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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sidlaw Hills; Sidmouth; Sidney; Sidon

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Sidlaw Hills - Sidon.

Sidlaw Hills (spr. ssíddlah), Hügelzug in Schottland, im N. des Firth of Tay, erstreckt sich von Perth in nordwestlicher Richtung gegen Montrose und erreicht im King's Seat 382 m Höhe.

Sidmouth (spr. ssíddmöth), Seebadeort in Devonshire (England), an der Mündung des Sid in den Kanal, mit merkwürdigem Privatmuseum (Knowle Cottage), Spitzenklöppelei und (1881) 3475 Einw.

Sidmouth (spr. ssíddmöth), Henry Addington, Viscount, brit. Staatsmann, geb. 30. Mai 1755 zu London als Sohn eines Arztes, studierte in Oxford und knüpfte früh eine enge Freundschaft mit dem jüngern Pitt, durch dessen Verwendung er 1784 ins Unterhaus gewählt wurde, woselbst er sich so sehr hervorthat, daß er schon 1789 zum Sprecher ernannt wurde. Auf Empfehlung Pitts kam er 16. März 1801 nach dessen Rücktritt an die Spitze des Ministeriums; da er aber nach Pitts Meinung gegenüber den Rüstungen Frankreichs die Verteidigung der Küsten Englands nicht energisch genug betrieb, ging jener zur Opposition über, und S. mußte 15. Mai 1804 zurücktreten. Georg III., dessen ganze Zuneigung er besaß, ernannte 1805 Addington zum Viscount S. und Präsidenten des Geheimen Rats, welches Amt er aber nur wenige Monate bekleidete. Nach Pitts Tod (1806) bildete er mit Fox und Grenville ein neues Ministerium, in welchem er erst Geheimsiegelbewahrer, dann Geheimratspräsident war, das jedoch schon im Februar 1807 nach Fox' Tod wieder zerfiel. Auf Lord Liverpools Zureden nahm S. 1812 das Ministerium des Innern an und behielt dies Amt, ohne entscheidenden Einfluß auf die britische Politik auszuüben, bis 1822, blieb darauf noch zwei Jahre Minister ohne Portefeuille und zog sich 1824 ganz von den Geschäften zurück. Er starb 15. Febr. 1814. Vgl. Pellew, Life and correspondence of H. Addington, Viscount of S. (Lond. 1847, 3 Bde.).

Sidney, Stadt, s. Sydney.

Sidney (spr. ssíddní), 1) Sir Philip, einer der ersten guten engl. Prosaiker, geb. 29. Nov. 1554 zu Penshurst in Kent, studierte zu Oxford und Cambridge und bereiste dann drei Jahre lang den Kontinent. 1575 zurückgekehrt, gewann er die Gunst der Königin Elisabeth, zog sich aber 1578 nach Wilton in Wiltshire, dem Landsitz seines Schwagers, des Grafen von Pembroke, zurück, wo er eine Reihe von "Sonnets" in dem gesuchten, an die Concetti der Italiener sich anschließenden Stil des Zeitalters und den Schäferroman "Arcadia" verfaßte. Obgleich aber S. entschieden spanische und italienische Muster vor Augen hat, so begnügt er sich doch nicht mit Schilderungen des Schäferlebens; er verflicht auch Szenen des Ritter- und Jagdlebens mit jenen und weiß sie mit gleicher Lebendigkeit und Anmut auszuführen. Seine "Apology for poetrie" (1595, neue Ausg. 1868) macht den Versuch, zu zeigen, daß die Genüsse, welche die Dichtkunst gewährt, mächtige Förderer nicht nur im Erwerb von Kenntnissen, sondern auch in der Pflege der Tugend sind. S. wurde als das Ideal eines Hofmanns, Soldaten und Gelehrten angesehen und erwies sich zugleich als freigebigen, einsichtigen Beförderer von Kunst und Wissenschaft. 1582 kehrte er an den Hof zurück und ward zum Gouverneur von Vlissingen ernannt. Unter seinem Oheim, dem Grafen von Leicester, gegen die Spanier fechtend, wurde er im Gefecht bei Zütphen (September 1586) tödlich verwundet und starb 19. Okt. 1586. Seine Werke erschienen zu London 1725 in 3 Bänden; seine "Miscellaneous works" wurden von Gray (Oxf. 1829), sein Briefwechsel mit Hubert Languet von Pears (Lond. 1845), eine neue Ausgabe seiner "Complete poems" von Grosart (das. 1877, 3 Bde.) veröffentlicht. Vgl. Fox Bourne, Memoir of Sir P. S. (Lond. 1862); Lloyd, Life of Sir P. S. (das. 1862); Symonds, Sir Phil. S. (das. 1887).

