Neigung zur Philosophie hinzog. Er wurde als Lehrer der theoretischen und Moralphilosophie an das königliche Lyceum Dante in Florenz berufen, ward darauf außerordentlicher und 1867 ordentlicher Professor der Anthropologie und Philosophie in Bologna und starb 28. Dez. 1885 in Florenz. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Sul rinnovamento della filosofia positiva in Italia" (Flor. 1871); "La critica nella filosofia zoologica nel secolo XIX" (Neap. 1876); "Della psicogenia moderna" (Bol. 1879, 3. Aufl. 1882); "Socialismo, Darwinismo e sociologia moderna" (das. 1879, 3. Aufl. 1886); "La nuova biologia" (Mail. 1885); "La scienza nell' educazione" (3. Aufl., Bol. 1884); "Storia critica delle teorie pedagogiche" (das. 1882); "Rivoluzione e pedagogia moderna" (Tur. 1882). Vgl. Pacully in "Nord und Süd" (August 1886).

Siciliano (spr. ssitschi-, alla Siciliana, ital.), eine Art Pastorale im 6/8- oder 12/8-Takt mit mehreren Wiederholungssätzen und ziemlich langsamer, vorherrschend iambischer Bewegung, früher beliebt als Andantesatz in Sonaten etc.

Sicilicus, altröm. Gewicht, = ¼ Unze = 6,822 g; auch Längenmaß, = 1/48 röm. Fuß = 6,2 mm.

Sicilien, s. Sizilien.

Sicinus, Insel, s. Sikinos.

Sic itur ad astra (lat.), s. Hac itur etc.

Sickel, Theodor, Ritter von, Geschichtsforscher, geb. 18. Dez. 1826 zu Aken, studierte 1845-46 Theologie in Halle, dann Philologie und Geschichte in Berlin, besuchte 1850-52 die École des chartes in Paris, durchforschte darauf im Auftrag der französischen Regierung die Archive von Mailand, Venedig und Wien, ward 1857 außerordentlicher Professor der historischen Hilfswissenschaften (als Protestant