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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Siegmund

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Siegmund.

als Statthalter verwaltet hatte; die feierliche Belehnung erfolgte 1417. Um die spanischen Könige für den Anschluß an das Konzil zu gewinnen und zwischen Frankreich und England Frieden zu stiften, unternahm er 1415-17 eine lange Reise nach Südfrankreich, Burgund und England, auf der er nur den ersten Zweck erreichte, dagegen durch den kläglichen Mangel an Geld die kaiserliche Würde auf beschämende Weise erniedrigte, während in seiner Abwesenheit die papistische Partei auf dem Konzil so die Oberhand gewann, daß er nach seiner Rückkehr die Wahl eines neuen Papstes vor der Reform der Kirche nicht hindern konnte. Auch die erstrebte Reichsreform scheiterte. Die Erhebung der Hussiten nach Wenzels Tod 1419 verwickelte ihn in einen langen, aufreibenden und unglücklichen Krieg, der ihn an der Vollendung seiner Pläne hinderte (s. Hussiten). 1423 belehnte er Friedrich den Streitbaren von Meißen mit Kursachsen. Noch während des Hussitenkriegs zog er 1431 nach Italien, ward 25. Nov. 1431 in Mailand mit der lombardischen, 31. Mai 1433 in Rom mit der Kaiserkrone gekrönt, stiftete darauf zwischen dem Papst und dem Baseler Konzil einen kurzen Frieden und erlangte 1436 endlich seine Anerkennung als König von Böhmen. Nachdem er noch vergeblich eine Reichsreform versucht, starb er 9. Dez. 1437 in Znaim. Er war in zweiter Ehe mit Barbara von Cilli vermählt und hatte von dieser eine Tochter, Elisabeth. Sein Äußeres zeigte Majestät, verbunden mit Anmut. Er redete sechs Sprachen geläufig; er war leutselig, ritterlichen Sinnes und freigebig. Auch fehlte es ihm nicht an Verständnis für die hohen Aufgaben seiner Stellung, Thätigkeit und gutem Willen, aber durchaus an stetiger Ausdauer und Beharrlichkeit. In den wichtigsten Augenblicken vergaß er seine kaiserliche Pflicht über sittenlosen Ausschweifungen, und in steter Geldverlegenheit, verschmähte er die niedrigsten Mittel nicht, um sich seinen Verpflichtungen zu entziehen oder seine Kasse wieder zu füllen. Mit ihm erlosch das Haus der Luxemburger. Erbe der Länder Siegmunds sowie der Kaiserwürde war sein Schwiegersohn Albrecht, Erzherzog von Österreich, als Kaiser Albrecht H. Vgl. als gleichzeitige Quelle: "Das Leben König Siegmunds" von E. Windecke (übersetzt von Hagen, Leipz. 1886); ferner: Aschbach, Geschichte Kaiser Siegmunds (Hamb. 1838-45, 4 Bde.); Bezold, König S. und die Reichskriege gegen die Hussiten (Münch. 1872-75); Schroller, Die Wahl Siegmunds zum römischen König (Bresl. 1875); Lenz, König S. und Heinrich V. von England (Berl. 1874); Finke, König Siegmunds reichsstädtische Politik 1410 bis 1418 (Bocholt 1880); "Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser S." (hrsg. von Kerler, Münch. u. Gotha 1878-86, Bd. 1-3).

[Könige von Polen.] 2) S. (Zygmunt) I., der Alte oder der Große, aus dem Jagellonischen Haus, jüngster Sohn Kasimirs IV., geb. 1466, folgte durch Wahl seinem Bruder Alexander (1506) auf dem Thron von Polen und Litauen. Er löste viele der verpfändeten königlichen Einkünfte und Güter wieder ein, führte mit den Russen, welche 1508 in Polen einfielen, einen glücklichen Krieg, schlug die Walachen (1509), die sich empört hatten, sowie die Tataren (1512) gänzlich und ebenso (1514) nochmals die Russen bei Beresow, verlor aber 1519 eine Schlacht gegen die Tataren. Infolge davon drangen die Russen aufs neue ins Land ein, und der Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg, verweigerte die Lehnshuldigung und kehrte ebenfalls die Waffen gegen Polen. Der Krieg wurde mit wechselndem Erfolg geführt, bis Albrecht in dem Vertrag zu Krakau (8. April 1525) das dem Orden gebliebene Ostpreußen als der Krone Polen lehnspflichtiges Herzogtum für seine männlichen Nachkommen empfing. Mit den Russen schloß S. einen Waffenstillstand; ein Bündnis mit der Pforte nötigte die Tataren, Frieden zu halten. Nachdem Polen 1520 nach dem Erlöschen des piastischen Stammes in Masovien einen bedeutenden Zuwachs an Gebiet gewonnen hatte, ward 1533 der Krieg mit Rußland erneuert und 1534 ein glänzender Sieg bei Starodup erfochten. Für Förderung des Ackerbaues und der Gewerbe sowie der Wissenschaften hat S. viel gethan. Er starb 1. April 1548.