2) Algernon, engl. Politiker, geb. 1622 zu London als der zweite Sohn des Grafen Robert von Leicester, that sich im Aufstand der Irländer 1641 hervor und trat, als die Zerwürfnisse zwischen Karl I. und dem Parlament ausbrachen, auf die Seite des letztern. Er diente in der Parlamentsarmee unter Fairfax und zeichnete sich namentlich in Irland aus. Dem zur Aburteilung Karls I. eingesetzten Gerichtshof gehörte er an, wohnte zwar den Verhandlungen bei, erschien aber nicht an dem Tag der Abstimmung und verweigerte auch die Unterschrift der Hinrichtungsakte. Unter Cromwells Protektorat lebte er zurückgezogen auf seinen Gütern, trat aber nach dessen Tod 1659 in den republikanischen Staatsrat. Nach der Restauration der Stuarts verweilte er 1660-77 im Ausland, wurde, nachdem ihm 1677 die Rückkehr nach England gestattet worden, 1678 ins Unterhaus gewählt und machte hier den königlichen Ministern kühne Opposition. Nach der Entdeckung des Rye-House-Plot 1683, welches die Ermordung Karls II. und seines Bruders zum Zweck hatte, ward S. mit Lord Russell und dem Herzog von Monmouth der Verschwörung angeklagt. Der berüchtigte Oberrichter Jeffreys (s. d.) bewirkte seine Verurteilung auf Grund eines unter seinen Papieren gefundenen Manuskripts, in welchem S. seine republikanischen Gesinnungen offen ausgesprochen hatte. Ein Revisionsgesuch, das S. nach seiner Verurteilung einreichte, blieb unberücksichtigt; er wurde 7. Dez. 1683 enthauptet. Wilhelm III. ließ nach seiner Thronbesteigung durch Kassation jener Todesurteile die Ehre des Hingerichteten herstellen. Sidneys gelehrte Schrift "Discourses concerning government etc." (Lond. 1698 u. öfter; deutsch, Leipz. 1794; von Hollis nebst andern Stücken hrsg., Lond. 1772) enthält das politische Glaubensbekenntnis des bedeutenden Mannes. Vgl. Meadley, Memoirs of Algernon S. (Lond. 1813); Ewald, Life and times of A. S. (das. 1872, 2 Bde.); Blackburne, A. S. (das. 1885).

Sidon, alte berühmte Stadt Phönikiens, am Mittelländischen Meer, mit einem Doppelhafen, gelangte unter allen phönikischen Städten am frühsten zu Wohlstand, behauptete dann eine Art Oberherrschaft über dieselben (1600-1300 v. Chr.) und sendete viele Kolonien aus (Hippo, Altkarthago etc.). Die Sidonier (Sidôním, "Fischer"), allein unter den Phönikern schon dem Homerischen Epos bekannt, trieben ausgebreiteten Handel, fertigten vortreffliche Glaswaren, wozu die Dünen der Küste zwischen Akko und Tyros die erforderliche Erde lieferten, und unterhielten auch Leinwand- und andre Manufakturen. Zugleich waren sie Meister der Sternkunde, Zahlenlehre und der Nachtschiffahrt. Auch als Vasallin der vorderasiatischen Reiche (Assyrien, Babylon) blieb S. bedeutend. Unter persischer Herrschaft empörte es sich, wurde aber von Artaxerxes Ochus 351 eingenommen und zerstört. Wieder aufgebaut, ergab es sich an Alexander d. Gr., der daselbst einen Vasallenkönig einsetzte. Später stand S. abwechselnd unter ägyptischer und syrischer Botmäßigkeit, bis es dem römischen Reich einverleibt wurde. Von besonderm Interesse sind die zahlreichen Felsengräber der Umgebung von S., welche bis auf die neueste Zeit herab wissenschaftlich und künstlerisch wertvolle Ausbeute geliefert haben. Jetzt Saïda (s. d. 1).