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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Simonoseki - Simplon.

frieds von Bouillon auf der Place Royale zu Brüssel (1848), die Statuen des Geologen André Dumont und des Philipp Marius in Lüttich und des Königs Leopold I. in Mons. Von seinen Ideal- und Genrefiguren sind hervorzuheben: Bacchus, der einen Tiger liebkost; ein Knabe, ein Kaninchen gegen einen Hund verteidigend; ein kämpfender Held und die Unschuld. Er wurde 1863 Direktor der Akademie in Brüssel und starb daselbst 11. Juli 1882.

Simonoseki (Shimonoseki), Hafenstadt an der Südwestspitze der japan. Insel Nippon, an der diese Insel von Kiusiu trennenden schmalen Kapellenstraße, Hauptstadt der Provinz Nagato in der Landschaft Sanyodo, war früher eine blühende, stark befestigte Stadt, wurde aber 1864 wegen feindlichen Verhaltens durch ein Bombardement eines aus englischen, holländischen, französischen und nordamerikanischen Schiffen bestehenden Geschwaders zum großen Teil zerstört und zählt (1877) nur noch 19,532 Einw.

Simons, Menno, s. Menno.

Simonstown (spr. sseimonstaun), Hafenstadt der Kapkolonie, an der Simonsbai, einer Abzweigung der Falschen Bai an deren westlicher Seite, befestigt, Station des für Südafrika und die Westküste Afrikas bestimmten britischen Geschwaders, mit großer Schiffswerfte und Seearsenal. In gewissen Perioden des Jahrs ist S. ein vorzüglicher Hafen und wird dann auch von Handelsschiffen statt der Kapstadt aufgesucht.

Simonyi (spr. schimonji), 1) Ernst, ungar. Geschichtsforscher, geb. 18. Dez. 1821 zu Nyitra-Zsámbokrét (Neutraer Komitat), nahm 1848-49 am Insurrektionskrieg teil, ging nach der Kapitulation von Komorn nach London, wo er Studien über ungarische Geschichtsquellen (hrsg. 1859, Bd. 1) trieb, schloß sich 1859 der ungarischen Legion in Italien an, kehrte 1867 nach Ungarn zurück, ward in den Reichstag gewählt, wo er Führer der äußersten Linken war, und starb 28. März 1882 in Fiume.

2) Ludwig, Baron, ungar. Minister, geb. 1824 zu Tarnopol, wurde 1847 Reichstagsabgeordneter, nahm am Revolutionskrieg teil, erlitt nach der Kapitulation von Világos eine längere Festungshaft in Temesvár, zog sich dann auf seine Güter im Arader Komitat zurück, wurde 1861 wieder Abgeordneter, schloß sich 1865 dem linken Zentrum an, ward im Oktober 1875 im Ministerium Tisza Ackerbau- und Handelsminister, trat aber 1876 wieder zurück.

Simor (spr. schi-), Johann, Kardinal, Fürst-Primas von Ungarn, geb. 26. Aug. 1813 zu Stuhlweißenburg, studierte in Preßburg, Tyrnau und Wien, war hierauf seit 1836 in Pest Kaplan, seit 1846 Professor der Religionswissenschaft an der Universität, wurde 1849 Sekretär des Primas Scitovszki und 1852 Sektionsrat im k. k. Kultusdepartement, bis er 1857 zum Bischof von Raab und 1867 zum Erzbischof von Gran und Fürst-Primas von Ungarn ernannt wurde. Als solcher vollzog er den kirchlichen Akt bei der Krönung des Kaisers Franz Joseph zum König von Ungarn 8. Juni 1867. Am Konzil zu Rom 1870 nahm er hervorragenden Anteil; 1873 wurde er Kardinal. Sein fürstliches Einkommen verwendete er auf wohlthätige Stiftungen, auf Kirchen- und Schulenbau, Kunstsammlungen etc.; auch ist er als Schriftsteller bedeutend und besitzt im Reichsrat großen Einfluß.