3) S. II. August, der letzte Jagellone, Sohn des vorigen, hieß August wegen seines Geburtstags, 1. Aug. 1520, wurde bereits 18. Okt. 1529 zum Großfürsten von Litauen und 18. Dez. zum künftigen König von Polen erwählt. 1544 trat ihm sein Vater die Regierung von Litauen förmlich ab. Nach dem Tod seiner ersten Gemahlin, Isabella von Österreich, vermählte er sich gegen des Vaters Wunsch insgeheim 1546 mit Barbara Radziwill, der Witwe des Woiwoden von Trocki. Um ihn von ihr abzuziehen, rief ihn der Vater nach Polen zurück und überließ ihm 1547 Masovien und 1548 Westpreußen. Nach dem Tod seines Vaters (1. April 1548) ward er König von Polen und erwirkte bei den Großen und Landboten die Genehmigung seiner Heirat und die Krönung seiner Gemahlin. Unter ihm drang die Reformation in Polen ein. Der Heermeister des Schwertbrüderordens, Gotthard Kettler, überließ durch den Vertrag zu Wilna (1561) Livland, das er nicht länger gegen Rußland verteidigen konnte, an Polen gegen die erbliche Belehnung mit dem Herzogtum Kurland und Semgallen. Zur Abwehr der Einfälle der Russen und Tataren errichtete S. 1561 einen stehenden Truppenkordon, der aus dem vierten Teil der königlichen Einkünfte besoldet und daher Quartianer genannt wurde. Doch nahm Zar Iwan Wasiljewitsch 15. Febr. 1563 Polozk und erzwang 1568 einen Waffenstillstand. Um die Scheidung von seiner kinderlosen Gemahlin zu erlangen, schmeichelte S. wieder den Katholiken, nahm 1564 die Beschlüsse des tridentinischen Konzils an und vertrieb die Socinianer. Unter S. wurde auf dem Reichstag zu Lublin 1567 Litauen völlig mit Polen vereinigt und Westpreußen zur polnischen Provinz gemacht. S. starb 14. Juli 1572, nachdem er sich in dritter Ehe mit der verwitweten Herzogin von Mantua, Katharina, vermählt hatte, ohne Erben zu hinterlassen.

4) S. III., König von Polen und Schweden, Sohn des Königs Johann III. von Schweden und der polnischen Prinzessin Katharina, einer Schwester Siegmunds II. August, geb. 20. Juni 1566 im Gefängnis zu Gripsholm, wurde in der katholischen Religion erzogen und nach dem Tod Stephan Báthoris durch den Einfluß der Zamojskis zum König von Polen erwählt (19. Aug. 1587) und in Krakau gekrönt (27. Dez.). Er entließ sofort alle bewährten Räte der Krone und beschränkte die Gewalt des Kronfeldherrn Zamojski. Eidbrüchig, verfolgte er die Protestanten und zerstörte ihre Kirchen. Durch den Tod seines Vaters (19. Okt. 1592) erbte er den schwedischen Thron und ward 19. Febr. 1594 dort gekrönt. Nach Polen zurückgekehrt, führte er ohne Schonung deutsche Sitten bei Hof ein und machte sich dadurch noch mehr bei den Polen verhaßt, während in Schweden sich der Statthalter Herzog Karl von Södermanland Eingriffe in die königlichen Rechte erlaubte. Daher ging