Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Siérra Madre; Siérra Morena; Siérra Nevada

959

Sierra Madre - Sierra Nevada.

und als Kaufleute thätig sind. Die allgemeine Umgangssprache ist ein verderbtes Englisch, doch werden hier an 60 verschiedene Dialekte gesprochen. Die meisten Bewohner sind protestantische Christen, wenigstens dem Namen nach; von Mohammedanern, deren Zahl beständig zunimmt, gab es 1881: 5178, von Heiden 15,924. Infolge der Trägheit der Neger produziert das Land selbst sehr wenig; die Ausfuhrartikel (Erdnüsse, Bennisame, Kolanüsse, Gummi, Häute, Palmöl, Palmkerne, Ingwer, Kautschuk) kommen aus dem Hinterland. Eingeführt werden: Bier, Spirituosen, Wein, Tabak, die allein besteuert werden; ferner: Kleiderstoffe, Kurzwaren, Lebensmittel, Eisen, Messerschmiedewaren etc. 1887 betrug die Einfuhr 308,038, die Ausfuhr 333,516 Pfd. Sterl. Das Kolonialbudget bezifferte sich 1886 in Einnahme auf 62,935, in Ausgabe auf 63,482, die Schuld der Kolonie auf 58,000 Pfd. Sterl. Hauptstadt und Sitz des Gouverneurs, dem auch die britischen Besitzungen am Gambia unterstellt sind, ist Freetown (s. d.). - Die Kolonie wurde 1787 von englischen Philanthropen zur Aufnahme von befreiten Negern aus Nordamerika gegründet; später wurden sehr viele der aus Sklavenschiffen Befreiten hierher geführt. Anfänglich von einer Gesellschaft verwaltet, wurde die Kolonie 1808 von der Krone in Besitz genommen, welche 1860 die Insel Sherboro und 1862 den südlichen, den Quiah abgenommenen Küstenstrich hinzufügte. Vgl. Griffith, S., past, present and future (Lond. 1881); Burton und Cameron, To the Goldcoast for gold (das. 1882, 2 Bde.); Banbury, S. (das. 1888).

Siérra Madre ("Hauptgebirge"), Gesamtname der Gebirge in Mexiko, welche, vom Plateau von Anahuac ausgehend, den westlichen Rand des Plateaus bilden und die Hochebene von Chihuahua von den maritimen Staaten Sinaloa und Sonora trennen. Das auf der Grenze von Mexiko und den Vereinigten Staaten unter 32° nördl. Br. gelegene S.-Plateau (1350 m) ist eine nördliche Fortsetzung der Hochebene von Chihuahua. Sonst wurde der Name S. noch auf mehrere Ketten des Felsengebirges innerhalb Neumexiko und Colorado angewendet.

Siérra Morena ("schwarzes Gebirge", bei den Alten Montes Mariani, daher auch Marianisches Gebirgssystem genannt), eins der Hauptgebirge Spaniens, das südliche Randgebirge des zentralspanischen Tafellandes, erstreckt sich von O. nach W. an der Grenze von Neukastilien (Provinz Ciudad Real) und Estremadura (Badajoz) einerseits und Andalusien (Provinzen Jaen, Cordova, Sevilla und Huelva) anderseits ziemlich parallel mit der Küste des Mittelländischen Meers, bildet die Wasserscheide zwischen dem Guadiana und Guadalquivir und tritt gegen W. in die portugiesische Provinz Alemtejo über. Die S. bildet im ganzen keine eigentliche Bergkette, vielmehr einen von zahlreichen Flußthälern durchbrochenen Gebirgsrücken. Sie hängt im O. durch die Sierra de Alcaraz (mit dem Cerro del Almenara 1802 m) und den Bergzug Calar del Mundo (1654 m) mit dem südvalencianischen Bergland und durch die Sierras de Segura und La Sagra (2400 m) mit dem südandalusischen oder bätischen Gebirgssystem zusammen. In diesen östlichen Verbindungsgliedern liegen auch die höchsten Gipfel der S. Bedeutendere Erhebungen im weitern westlichen Zug bilden die Felsenberge von Despeñaperros mit dem gleichnamigen von Heerstraße und Eisenbahn überschrittenen Paß. Weiter westlich trennt sich vom eigentlichen Hauptzug eine nördliche Kette, welche aus der Sierra Madrona, Sierra de Almaden und Sierra del Pedroso besteht und ins estremadurische Hochland ausläuft. Der Hauptzug streicht nahe nördlich vom Guadalquivir mit der Sierra de Cordova und Sierra de los Santos und schließt mit der erwähnten nördlichen Kette das Hochland Los Pedroches ein. In allen diesen den zentralen Teil der S. bildenden Bergketten und Gruppen wird die Höhe von 600-800 m nur selten erreicht. Weiter gegen W. in der Provinz Huelva steigt das Gebirge wieder zu ansehnlicher Höhe mit den Sierras de Aracena (1600 m), welche endlich mit den Picos de Aroche nach Portugal übertreten und nach Übersetzung des Guadiana sich gegen das Meer zu verästen. Das ganze Gebirgsland der S. ist auf den Höhen dürr und fast ganz vegetationslos, an den Abhängen waldreich, in den Thälern morastig. Einzelne Teile, besonders die zentralen Abteilungen, enthalten viel Erz, namentlich Blei, Silber und Quecksilber, dann Steinkohlen. Im westlichen Teil finden sich die berühmten Schwefelkieslager von Tharsis und Rio Tinto. Am Südabhang des zentralen Teils, in Andalusien (Provinz Jaen), legte 1767 der Minister Olavides eine deutsche Kolonie mit dem Hauptort Carolina an.