Simos, Eustathios, griech. Staatsmann, geb. 1804 zu Janina (Epirus), studierte in seiner Heimat und in Italien, trat dann in den griechischen Staatsdienst, wurde Unterstaatssekretär im Finanzministerium, 1843 Mitglied der griechischen Konstitutionellen Versammlung, 1859 Finanzminister, 1868 Deputierter von Athen und abermals Finanzminister und 1872 Gesandter in Konstantinopel, als welcher er bessere Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei herstellte. Er starb 29. Okt. 1878 in Athen. Ein scharfsinniger, uneigennütziger Politiker, wirkte er auch schriftstellerisch für die Einführung konstitutioneller Staatsformen. Zu seinen Hauptschriften gehören drei sehr geschätzte Dialoge: "Über Gewalt", "Über Gerechtigkeit", "Über Glaube" (Athen 1878).

Simpel (lat.), einfach, schlicht, kunstlos; einfältig, schwachsinnig; substantivisch s. v. w. Einfaltspinsel.

Simplicissimus, Roman, s. Grimmelshausen.

Simplicĭter (lat.), einfach, schlechthin.

Simplicĭus, Papst, geboren zu Tivoli, bestieg den römischen Stuhl 468 und war ein strenger Eiferer für Kirchenzucht und Rechtgläubigkeit; starb 2. März 483. Sein Tag ist der 2. März.

Simplifikation (lat.), Vereinfachung.

Simplikĭos, peripatetischer Philosoph des 6. Jahrh. n. Chr., gebürtig aus Kilikien, Schüler des Ammonios und Damaskios, lehrte in Alexandria u. Athen, wendete sich unter Justinian I. nach Persien, wo ihn Chosru freundlich aufnahm, kehrte jedoch später zurück und starb 549. Er schrieb Kommentare über des Aristoteles Schriften, zu den Kategorien (Venedig 1499, 1541), zu der Physik (das. 1526), zu den Schriften: "De coelo" (das. 1526; hrsg. von Karsten, Utrecht 1865) und "De anima" (Venedig 1524), zu Epiktets "Enchiridion" (hrsg. von Schweighäuser, Leipz. 1800, 2 Bde.; deutsch von Enk, Wien 1867). In der von der Berliner Akademie unternommenen Ausgabe der griechischen Kommentare zu Aristoteles erschienen bis jetzt die Kommentare zur Physik (Buch 1-4 von Diels, Berl. 1882) und zur Schrift "De anima" (von Hayduck, das. 1882).

Simplizität (lat.), Einfachheit; Einfältigkeit.

Simplon (ital. Sempione), franz. Namensform eines Hochgebirgspasses der Walliser Alpen (2010 m), nach dem am Südfuß gelegenen deutsch redenden Schweizerdorf Simpeln. Hier diente dem Verkehr zwischen dem Rhône- und Tocethal, zwischen dem Genfer See und Lago Maggiore ein schmaler Pfad, der nur in der schönen Jahreszeit zugänglich war, bis Napoleon I. 1800-1806 mit einem Kostenaufwand von über 18 Mill. Frank die heutige Kunststraße erbauen ließ. Die Wichtigkeit der neuen Straße veranlaßte ihn auch zur Annexion des Wallis. Die Breite der Straße beträgt 8-9 m, die Steigung bis 6-7 Proz. Von Brieg bis Sesto Calende mußten 611 größere und kleinere Brücken, 7 Galerien und 20 Schutzhäuser hergestellt werden. Unfern der Paßhöhe liegt das 1825 vollendete Simplonhospiz, worin jährlich 12-13,000 Reisende bewirtet werden. Die längst projektierte Simplonbahn ist noch nicht über das Stadium der Anregungen, Studien und Verhandlungen hinausgekommen, zum Teil wegen der Schwierigkeiten, welche dem Werk selbst entgegenstehen, zum Teil auch, weil von Zeit zu Zeit andre Projekte auftauchen, welche dem französischen Interesse besser zu entsprechen scheinen. Es ist insbesondere der große Alpentunnel, welcher technische und finanzielle Bedenken erweckt. Er ist auf die Länge von 18½ km berechnet und würde, inkl. Zufahrten, etwa 80 Mill. Fr. kosten; zudem ergibt die Stapffsche Formel, daß die Tunneltemperatur auf 40-47° C. steigen müßte, eine Höhe, die nach den bisherigen Erfahrungen die Arbeit im Tunnel unmöglich machen würde. Unter den sehr erheblichen Unterstützungen, welche dem Unternehmen zufließen würden, ist die eidgenössische, im Betrag von 4½ Mill. Fr., schon