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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Siebplatten; Siebröhren; Siebsetzen; Siebtuch; Siebwahrsagung

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Siebplatten - Siebwahrsagung.

Marianne Theodore Charlotte Heiland, genannt v. S., geb. 12. Sept. 1788 zu Heiligenstadt, studierte 1811-12 in Göttingen Geburtshilfe, promovierte 1817, lebte in Darmstadt und starb als Gattin des Oberstabsarztes Heidenreich 8. Juli 1859. Sie schrieb: "Über die Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter etc." (Darmst. 1817).

2) Philipp Franz von, Naturforscher und Reisender, Sohn von Johann Georg Christoph v. S., geb. 17. Febr. 1796 zu Würzburg, studierte daselbst seit 1815 Medizin und Naturwissenschaften, ging 1822 als holländischer Sanitätsoffizier nach Batavia und im folgenden Jahr mit einer Gesandtschaft nach Japan. Anfangs mit seinen Forschungen auf das enge Gebiet der holländischen Faktorei Desima beschränkt, wußte er sich durch seinen Ruf als Arzt und Lehrer einiger kaiserlicher Ärzte aus Jedo bald einen weiten Spielraum zu eröffnen. 1826 ging er mit seiner Gesandtschaft nach Jedo, mußte aber mit derselben infolge eines Verstoßes gegen die japanische Hofsitte von seiten des Gesandten bald nach Desima zurückkehren. Da er von dem kaiserlichen Astronomen und Oberbibliothekar die Kopie einer Karte Japans angenommen hatte, ward er 1829 aus dem Reich verwiesen und kehrte 1830 nach Holland zurück. Seine naturhistorischen und ethnographischen Sammlungen wurden dem Museum zu Leiden einverleibt. Er schrieb: "Nippon, Archiv zur Beschreibung von Japan" (Leid. 1832-51, 20 Sektionen); "Fauna japonica" (mit Temminck, Schlegel und Haan bearbeitet, das. 1833-1851, 7 Tle.); "Flora japonica" (das. 1835 bis 1870); "Bibliotheca japonica" (hrsg. von Hoffmann, das. 1833-41, 6 Bde.); "Thesaurus linguae japonicae" (das. 1835 bis 1841); "Isagoge in bibliothecam japonicam" (das. 1841); "Catalogus librorum japonicorum" (das. 1845); "Epitome linguae japonicae" (2. Aufl., das. 1853). S. führte den Theebau auf Java ein und that viel zur Eröffnung Japans für den Handel. Hierher gehört seine "Urkundliche Darstellung der Bestrebungen Niederlands und Rußlands zur Eröffnung Japans" (Leid. 1854). 1859 ging S. wieder nach Japan, trat 1861 in die Dienste des Taikun, kehrte aber schon 1862 nach Würzburg zurück. Mit der Aufstellung einer japanischen Sammlung beschäftigt, starb er 18. Okt. 1866 in München.

3) Karl Theodor Ernst von, Physiolog und Zoolog, Sohn von Adam Elias v. S., geb. 16. Febr. 1804 zu Würzburg, ward 1831 Kreisphysikus zu Heilsberg in Preußen, 1835 Direktor der Hebammen- und Entbindungsanstalt zu Danzig, 1840 Professor der Physiologie etc. in Erlangen, 1845 zu Freiburg, 1850 Professor der Physiologie in Breslau und 1853 Professor der Physiologie und vergleichenden Anatomie, später auch der Zoologie und Direktor des zoologisch-zootomischen Kabinetts zu München, wo er 7. April 1885 starb. Er förderte die Zoologie und Physiologie durch ungemein zahlreiche Arbeiten, besonders die Systematik, die Lehre von den Protozoen, von der Entwickelung der Medusen, die Naturgeschichte der Eingeweidewürmer und Insekten. Er stellte hier das Vorkommen der Parthenogenesis fest und begründete durch Thatsachen die von Dzierzon aufgestellte Theorie des Bienenstaats. Er schrieb: "Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Tiere" (Berl. 1848); "Observationes de Salamandris et Tritonibus" (das. 1828); "Beiträge zur Naturgeschichte der wirbellosen Tiere" (Danz. 1839); "Über Band- u. Blasenwürmer" (Leipz. 1854); "Wahre Parthenogenesis bei Schmetterlingen und Bienen" (das. 1856); "Beiträge zur Parthenogenesis der Arthropoden" (das. 1871); "Die Süßwasserfische von Mitteleuropa" (das. 1863). Auch begründete er 1849 mit Kölliker die "Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie". Vgl. R. Hertwig, Gedächtnisrede auf S. (Münch. 1886).

Siebplatten, s. Siebröhren.

Siebröhren (Tubi cribrosi), in der Pflanzenanatomie Gefäßröhren, die aus Längsreihen gestreckter Zellen (Gitterzellen) hervorgehen und an den Grenzstellen mit durchlöcherten Platten oder Feldern (Fig. A si u. B q) versehen sind. Sie bilden einen wesentlichen Bestandteil der Gefäßbündel aller Phanerogamen und Farne und haben weiche, unverholzte Wände; die charakteristischen durchlöcherten Stellen, die Siebplatten und Siebfelder, liegen als feines Netz oder Gitter stets an Stellen, wo die Glieder der S. aneinander stoßen; die Kommunikation zwischen den einzelnen Gliedern ist eine offene. Durch sehr weite und schön entwickelte S. zeichnen sich die Kukurbitaceen aus, bei manchen Pflanzen sind sie nur schwer erkennbar. Als Inhalt (Fig. B ps) führen sie eine protoplasmaähnliche, schleimige Substanz, die an den Löchern der Siebplatten von einem Röhrenglied in das andre übergeht, außerdem aber kleine Stärkekörner, die sich besonders dicht an den Siebplatten ansammeln. Die S. der Gymnospermen und Farne unterscheiden sich in ihrem Bau von denen der übrigen Pflanzen.

^[Abb.: Fig. A u. B. Siebröhren des Kürbis. A Querschnitt des Parenchyms mit dazwischenliegenden Siebplatten si; B Längsschnitt; bei q die Siebplatten, bei ps das zusammengezogene Protoplasma des Inhalts, bei x verdünnte Stellen der Längswand.]

Siebsetzen, s. Aufbereitung.

Siebtuch, s. Beuteltuch.

Siebwahrsagung (Koscinomantie), die schon bei den alten Griechen und Hebräern übliche Wahrsagung aus den Bewegungen eines aufgehängten Siebes, welche bis zu den letzten Jahrhunderten in ganz Europa gebräuchlich war, um, wie Porta sagt, "den Namen eines Diebes, des Weibes Keuschheit, des Reiters und Pferdes Glück und geheime Angelegenheiten aller Art zu entdecken". Dieser Aberglaube