Siérra Nevada ("Schneegebirge"), 1) das höchste Gebirge der Pyrenäischen Halbinsel, bildet den Zentralteil der Bergterrasse von Granada oder des bätischen Gebirgssystems erstreckt sich in einem flachen, nach Süden offenen Bogen durch den südlichen Teil Spaniens (Granada) von O. nach W. und bedeckt bei einer Länge von 100 km einen Flächenraum von ungefähr 2750 qkm. Das Gebirge ist ringsumher von tiefen und weiten Thälern umgeben und zerfällt in eine aus Glimmerschichten zusammengesetzte Hauptkette (die Schieferalpen) und zwei Gruppen von Kalk- und Dolomitmassen (die Kalkalpen), welche sich auf dem Nordwest- und dem Südabhang der Hauptkette emportürmen. Die Kette der Schieferalpen erreicht in ihrer westlichen Hälfte, wo ihr durchschnittlich 3090 m hoher Kamm sehr schmal ist, ihre höchste Erhebung. Es liegen hier nahe bei einander die erhabensten, meist pyramidal geformten Gipfel und zwar von W. nach O.: der Cerro Caballo (3250 m), Picacho de Veleta (3470 m), Mulahacen (3554 m), Alcazaba (3412 m) und Cerro de Vacares (3250 m) u. a. Dieser höchste Teil ist auf beiden Seiten von tiefen Thälern durchfurcht, in deren Schoß Alpenseen liegen. Die östliche Hälfte der Hauptkette ist niedriger und erreicht in ihrer höchsten Kuppe, dem Pico de Jeres, nur 3087 m. Von den beiden Gruppen der Kalkalpen ist die nordwestlichste die umfangreichste; diese bildet ein wildes, schroffes, zerrissenes Felsengebirge, welches in seinem höchsten Gipfel, dem Cerro Trevenque, bis 2277 m aufsteigt. Die südlichen, durch das tiefe Poqueirathal in zwei Hälften geschiedenen Kalkalpen erheben sich nur bis zu 1790 m und haben eine viel geringere Ausdehnung. Am meisten verzweigt sich das Gebirge nach Süden zu und bildet dort eine große Anzahl von Thälern (s. Alpujarras). Im allgemeinen zeigt dasselbe weder die scharf zulaufenden, nadelförmigen Gipfel der mitteleuropäischen Alpen noch die große Menge hoher Spitzen der Pyrenäen, sondern viele sanft aufsteigende, gewölbte Rücken und am südlichen Abhang meist üppige Vegetation. Der Fuß des Gebirges ist mit Öl- und Pomeranzenbäumen bepflanzt, dann beginnt der Wein- und höher hinauf der Getreidebau. Die Schneegrenze ist im mittlern Durchschnitt nach N. zu 3350 m, nach Süden zu 3500 m. Die S. bildet die Wasserscheide zwischen dem Stromgebiet des Guadalquivir einerseits und den Küstenflüssen des Mittelländischen